Mit dem Journalismus und seiner Käuflichkeit ist es so eine Sache. Bereits seit einigen Monden steht, insbesondere in Fachkreisen, ein Mann vielleicht mehr als jeder andere dafür, dass einfach alles seinen Preis haben kann – während Otto-Normalo das für gewöhnlich noch nicht einmal bemerkt.

Der wundersame Wandel vom einstigen Verbraucherschutz-Redakteur zum willfährigen Claqueur jener, die (vermutlich) gut für seine „Ratschläge“ zahlen, echauffiert und erheitert die Fachwelt immer wieder. Die Rede ist von Hermann-Josef Tenhagen, seines Zeichens Chefredakteur des „gemeinnützigen Verbraucher-Ratgebers“ Finanztip. Sein neuester Coup: ein denkwürdiger Auftritt bei Stern TV in der vergangenen Woche. Die Facebook-Foren der Vermittler glühten vor Empörung. Was war passiert?

Billig, billig, billig … um jeden Preis?

Um das Thema „Autoversicherung“ sollte es gehen. Pünktlich zum Jahresende hatte die Stern TV-Redaktion das Saisonthema herausgekramt. Ob Tenhagen als telegen-erfahrenes Konterfei aus so manch anderem TV-Format von den Kölnern gecastet worden war? Oder ob er sich – respektive seine Financiers ihn – bei RTL eingekauft haben mögen? Wir werden es wohl nicht erfahren.

In jedem Fall saß er nun da, im bequemen Sessel bei Moderator Steffen Hallaschka. Und der kam rasch auf den Punkt und verkündete, was der geneigte Verbraucher erwarten könne: bei der KFZ-Versicherung möglichst viel zu sparen. Und das um jeden Preis, wie sich bald herausstellen sollte.

Hokus Pokus Tenhagen: Leistung raus und Geld gespart?

„Hundert Euro sind für jeden drin“, lautete das vollmundige Versprechen an das Publikum. Und den Beweis anzutreten, ließ Tenhagen sich in seiner Stern-Stunde nicht lumpen. Da wurde dann schon mal der alleinerziehenden Mutter geraten, statt monatlicher Zahlweise lieber jährlich zu löhnen und zur Finanzierung gern auch mal „ins Dispo“ zu gehen. Einer anderen Zuschauerin empfahl der „Fachmann“, sie möge doch den Anbieter sowie von der Vollkasko in die Teilkasko wechseln und auf den Rabattschutz verzichten. Einem weiteren riet er, ebenfalls die Vollkasko zu stornieren, weil sein Auto ja ohnehin nur eine „alte Schese“ sei.

Wow, wer hätte des gedacht? Ich entferne Leistungsbausteine aus meinem Vertrag und, bumms: spare ich Geld! Ob es für diese Erkenntnis eines solchen Experten bedurft hätte?

Immer schön vergleichen: Am besten bei … na wem wohl?

Auch die Quellen seiner Weisheit nannte Tenhagen unverblümt:

„Das Einfachste ist, mehrere Vergleichsportale, also check24 und Verivox, zu nutzen.“

… und fügte ungeniert hinzu:

„Die testen wir bei Finanztip jedes Jahr, das sind dieses Jahr die besten Portale.“

Uff. Das muss man sich trauen. Mein verschämter Blick suchte den Bildschirm ab nach einer Einblendung wie „Anzeige“, „Werbung“ oder „Dauerwerbesendung“ … aber Fehlanzeige. Bei Stern TV geht das offenbar einfach so. Oder vielleicht gegen Bares.

Do it yourself? Trau, schau, wem …

Ok. Noch mal zum Mitschreiben: Um einen möglichst optimalen Tarifvergleich meiner KFZ-Versicherung zu erhalten, soll ich also nicht den Versicherungsmakler meines Vertrauens (der qua Berufsdefinition den ganzen Markt kennt) befragen, sondern selbst auf eines der beiden genannten Internetportale gehen (die, wie auch in der Sendung klar gesagt wurde, nicht den ganzen Markt abbilden) und dort ein Angebot anfordern. Finde den Fehler …

Kein Wunder, dass die Kommentare der Vermittler in den Fachforen sich überschlugen. Nur leider sind diese Foren für Verbraucher meist nicht sichtbar, weil es sich um geschlossene Foren handelt. Schade, denn so mancher Beitrag dort hätte helfen können.

Ein Glück daher, dass Kollege und Versicherungsvermittler Stephan Peters dazu ein großartiges Video angefertigt hat, in dem er den unsäglichen Auftritt bei Stern TV Stück für Stück in humorvollen zwölf Minuten „auseinandernimmt“:

 

Was ist eine Provision? Das ist hier die Frage …

Und wer sich am Ende mit dem Rätsel martert, wie Maestro Tenhagen seine Brötchen jenseits von Stern TV & Co. verdienen möge, dem sei ein Blick auf die Website von Finanztip empfohlen. Dort wird nämlich das angeblich „unabhängige, werbefreie und für Verbraucher kostenlose“ Finanzierungskonzept des Portals erklärt: „Wir haben uns (…) für einen dritten Weg entschieden: die Finanzierung über Affiliate-Links zu besonders verbraucherfreundlichen Produkten“, heißt es dort. Affiliate Links? Was war das noch gleich?

Richtig: Affiliate-Links sind solche Links, die in den redaktionellen Texten der Seite eingebunden werden und dann wiederum auf Produktseiten der Anbieter (wie zum Beispiel check24, Verivox und andere) verweisen. Klickt der Leser (aka Verbraucher) dann auf einen solchen Link, erkennt die Seite des Anbieters das Portal Finanztip als Quelle, und wenn selbiger Leser (aka Verbraucher) dort dann einen Abschluss tätigt, erhält Finanztip eine Affiliate-Provision. So einfach ist das. Muss man halt wissen. Der Verbraucher weiß das in der Regel nicht.

In dem Zusammenhang mag uns eine Äußerung Tenhagens aus besagter Sendung wahrhaftig zu denken geben:

„Ich nehme keine Provision.“

Ahh, ja! Und ich bin der Weihnachtsmann 🙂

Titelbild: © Screenshot Stern TV, Videos: © Stephan Peters, NewFinance Mediengesellschaft

5 KOMMENTARE

  1. Finanztip ist die größte Medien-Verlade seit den Hitler-Tagebüchern. Zwei Multimillionäre aus München als Drahtzieher schicken den geschwätzigen Verbrauchschutz-Schausteller Tenhagen und jede Menge Gutmensch-Bullshit (unabhängig, gemeinnützig, werbefrei usw.) vor, um gratis PR und vor allem Backlinks bei den dämlichen Medien einzusammeln, die so gerne an das Gute im Menschen glauben. Mit diesen Backlinks erreicht Finanztip grandiose Rankings bei Google und räumt mit den Affiliate-Provisionen ab. Die gleichen Medien, die den Wettbewerber Finanztip groß machen, jammern dann jeden Tag, im Internet könne man kein Geld verdienen… Und natürlich sind Affiliate-Links Werbung. Es müsste nur mal ein Wettbewerber kommen und Finanztip abmahnen. Alles, was den Absatz eines Unternehmens fördert, ist Werbung, vgl. BGH:

    Der Begriff der Werbung umfasst nach dem allgemeinen Sprachgebrauch alle Maßnahmen eines Unternehmens, die auf die Förderung des Absatzes seiner Produkte oder Dienstleistungen gerichtet sind. Damit ist außer der unmittelbar produktbezogenen Werbung auch die mittelbare Absatzförderung – beispielsweise in Form der Imagewerbung oder des Sponsoring – erfasst. Werbung ist deshalb in Übereinstimmung mit Art. 2 Buchst. a der Richtlinie 2006/113/EG über irreführende und vergleichende Werbung jede Äußerung bei der Ausübung eines Handels, Gewerbes, Handwerks oder freien Berufs mit dem Ziel, den Absatz von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen zu fördern (BGH, GRUR 2009, 980 Rn. 13 – E-Mail-Werbung II).

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