Für den dritten Teil seiner Interview-Reihe zum Thema Digitalisierung und Vertrieb in der Versicherungsbranche verschlug es Felix Anthonj von Dortmund in den Süden. Bis über die Landesgrenzen hinaus nach Wien. Denn auch bei den österreichischen Nachbarn tut sich einiges. Was genau aktuell passiert und was der Stand in Sachen Vertriebsdigitalisierung ist, darüber sprach er mit Werner Holzhauser, Geschäftsführer der wefox Austria GmbH.

Im Fuchsbau

Als ehemaliger Vertriebsvorstand der UNIQA Versicherung mit einem langjährigen Hintergrund im klassischen Finanzvertrieb, kennt der Geschäftsführer des österreichischen wefox-Ablegers beide Seiten. Ein Insider für den klassischen Vertrieb und die neue InsurTech-Welt also. Wie gut sind die traditionellen Vertriebe in Österreich für die Zukunft aufgestellt, will Anthonj gleich in der einleitenden Frage wissen. Nach Holzhausers Einschätzung stehen sie vor großen Herausforderungen.

Ü50-Party

Felix Anthonj
Felix Anthonj, Geschäftsführer von Flexperto

Das Problem der Vertriebe aus seiner Sicht: Das Alter. Die heutige digitale Welt sei schnelllebig, das Durchschnittsalter des Otto-Normal-Maklers allerdings 50 Jahre. Zwar sei dies allein noch kein Hindernis, doch es werde sehr darauf ankommen, eine Mischung aus klassischen und modernen Vertriebskanälen zu finden. Schnell. Und „diese Chancen gilt es auch zu nutzen“, betont Holzhauser. Klar gebe es noch Unternehmen, die komplett old-fashioned seien, ohne „Digitalisierungsschmarrn“. Nicht zuletzt wegen der DSGVO. Aber „diese Vertriebe werden von der Zeit gefressen“, ist er sich sicher.

 „Ein großes Problem der Branche ist es, Nachwuchs zu bekommen. Wie kann ich den Kunden der Zukunft begleiten? Und da bietet die Digitalisierung eine riesige Chance“, so Holzhauser.

New Kid on the Block

Vollmachten der Kunden einzukassieren, um offenen Provisionsbestand zu bekommen, wie man es bei anderen Playern schon gesehen habe, werde wefox tunlichst vermeiden, so Holzhauser. Stattdessen sollen die Kunden einerseits in die Digitalisierung begleitet werden, andererseits will das Unternehmen einen persönlichen und direkten Kanal zwischen Endkunden und Berater schaffen. Der Grund: Es ist unmöglich ein rein digitales Geschäftsmodell im Versicherungsbereich aufzubauen. Sagt Holzhauser.

„Wenn man versuchen würde, rein digital den Kunden zu erreichen, um ihm eine Krankenversicherung zu verkaufen, eine BU oder eine Lebensversicherung, müsste man so viel Geld investieren, dass die Geschäfte negativ werden. Ein Versicherungsprodukt ist einfach nicht sexy.“

Alle an einen Tisch

Mit wefox verfolgt Holzhauser das Ziel zum digitalen Marktplatz für Kunden, Makler und Versicherer zu werden. Egal, wer im System eine Änderung vornimmt, alle Beteiligten bekommen dies „just in time“ mit. Die Wünsche und Bedürfnisse jeder Partei werden über den wefox Marketplace abgewickelt. Dabei werde darauf geachtet, dass das individuelle Trademark eines jeden Maklers erhalten bleibe. Momentan arbeitet wefox daran, die richtige technische Basis aufzubauen, zusätzlich zu den Aufgaben im Bezug zum Datenschutz und der IDD. Denn die Branche ist stark reguliert, als digitales Unternehmen müssen erst Hürden genommen werden.

Trotzdem gibt sich Holzhauser ambitioniert: „Unser Ziel bis 2020: Einen Kundenbestand zwischen 400.000 und 500.000 Kunden. Und ich glaube, dass wir es zusammenbringen werden, weil das von uns aufgebaute wefox-System einzigartig ist auf dem Markt“, argumentiert der Geschäftsführer.

Been there, done that

Als ehemaliger Vertriebsvorstand der UNIQA Versicherung und nun als CEO eines InsurTechs, hat Werner Holzhauser eine spezielle Sichtweise auf die Branche. Er weiß, vor welche Herausforderungen die Digitalisierung die Vertriebsvorstände stellt: „Sie haben ein großes Problem, ihre Historie. So ist die Versicherungsbranche in Österreich über 150 Jahre alt. Es ist schwer solche Strukturen und eingesessenen Unternehmen von heute auf morgen zu ändern.“ Doch lange warten würde er nicht.

Wird der Fuchs zum Jäger?

Wird wefox Austria den traditionellen österreichischen „Big Playern” den Rang ablaufen? Und wenn ja, wie? Und wie sieht die weitere Strategie dafür aus? Dazu mehr im Video.

Felix Anthonj
Felix Anthonj ist Gründer und Geschäftsführer der flexperto GmbH, einem Berliner Software-as-a-Service Unternehmen, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Unternehmen bei der digitalen Transformation ihrer Vertriebs- und Beratungsprozesse zu unterstützen. Mit dem jährlichen Fachkongress Digisurance bietet Flexperto Vertretern der traditionellen Branche und der InsurTech-Landschaft eine Plattform für Austausch und die Präsentation gemeinsamer Projekte.
Werner Holzhauser
Werner Holzhauser ist ehemaliger Vertriebsvorstand der UNIQA Versicherung. Seit 2016 ist er Geschäftsführer bei der wefox Austria GmbH (vormals FinanceApp) und geschäftsführender Gesellschafter bei Valued Asset Consulting.

Titel- und Beitragsbilder: ©Flexperto/wefox Austria GmbH

Video: ©Flexperto

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