„Gehe nicht über Los, sondern direkt ins Gefängnis und ziehe keine 5000 Bitcoins ein.“

Das kann bald eine neue Version des beliebten Brettspiels Monopoly sein. Warum nicht. Nur mit Bitcoins und anderen Kryptowährungen. Der Hype wäre da, ebenso wie die Interessenten. Doch während ein kurzer Gefängnisaufenthalt im Spiel sich nicht sonderlich dramatisch auf den weiteren Verlauf auswirkt, hat ein solcher Zwangsurlaub im realen Leben erhebliche Folgen. Und auch Strafzahlungen sind kein Kinderspiel. Wobei, so weit muss es nicht kommen. Deswegen haben wir für Euch Tipps und Tricks zusammengetragen, wie Gewinne aus dem Geschäft mit Kryptowährungen in die Steuererklärung gehören.

Die Qual der Wahl

Wie unübersichtlich die Vielzahl der Coins und Tokens ist, so unübersichtlich die Versteuerung. Denn: Gewinne aus Kryptowährungen werden nicht wie Kapitalerträge aus Wertpapiergeschäften, also Aktien- oder Optionsgeschäften – gemäß der Kapitalertragssteuer – versteuert. Nein. Denn Bitcoin, Ethereum, Ripple und Co. gelten in Deutschland als immaterielle Wirtschaftsgüter.

Deswegen kommt es in erster Linie auf die Veräußerung der digitalen Münzen an. Vor allem im privaten Bereich. So können Gewinne und Verluste aus Kryptowährungen deswegen (steuerlich) in vier verschiedene Kategorien fallen:

1.) Einkünfte aus Kapitalvermögen nach Paragraf 20 Einkommensteuergesetz (EStG),
2.) Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften (Spekulationsgeschäfte) nach Paragraf 23 EStG
3.) Gewerbliche Einkünfte nach Paragraf 15 EStG
4.) Sonstige nicht steuerbare Veräußerungsgeschäfte außerhalb der Jahresfrist

Angucken aber nicht anfassen

Zunächst ist es wichtig, dass Ihr die Art des Tradings kennt, den Ihr betreibt. So gibt es sogenannte Social Trading Plattformen (Avatrade, IQ Option, Markets.com, Iforex, Easymarkets, IG Markets, CMC Markets, 24 Option, Etoro). Hier setzen Privatanleger auf steigende oder fallende Kurse von Kryptowährungen. Aber ohne dabei selbst welche zu besitzen.

Solche Gewinne und Verluste stellen Einkünfte aus Kapitalvermögen nach Paragraf 20 Absatz 2 Nummer 3 EStG (Termingeschäftsgewinne) dar. Problematisch ist lediglich, dass viele der einschlägigen Social Trading Plattformen im Ausland sitzen und daher keine Abgeltungsteuer einbehalten und an das deutsche Finanzamt abführen. Deswegen muss hier der Anleger die Gewinne und Verluste eines jeden Jahres selbst in seiner Steuererklärung ermitteln. Und die Anlage KAP abgeben. Dabei ist ein Werbungskostenabzug, wie zum Beispiel aus laufenden Gebühren, bei Kapitaleinkünften ausgeschlossen.

Virtuelles Haben

Dann gibt es noch Social Trading Plattformen wie Coinbase, Binance und Bitfinex und Co. auf denen Anleger tatsächlich in Kryptowährungen investieren. Ergo, sie besitzen. So unterliegen Anleger, die eine Kryptowährung haben und diese in einer Wallet halten, nicht der Abgeltungsteuer. Sondern sie haben sonstige Einkünfte gemäß Paragraf 23 Absatz 1 Nummer 2 EStG.

Besonders wichtig zu beachten ist hier der Zeitraum. So sind Gewinne solcher Investoren erst dann steuerpflichtig, wenn zwischen Erwerb und Verkauf maximal ein Jahr liegt. Dann zählt es als Veräußerungsgeschäft. Verluste innerhalb der Jahresfrist sind steuerlich von den Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften desselben Jahres abzuziehen. Der Lichtblick: Ein maximaler Gewinn von 600 Euro ist steuerfrei. Wenn dieser höher ausfällt, so ist dieser in voller Höhe mit dem persönlichen progressiven Steuersatz zu versteuern. Entsteht ein Verlust, ist dieser von Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften des vorangegangenen Jahres oder aller künftigen Jahre abziehbar. Gut zu wissen: Gewinne und Verluste aus der Veräußerung sind nach Ablauf der Spekulationsfrist (ein Jahr seit Erwerb) ebenfalls steuerfrei.

Die Kohle aus den Schächten

Auch die Zwerge in den Stollen müssen ihren Beitrag leisten. So müssen sogenannte Miner, also Personen, die Kryptowährungen selber generieren, grundsätzlich ihre Gewinne und Verluste gemäß Paragraf 15 EStG in der Steuererklärung angeben. Denn diese unterliegen der Gewerbesteuer. Dies gilt sowohl bei privaten Minern als auch bei Cloudmining-Anbietern, die ihre Dienste mit einer klaren gewerblichen Gewinnabsicht betreiben.

Steuererklärung ohne Kryptowährung: HoldIn

Die gute Nachricht kommt zum Schluss. So dürfen Anleger, die weder wegen professionellen Handels noch wegen Minings einen Gewerbebetrieb unterhalten, dabei aber tatsächlich in Kryptowährungen investieren, Gewinne steuerfrei vereinnahmen. Einzige Bedingung: Sie müssen das Kryptogeld länger als ein Jahr gehalten haben. Ein kleiner Wermutstropfen: Auch Verluste lassen sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr steuerlich absetzten.

Bild: ©slavun/Fotolia