Mehrere zehn Millionen Menschen nutzen Voice-Technologie wie Alexa, um Musik zu suchen, die Heizung einzuschalten oder einzukaufen. Viele Millionen mehr nutzen keine Smart Speaker, teils weil sie befürchten, jemand könne mithören. Berichten des Nachrichtendienstes Bloomberg zufolge passiert das tatsächlich – auf jeden Fall stichprobenartig.

Wer ist Alexa?

Eine stetig wachsende Anzahl an Verbrauchern nutzt Smart Speaker und Sprachassistenten wie Alexa, Cortana, Siri, Amazon Echo oder Google Home. Marketer erstellen zudem vermehrt Content, der auf diese Geräte zugeschnitten ist. Hinter den berühmten Frauennamen steckt sogenannte Voice-Technologie, also Spracherkennungssoftware, die Befehle empfängt, interpretiert und ausführt. Bereits jetzt machen 22 Prozent der Internetnutzer weltweit mindestens einmal im Monat gebrauch von einem Smart Speaker.

Immer an, immer online

Wie bei neuen Technologien der Regelfall, sehen Datenschützer große Risiken bei der Verarbeitung personenbezogener Daten. Smart Speaker wie Alexa verfügen über Hardware, die Sprachbefehle mittels mehrerer Mikrofone auch aus großer Entfernung aufzeichnen. Zwar wird eine Aufnahme erst durch ein Kennwort aktiviert, die Mikrophone müssen jedoch dauerhaft angeschaltet und mit den Rechenzentren ihrer Anbieter verbunden sein. Durch die Kopplung werden Audioaufzeichnungen in der Cloud im Nutzerverzeichnis aufbewahrt.

Amazon hört teilweise mit

Des Weiteren, das bestätigte Amazon nun, würden die Aufnahmen sogar teilweise von Mitarbeitern transkribiert. Dabei gehe es in erster Linie um Qualitätskontrolle, versicherte ein Sprecher des Unternehmens:

„Wir versehen nur eine sehr kleine Probe an Alexa-Sprachaufnahmen mit Kommentaren, um das Kundenerlebnis zu verbessern.“

An verschiedenen Standorten weltweit von Rumänien bis Costa Rica würden Stichproben der Sprachbefehle abgetippt, um diese mit der Interaktion von Alexa zu vergleichen.

„Taylor Swift“ oder vertrauliche Bankdaten?

Ein Mitarbeiter aus Boston sagte Bloomberg, er habe beispielsweise Audiodateien mit dem Suchbegriff „Taylor Swift“ ausgewertet. Andere Kollegen hingegen notierten auch den Inhalt von Fehlversuchen, bei denen Alexa ohne Aktivierungskennwort Hintergrundgespräche aufgenommen hatte. Zwar beteuerte Amazon, dass die Mitarbeiter angehalten würden, solcherlei Daten als „kritisch“ einzustufen, eine gesetzliche Regelung zur Vertraulichkeitsverpflichtung gibt es jedoch weder für die Angestellten noch für das Unternehmen selbst.

Ethische Zwickmühle

Zwar beruft sich das Unternehmen wiederum darauf, dass betreffende Mitarbeiter keinen Zugang zu personenbezogenen Daten bekämen, die Identifikation des Nutzers kann jedoch auch durch die Sprachaufnahme selbst geschehen. Hinzu kommt, dass rumänische Prüfer Bloomberg gegenüber davon berichteten, Zeuge von Verbrechen wie sexuellen Übergriffen geworden zu sein. Die Unternehmensphilosophie sei es, dass Mitarbeiter jedoch nicht auf Audioinhalte reagieren dürften.

Der Markt wächst, die Politik muss mit

Eine politische und professionelle Auseinandersetzung mit der Thematik ist daher dringend geboten. 73 Prozent aller Nutzer von Smart Speakern geben an, dass ihre daheim lebenden Kinder die Geräte ebenfalls nutzen und 61 Prozent werben in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis aktiv für die Technologie.

Trotz des immens wachsenden Potenzials, müssen Verbraucher sich bisher alleine auf Vertraulichkeitsversprechen der Unternehmen verlassen oder können der Nutzung ihrer Aufnahmen zur Weiterentwicklung des Dienstes widersprechen. Letzteres scheint angesichts der aktuellen Praxis in hohem Maße ratsam. Auch Google und Apple räumten nun ein, menschliche Prüfverfahren anzuwenden.

Titelbild: © Rahul Chakraborty / Unsplash

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