Wie oft hat mir meine Mama gesagt: „Spiel nicht mit diesem Jungen!“. Ich habe nicht auf sie gehört. Wie so oft. Und nun haben wir den Salat. Schon wieder. Doch anders als bei einer gekonnt eingeschossenen Fensterscheibe im Innenhof mit einem dreckigen Fußball, ist die neuerliche Sachlage viel ernster. Auch wenn die Empörungen ungefähr auf demselben Level sind.

Die Analysefirma Cambridge Analytica wird beschuldigt, Daten von mehr als 50 Millionen Menschen missbraucht zu haben. Über Facebook. Nun verkaufen Investoren ihre Facebook-Aktien und ziehen vor Gericht. Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg soll davon nichts gewusst haben. Wer ist nun Opfer und wer Täter?

Nicht Putin, sondern Cambridge?

Der Sachverhalt könnte eine interessante Wendung in einem eigentlich längst überdrüssigen Fall sein. So wird der umstrittenen Analysefirma Cambridge Analytica unterstellt, sie hätte Zugriff auf Facebook-Profile von bis zu 50 Millionen Menschen gehabt. Der Vorwurf: Meinungs- und Wahlmanipulation.

Denn der inzwischen suspendierte Chef Alexander Nix soll damit einen Großteil des Wahlkampfs für US-Präsident Donald Trump bestritten haben. Er dementiert die Vorwürfe und betont, die Profile seien nicht für den US-Wahlkampf zugunsten Trumps eingesetzt worden. Doch wie gelangen derart viele Daten von Facebook in fremde Hände? Die Mutmaßung: Entweder handelte und verkaufte Facebook jene Daten oder sie wurden gehackt.

“Das Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden”, heißt es in einer Mitteilung von Facebook. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernstes der Lage bewusst. Facebook arbeitet daran, seine Richtlinien durchzusetzen, um alle Informationen der Nutzer zu auch weiterhin zu schützen.

Facebook vs. Cambridge Analytica

Facebook sieht sich hintergangen. Doch nach den Darstellungen des Whistleblowers Christopher Wylie, der bei Cambridge Analytica gearbeitet hat, hatte das Unternehmen bei Facebook eine wissenschaftliche Untersuchung angemeldet. In Gestalt eines Persönlichkeits-Quizes.

Das Quiz entwarf Wissenschaftler Alexandr Kogan, der in Cambridge forscht. Am Test selbst nahmen offenbar 270.000 Facebook-Nutzer teil. Damit gaben sie aber nicht nur die eigenen, sondern auch die Daten aller ihrer Freunde preis, was die Zahl der abgeschöpften Profile auf fünfzig Millionen erhöhte.

Das Kind, der Brunnen und die Klagen

Wer hat nun Recht? Ungewiss. Hier steht Aussage gegen Aussage. Die Konsequenzen für Facebook sind allerdings bereits jetzt ein herber Schlag. So leitete die US-Verbraucherschutzbehörde (FTC) eine offizielle Untersuchung gegen das Unternehmen  ein.

Auch der Aktienmarkt nahm den Datenskandal nicht gut auf. So verlor Facebook seit Montag zeitweise bis zu 50 Milliarden Dollar an Unternehmenswert. Inzwischen haben die ersten US-Investoren eine Klage gegen Facebook eingereicht: Die Aktionäre beklagen, sie seien hinters Licht geführt worden. Man habe sich darauf verlassen, dass die Konzernführung von Facebook im Stande ist, die Daten der Nutzer zu schützen. Außerdem wird Facebook vorgeworfen, eigene Datenschutzvorschriften und Richtlinien verletzt zu haben. Und dazu dieser Dolchstoß. WhatsApp-Mitbegründer Brain Acton schrieb auf Twitter die Nachricht:

„It is time“ – „Es wird Zeit“, begleitet vom Hashtag #deletefacebook (löscht Facebook)

Ein mulmiges Gefühl im Bauch? Hier gibt es Tipps und Trick für sicherer Passwörter und alles, was Ihr über den Schutz von biometrischen Daten wissen solltet.

Bild:©Mark Zuckerberg/ Facebook Newsroom 

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