Die Baloise ist in Sachen Digitalisierung äußerst umtriebig. Egal ob im Zukauf von Unternehmen wie MOVU, der größten digitalen Umzugsplattform der Schweiz. Oder in der Gründung eigener Start-ups, wie dem Autoversicherer FRI:DAY. Auch neue digitale Ökosysteme im Bereich „Wohnen“, „Gesundheit“ und „Mobilität“ will die Gruppe schaffen. In welche Start-ups noch investiert wird, warum auch zukünftig Flexibilität enorm wichtig ist und welche digitale Revolution uns noch erwartet, das besprach Felix Anthonj mit Bernard Dietrich, Vorstand Marketing und Vertrieb der Baloise in der Schweiz (Basler Versicherungen).

Von Anfang an am Start

Bernard Dietrich, Geschäftsleitungsmitglied und Leiter, Vertrieb und Marketing der Baloise (Schweiz)

Was sind die wichtigsten Beweggründe für die Investments der Baloise in Start-ups? Für Dietrich geht es insbesondere darum, Erfahrungen für die hauseigene Digitalisierungsstrategie des Kerngeschäftes zu sammeln.

„Die Versicherungsbranche war nie bekannt für große Innovationskraft und große Geschwindigkeit“ und eben jetzt sei der Zeitpunkt gut, neue Techniken, Maßnahmen und auszuprobieren und zu erlernen, so Dietrich.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Viele Versicherer probierten sich an Venture Capital Investments. Und scheiterten. Trotzdem ist es laut Bernard Dietrich deutlich zu früh, ein eindeutiges Resümee zu solchen Investitionen zu ziehen.

„Wir sehen das auch aktuell mit MOVU, das wir vor zwei Jahren gekauft haben. Das ist ein neues Modell, ein neues System und hier müssen wir wirklich testen und es genau anschauen.“

Am Beispiel von MOVU erklärt er, wie die Baloise sich dem Aufbau neuer digitale Ökosysteme nähren will. Alle Umzugs-Start-ups ähnliche MOVU aufzukaufen sei keinesfalls der Plan.

Vielmehr gehe es darum, auch andere Bedürfnisse der Kunden in diesem Bereich abzudecken. Denn ein Umzug sei ein wichtiger Moment, der oft unterschiedliche Lebensanpassungen, ob beruflicher oder privater Natur nach sich ziehe. Und hier sollten die verschiedenen Eventualitäten und Bedürfnisse berücksichtig werden.

„Das kann eine Renovation, eine Reparatur sein. Es gibt wirkliche viele Themen, die wir für unsere Kunden abdecken sollten. Und zumindest überlegen, was wir anbieten können.“

Kundenkommunikation

Aktuell investiert und testet die Baloise in der Schweiz (Basler Versicherungen) in zahlreiche Komponenten in der digitalen Kundenkommunikation. Die hauseigene Plattform myBaloise funktioniere aktuell bereits sehr gut.

Doch welcher Kanal wird zukünftig der wichtigste? „Das ist eine ganz schwierige Frage“ meint auch Dietrich. Für ihn sind jedoch nicht einzelne Kanäle, sondern die Flexibilität wichtiger. Anpassungsfähigkeit und Agilität ist Dreh- und Angelpunkt digitaler Kommunikationskanäle.

„Wir müssen beobachten und lernen. Es kommt eine digitale Revolution, das ist absolut klar. Denken Sie gerade an das Thema rund um  Künstliche Intelligenz.“ […]

Wie genau diese und andere Faktoren und Neuerungen den zukünftigen Markt verändern, das kann Bernard Dietrich noch nicht prognostizieren. Deshalb werde das Unternehmen „beobachten und rasch, rasch reagieren.“

Nochmal die Schulbank drücken?

Würde Bernard Dietrich heutzutage noch einmal den Beruf des Versicherungskaufmannes erlernen wollen? Diese Frage bringt den Vorstand Marketing und Vertrieb der Baloise (Basler Versicherungen) zum Schmunzeln: „Ich glaube schon.“ Denn, so Dietrich weiter, die Branche werde immer Menschen brauchen, die den Kundenkontakt pflegen.

„Nicht vergessen: Unsere Branche ist sehr abstrakt. Wir freuen uns darauf, ein neues Auto zu kaufen. Niemand freut sich aber, dieses Auto zu versichern. Das ist ein nicht sehr angenehmes Thema.“

Und genau deswegen findet Dietrich, „brauchen wir in diesem abstrakten Thema auch eine Vertrauensbasis“ und wird (zumindest noch) durch die persönliche Interaktion mit dem Kunden am besten gewährleistet.

Das ganze Bild

Mutieren Versicherungen zukünftig zu reinen Risikoträgern? Werden Vertriebe bald nur noch über Partnerschaften laufen? Und ob automatisierte Ökosysteme bald die menschliche Expertise verdrängen, das und vieles mehr seht Ihr im Interview in voller Länge.

Bernard Dietrich
Bernard Dietrich ist seit dem 1. November 2010 Leiter Vertrieb und Marketing der Baloise (Basler Versicherung) und seit 2009 Mitglied der Geschäftsleitung des Konzernbereichs Schweiz. Mit Unterbrechung ist der diplomierte Versicherungskaufmann bereits seit 1990 für die Basler tätig.
Felix Anthonj
Felix Anthonj ist Gründer und Geschäftsführer der flexperto GmbH, einem Berliner Software-as-a-Service Unternehmen, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Unternehmen bei der digitalen Transformation ihrer Vertriebs- und Beratungsprozesse zu unterstützen. Mit dem jährlichen Fachkongress Digisurance bietet Flexperto Vertretern der traditionellen Branche und der InsurTech-Landschaft eine Plattform für Austausch und die Präsentation gemeinsamer Projekte. Die diesjährige Digisurance findet am 19. März in Berlin statt. Zur Agenda geht es hier.

Titelbild und Video: © Flexperto
Beitragsbild: © Baloise

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