Cannes. Nicht nur ein sonniger Kurort an der Côte d’Azur, sondern auch Austragungsort der Internationalen Filmfestspiele. Seit nunmehr 1946 findet das Festival jährlich im Palais des Festivals et des Congrès statt.

Das Objekt der Begierde – Die Goldene Palme – wurde bereits an Werke wie „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola (1979), „The Pianist“ von Roman Polanski (2002) oder „Fahrenheit 9/11“ von Michel Moore (2004) verliehen. 2017 aber kam es zum Eklat, denn zwei Netflix-Produktionen liefen bei den Filmfestspielen an. Das Publikum reagierte mit Buhrufen.

2018 zog die Streaming-Plattform ihre Teilnahme zurück. Grund: Die französischen Veranstalter wollen nur Filme zum Wettbewerb zulassen, die auch im Kino laufen. Die Moral von der Geschicht’: Cannes bleibt fürs Erste den Kinofilmen überlassen. Doch der Siegeszug von Streaming-Diensten lässt sich nicht mehr aufhalten.

„Liebe Zuschauer, herzlich Willkommen“

In Deutschland widmen zwei Drittel der Zuschauer ihre Fernsehzeit immer noch dem klassischen Fernsehen. Streaming-Plattformen wie Netflix, Maxdome, Amazon Prime oder Subscription-Video-on-Demand (SVoD), zu denen auch YouTube und Mediatheken der Öffentlichen und Privaten gehören, holen jedoch auf. So beträgt ihr Anteil an der medialen Aufmerksamkeit knapp 30 Prozent. Das geht aus dem Digitalisierungsbericht Video der Landesmedienanstalten hervor.

Fast jeder Dritte nutzt die Angebote von Amazon Prime, Netflix oder anderen Streaming Anbietern. Und dann gibt es auch noch YouTube. Die zu Google gehörende Plattform wird dem Digitalisierungsbericht zufolge von 34 Prozent der Bevölkerung regelmäßig angeklickt und übertrifft damit die Mediatheken der TV-Sender. Denn diese erreichen mit 31 Prozent der Bevölkerung eine – wenn auch nur geringfügig – kleinere Gruppe.

Kategorien YouTube / Quelle: Statista

Der größte Vorteil der Subscription-Video-on-Demand-Angebote ist ihre Mobilität. Und so verwundert es nicht, dass vor allem junge Menschen auf Fernseher, Handy oder Laptop streamen. So nimmt bei den 14- bis 29-Jährigen der VoD-Anteil mehr als die Hälfte der Zeit ein, in der sie Filme und andere Sendungen schauen. Gut 29 Millionen Menschen ab 14 Jahren (42 Prozent der Bevölkerung) nutzen mindestens einmal im Monat SVoD-Angebote.

Making an Umbruch

Die Zahlen des Digitalisierungsberichts Video 2018 zeigen, dass der Fernsehmarkt sich im Wandel befindet. Der Meinung ist auch Cornelia Holsten, die Vorsitzende der Bremischen Landesmedienanstalt. Sendungen für die ganze Familie, etwa „Wetten, dass…“ oder „Tatort“, die früher ganze Familien vor den Bildschirmen versammelten, gehören ihrer Meinung nach der Vergangenheit an.

Die Frage ist, schafft Mainstream-Fernsehen den Sprung Richtung „zuschauerorientiertes“ Angebot? Hier spielen Sendezeiten und die Bandbreite des Angebotes eine entscheidende Rolle. Für Holsten ist klar, dass sich neue Medienregulierungen unbürokratisch diesen neuen Realitäten stellen müssen.

Netflix Wachstumskurs / Quelle: Statista

Auch in den Bereich Sport drängen Subscription-Video-on-Demand-Plattformen, wie Alexander von Woikowsky von der Streaming Plattform 7TV gegenüber FINK.Hamburg erklärt. So sollen ab der Fußballsaison 2019/20 Spiele der englischen Premier-League auf Amazon laufen. Mark Zuckerbergs Facebook habe sich zudem Fußballrechte in Lateinamerika und Asien gesichert.

Gezielt und unabhängig

Der große Vorteil von On-Demand-Plattformen wie Netflix: Sie sind da, wenn der Zuschauer es möchte. Netflix ist ein „Opportunist“. Ted Sarandos, Leiter der Programmabteilung bei Netflix, erklärt auf der Konferenz der Television Critics Association in Pasadena:

„In England wurde “Breaking Bad” in der zweiten Staffel eingestellt – nicht, weil das Publikum die Serie blöd fand, sondern weil sie zu einer miserablen Zeit gesendet wurde. Bei uns ist es egal, ob Sie etwas zur Primetime oder um drei Uhr früh gucken möchten.“

Der Netflix-Chef Reed Hastings geht auf derselben Konferenz sogar so weit und prophezeit das Ende des klassischen Fernsehens für das Jahr 2030.

Netflix: Es ist noch nyet fix

Dass Streaming-Plattformen einen Einfluss auf Film und TV haben, ist unbestreitbar. Doch die Reaktion auf dem Filmfestival in Cannes zeigt, dass “traditionellere” Filmemacher noch nicht bereit sind, sich mit den neuen Angeboten zu beschäftigen.

Für Fernseh- und Filmschaffende können solche Plattformen aber auch ein Sprungbrett sein. So finden Zuschauer im amerikanischen Netflix viele deutsche Produktionen, die in US-Kinos gar nicht angelaufen sind.

„Durch SVoD kommen Filme auch in Länder, in denen deutsche Filme vorher keinen Kinoerfolg hatten. Das ist für Filmschaffende keine schlechte Situation“, argumentiert Peter Schauerte von der Film- und Fernsehgesellschaft Warner Brothers.

Titelbild: © tataks / Fotolia.com

Ihre Meinung zu diesem Beitrag?

Please enter your comment!
Please enter your name here