Es könnte alles so einfach sein. Foto, Video oder Dokument auswählen, Kontakt zuweisen, verschicken. Fertig. WhatsApp, als größter Kurznachrichtendienst der Welt, ist die perfekte Lösung. Wäre die perfekte Lösung. Wenn es denn die Perfektion gäbe. Oder niemand sowas wie Datenschutz ernst nähme.

Denn besonders der kommerziellen Nutzung des Messengers wurde letztes Jahr ein kräftiger Kinnhaken verpasst. Warum? Weil der WhatsApp-Messenger automatisch Daten übermittelte. Auch ohne Zustimmung der Nutzer. Oder seiner Kunden. Und das ist schlicht und einfach verboten! Was also tun, um die Kunden nicht zu verlieren? Nicht verklagt zu werden? Und gibt es Alternativen?

Stille Post mal anders

Rund 1,2 Milliarden Nutzer weltweit. Die Zahlen steigen stetig, immer mehr Funktionen und Zusätze erscheinen. Doch seit der Übernahme durch Facebook (2014) durchlebt WhatsApp schwere Zeiten. Der letzte Super-GAU: eine Klage von Verbraucherschützern. Grund: Das Amtsgericht Bad Hersfeld befand, dass WhatsApp-Nutzer einen Rechtsverstoß gegen den Datenschutz begehen.

Der Vorwurf: WhatsApp soll Kundendaten nach Änderung der Nutzungsbestimmungen im vergangenen August gesammelt und widerrechtlich an den Mutterkonzern Facebook weitergegeben haben. Harter Tobak.

Ein Messenger, sie zu kennen, sie alle zu finden…

Denn selbst der private Gebrauch von WhatsApp ist nicht Datenschutz konform. Wer sich beim Messenger registriert, stimmt zu, dass dieser nicht nur Zugriff auf die eigene Telefonnummer hat, sondern ebenfalls auf:

• Anzeigenamen
• Geburtstag
• Status
• Profilbild
• verschickte und empfangene Fotos, Videos und Dateien
• Standort (über GPS)
• Mobile Daten
• WiFi-Verbindungen
• eingehende und ausgehende Anrufe (aber nicht Inhalt des Gespräches)
• Gerätenummer
• und alle Nummern Eurer Kontakte (auch auf die, die kein WhatsApp benutzten)

Eine lange Liste. Ein kleines bisschen Spionage-Duft hängt in der Luft.
Die absurde rechtliche Situation: Eigentlich müsst Ihr das Einverständnis jedes Kontaktes einzeln einholen, um WhatsApp überhaupt benutzten zu dürfen. Wenn nicht kann Euch jeder abmahnen.

Datenschutz: Bei kommerzieller Nutzung Daten und Geldbeutel schützen

WhatsApp ist omnipräsent. 1,2 Milliarden Nutzer, das sind 15 Prozent der Weltbevölkerung. Marketingmaßnahmen wie Newsletter, Push-Nachrichten und Kontaktaufnahme über Messenger werden immer beliebter. Deswegen: Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Der gravierende Fehler: kommerziell ausgerichtete WhatsApp-Gruppen einrichten.

Der Grund: Alle Teilnehmer sehen sowohl ihre eigene als auch alle Mobilnummern innerhalb der Gruppe. Rechtlich riskant und heikel. Hier müssen juristische Vorgaben in Deutschland unbedingt eingehalten werden. Zu berücksichtigen sind das Telemediengesetz (TMG) sowie das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Ohne Einwilligung ist der Versand werblicher Botschaften, auch über Messenger-Dienste wie WhatsApp, nicht erlaubt.

Die Lösung

Nicht Gruppen, sondern Broadcast-Listen mit Double-Opt-Verfahren. Der Vorteil: Der einzelne Kunde kann die Daten und Nummern aller anderen Kunden nicht einsehen. Und er muss sich nicht nur anmelden, sondern seine Zustimmung zum Erhalt von Nachrichten und Informationen aktiv bestätigen.

Einziger Wermutstropfen: “Es liegt in der Verantwortung unserer Kunden, nicht gegen das UWG zu verstossen, da dies ja durch die versandten Inhalte erfolgen würde, auf die wir keinen Einfluss haben.”, so Franz Buchenberger, Geschäftsführer WhatsBroadcast, in einer schriftlichen Korrespondenz mit unserer Redaktion.

Solche Broadcast-Listen einrichten: Messenger öffnen, oben rechts auf die drei Pünktchen (Android) oder oben links auf Broadcast-Listen (iOS) klicken und „Neuer Broadcast“ auswählen.
Jeder, der Kundenkontakt über WhatsApp pflegt, kann ebenfalls auf Dienste wie WhappodoTelegra WAM oder WhatsBroadcast zurückgreifen. Durch ein Double-Opt-In Verfahren müssen sich Nutzer aktiv für eine solche Liste anmelden. Dies verifiziert nicht nur die Echtheit des Nutzers und seiner angegebenen Informationen. Der Empfänger gibt damit ebenfalls sein Einverständnis, werbliche Inhalten zu erhalten.

“Wir sind ein Technologieanbieter, ähnlich einem eMail-Versand-Service. Und bezüglich des Telemediengesetzes ist es so, dass unser Service nur Nutzer/Abonnenten erreicht, die ein explizites Double-Opt-In durchgeführt haben. Also selbst auf ihrem Smartphone eine Servicenummern als Kontakt eingetragen haben und an diesen Kontakt eine erste Nachricht per WhatsApp gesendet. Es ist ausgeschlossen, dass man an Personen Nachrichten schickt, die diese Schritte nicht vorgenommen haben.”, so Herr Buchenberger.

Alternativen in Violett, Blau und Orange?

Die Auswahl anderer Messenger kann zeitintensiv werden. So empfiehlt die Verbraucherzentrale die Dienste zu verwenden, die weder Nachrichteninhalte noch andere Daten ihrer User zu Werbezwecken nutzen oder an andere Unternehmen weitergeben. Dadurch fallen Skype, Google Hangouts, Snapchat, Googles Messenger Allo, der Facebook Messenger und iMessage weg. Also: Mission Impossible? Nicht ganz. Denn es gibt anonym nutzbare Messenger wie Hoccer und Threema. Jetzt müsst Ihr Eure Kunden nur noch davon überzeugen, den gleichen Nachrichtendienst zu verwenden wie Ihr.

Fazit

Der grüne Kurznachrichtendienst ist nicht nur der beliebteste Messenger, sondern als vollwertiges Marketing-Tool angekommen. Aber die kommerzielle Nutzung, vor allem hier in Deutschland, ist immer noch prekär. Denn obwohl das Double-Opt-In Verfahren eine gute und notwendige Sicherheitsvorkehrung ist. Einen 100-prozentigen Datenschutz garantieren – kann es nicht.
Somit ist die einzig wahre Lösung: WhatsApp löschen.

Bild: ©Thomas Söllner/Fotolia

 

 

3 KOMMENTARE

  1. […] Das letzte Jahr hat nicht nur der Versicherungsbranche gezeigt, dass Datenschutz lange ein unterschätztes Thema war. Aber mit der DSGVO ging ein Ruck durch die Assekuranz und jetzt sieht alles anders aus. Oder etwa nicht? Zeit, mit einem Experten darüber zu sprechen: Andreas Sutter von der Firma basucon. In unserer neuen Reihe er uns Tipps, informiert über Gefahren und berichtet aus seinem Praxis-Alltag als Datenschutzbeauftragter. Zum Start der Reihe im Fokus: WhatsApp im Vertrieb. […]

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