Was Nietzsche für die Philosophie war, ist Ripple (XRP) für den Markt der Kryptowährungen. Ein Exot, ein Rockstar, ein Regelbrecher. Denn anders als Bitcoin, der im Zuge der Finanzkrise 2008 ins Leben gerufen wurde mit der ambitionierten Vision, eines Tages Banken zu ersetzen, positioniert sich der Ripple-Coin als Kumpel der Wall Street. So zählen laut dem Unternehmen bereits mehr als 100 Finanzinstitute zu ihren Kunden. Darunter American Express, USB, Unicredit, die deutsche Reisebank und die spanische Santander Bank. Ziel des kalifornischen Startups: Günstiger und schneller Zahlungsverkehr. Und das auf internationaler Ebene. Geht der Plan auf?

Ripple: „Bitcoin für Banken“

Doch alles von Anfang an. Was stellt der Coin dar? Grob umrissen positioniert sich Ripple als “Bitcoin für Banken”. So ist der größte Unterschied zu herkömmlichen Kryptowährungen: Es verwaltet keine Blockchain, sondern ein Verzeichnis von Schuldscheinen (IOU).
Und diese Schuldverschreibungen können in jeder beliebigen Fiat-Währung ausgezeichnet sein, aber auch in der eigenen Währung (XRP).

So sind in diesem Ripple-Verzeichnis nicht nur alle Transaktionen gespeichert, sondern auch der übertragene Gegenwert. Die im Netzwerk gespeicherten Transaktionen sind durch ein Konsens-System miteinander verbunden. So ist es für den Coin möglich, innerhalb weniger Sekunden alle Geldüberweisungen von einer Bank zur anderen vorzunehmen. Und das in Echtzeit und kryptografisch abgesichert, im Umfang des VISA-Netzwerkes. Zum Vergleich: Für eine fälschungssichere Transaktion benötigt Bitcoin zehn Minuten.

Alles. Überall. Und dabei (fast) keine Transaktionsgebühr

Und der Plan geht auf. Zumindest teilweise. Denn der Rebellen-Coin macht sich gut. Gemessen an seiner Marktkapitalisierung belegt er den dritten Platz, direkt hinter den Schwergewichten Bitcoin und Ethereum. Das auferlegte Ziel und USP: Ein schnelles und skalierbares System zu sein, der digitale Vermögenswerte in Echtzeit austauscht. Bisher scheint das aufzugehen. Denn anders als der Bitcoin hat Ripple bis jetzt damit großen Erfolg:

„Selbst, wenn XRP einen Preis von zehn US-Dollar erreichen würde, würden die Kosten für die kleinstmögliche Transaktion immer noch bloß ein Hundertstel eines Cents betragen. Das bedeutet, dass der XRP-Preis bei 100.000 US-Dollar liegen müsste, damit die Transaktionskosten ein US-Dollar betragen würden.“, sagt Mati Greenspan, Analyst bei der Handelsplattform eToro.

Gemäß der Ripple-Webseite liegt der momentane Preis der Transaktionskosten (“Transaction fee”) pro getätigter Transaktion bei 0,0007 US-Dollar. Nur zum Vergleich: Bei Bitcoin sind es acht Dollar. Durch die Infrastruktur des Netzwerkes werden zudem 1.500 Transaktionen pro Sekunde gesichert. Ripple ist also ein Netzwerk, welches schnelle Transaktionen garantieren will. Aber warum bleibt der Coin trotzdem so unbeliebt?

Pseudodezentral

Diese Nähe zur Wall Street wird der virtuellen Münze und damit dem Unternehmen Ripple Labs. oft vorgeworfen. Der Grund: Bei dem gesamten Kontingent von 100 Milliarden Token liegen mehr als die Hälfte (61,4 Milliarden) in den Händen der Entwickler. Nach eigenen Angaben haben sie diese zurückgehalten, um Liquidität, Vertrauen und Anwendbarkeit zu garantieren.
Auch das beliebte Mining entfällt be Ripple (XRP) komplett, da diese Kryptowährung lediglich Schuldenverzeichnisse und keine Blockchain im engeren Sinne darstellt.

Kaufen? So gehts

Im Euroraum ist das Kaufen von Ripple derzeit nur mit einem Umweg möglich:

1.) Schritt: Account auf Coinbase einrichten, verifizieren und Euro einzahlen
2.) Schritt: Bitcoin, Ethereum oder Litecoin kaufen
3.) Schritt: Bitfinex oder Binance Account erstellen und Bitcoin, Ethereum oder Litecoin von Coinbase auf Bitfinex oder Binance Konto/Wallet senden
4.) Schritt: Bitcoin, Ethereum oder Litecoin auf Bitfinex in Ripple tauschen

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Dieser Beitrag ist nicht als Kaufberatung gedacht. Wir haften nicht für Anlageentscheidungen, die Sie anhand dieses Beitrags treffen.

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