Es waren einfache Arbeiter im Jahre 1895. Mit dem Aufstoßen der schweren Tore des Fabrikgeländes von Monsieur Lumière verdammten sie uns alle zu Deutschlands Negativrekord-Video „How it is (wap bap)“ auf Youtube von Bibi H alias bibisbeautypalace aka Bianca Heinicke. Warum? Weil der erste Film der Geschichte ebenfalls Product Placement ist.

Werbende Bewerber

Natürlich trennt vieles die Gebrüder Lumière, ihrerseits Fotoindustrielle, Urheber des Cinématographen und Macher der ersten Filmaufnahmen der Geschichte und Bianca Heinicke, ihrerseits Youtuberin, Urheberin des Bilou Dusch- und Cremeschaumes. Mehr als ihre Ideen und Geschicke in der Präsentation. Ein kleiner Vergleich:

Wer? Wo? Was? Views
Gebrüder Lumière Grand Café am Pariser Boulevard des Capucines La Sortie de l’Usine (dt. Arbeiter verlassen die Lumière-Werke) 33
BibisBeautyPalace Youtube Bibi H – How it is (wap bap …) Official Video 42.697.368

Etwas Entscheidendes haben sie gemeinsam – das Bewegtbild. Und den Hang zur heimlichen Produktplatzierung. Doch wenn es im Jahre 1895 noch gerade durchging, wie schaut es heute damit aus? Erstmal ein paar Fakten.

Nicht nur IN seit Nielsen

Gefühlt nutzt jeder alles. Bei Youtube stimmt das. Laut einer deutschlandweiten Umfrage 2015 zur „Nutzung von YouTube in Deutschland nach Bundesländern“, benutzten Befragte in allen Bundesländern das Internet-Videoportal. In fünf davon waren es sogar über 90 Prozent. Weitere Umfragen zeigen, dass die Altersgruppe der 14 – 19 Jährigen am aktivsten ist. Kein Wunder, dass Unternehmen vermehrt ihre Werbung und Ads auf der Videoplattform schalten.

Nielsen analysierte 1.200 Werbetreibende aus 27 Wirtschaftsbereichen. In den ersten vier Monaten des Jahres 2017 bewarben sie mehr als 3.600 Produkte und Serviceleistungen auf der Videoplattform Youtube. Die werbeintensivste Branche ist der Handel, E-Commerce, Dienstleistungen, Körperpflege & Kosmetik sowie Telekommunikation.

Wo flimmert’s am besten?

Dabei sind signifikante Unterschiede in Art und Weise der Verbreitung auf die Endgeräte festzustellen. Video-Werbung wird überwiegend auf Desktops, Video Ads auf Smartphones geschaltet. Beiersdorf (Nivea), Citroën, L’Oréal, Amazon und Samsung Electronics kristallisieren sich als die Top-Werbetreibenden heraus.

Dabei ist die klassische Werbung am beliebtesten. Ebenfalls gut – mit 25 Prozent aller Schaltungen – schneiden Produktpräsentationen wie Unboxing Videos ab. Diese werden überwiegend von Werbetreibenden aus Bereichen wie Dienstleistungen, Handel und Touristik eingesetzt. Mit nur sieben Prozent schneiden Native Ads schlecht ab. Noch weiter hinten landeten Social Ads sowie Tutorials mit vier Prozent.

Künstlerischer Kommerz oder kommerzialisierte Kunst?

„Die Vorsicht hält den ehrlichen Mann immer schadlos“ so Gotthold Ephraim Lessing und auch in Sachen Youtube läge er damit goldrichtig. Denn die Grenze zwischen offener und erlaubter Produktplatzierung und unterschwelliger oder verbotener Schleichwerbung ist: auslegbar. Manche Rechtsanwaltskanzleien haben sich regelrecht auf Internet- und Medianrecht sowie Regelungen und Richtlinien zur Produktplatzierung im Netz spezialisiert. Passend zu Trend und Zielgruppe werden Erklärungen in Videoform veröffentlicht. Zusätzlich hilft es, sich mit Hilfs- und Richtlinien der jeweiligen Videoplattform auf dem Laufenden zu halten.

Bild: © Rawpixel.com/ fotolia.com

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