Bürokratie-Brüssel hat wieder zugeschlagen! Nach einer letztjährigen Strafe in Höhe von 2,4 Milliarden Euro wegen Benachteiligung von Konkurrenten (beim Online-Shopping) kommt der nächste Schlag. Diesmal im EU-Visier: Das mobile Betriebssystem Android. Der Vorwurf der Brüsseler Behörden gegen Google: Machtmissbrauch der Marktdominanz bei Smartphone-Betriebssystemen. Das Android-System läuft auf fast neun von zehn Smartphones. Konzern-Chef Sundar Pichai warnt, dass Android zukünftig den Geräteherstellern nicht mehr kostenlos angeboten werden könnte. Das Ende einer Ära?

Das Suchmonopol

Die Aussage der EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ist eindeutig. Google nutzt Android, um durch „illegale Praktiken“ seine „beherrschende Stellung“ bei Internet-Suchdiensten zu festigen. Der Grund: Der US-Konzern fordert als Bedingung für eine Lizensierung des hauseigenen App-Stores von den Smartphone-Herstellern, die Google-Suche und den Browser Chrome auf ihren Geräten vorzuinstallieren.

Zwar ist diese Praxis nicht verboten, denn der Internetdienstleister verbietet es nicht, andere Systeme, Apps und Browser zu installieren. Allerdings berichtete der Focus, dass nur ein Prozent der Nutzer ihre Suchmaschine und zehn Prozent ihren Browser nachträglich anpassten. Somit hätten Anbieter von Konkurrenzprodukten kaum eine Chance auf den Android-Geräten. Doch es kommt noch dicker. Google habe offenbar Zahlungen an große Gerätehersteller und Mobilfunknetzbetreiber geleistet, wenn diese ausschließlich ihre App für die Internetsuche auf ihren Geräten vorinstallierten.

Fair & square

„Die heutige Entscheidung lehnt das Geschäftsmodell ab, das Android unterstützt – das für mehr und nicht weniger Auswahl für alle gesorgt hat“, kritisierte Google-Chef Sundar Pichai.

Das Unternehmen stellt den Herstellern von Handys und Tablets sein Android-Betriebssystem kostenlos zur Verfügung. Dabei ist kein Produzent verpflichtet, auch Apps wie den Browser (Chrome), den Play-Store, Gmail oder YouTube zu installieren. Betont Pichai. Sollten sie das Angebot doch nutzen wollen, so müssten sie alle Programme der sogenannten Google Mobile Services (GMS) übernehmen und nicht nur einzelne Apps. Seiner Meinung nach hat eben das kostenlose Angebot Android geholfen, den Smartphone-Markt zu erobern und andere Systeme aus dem Rennen zu werfen.

Android Versionen
Quelle: Statista

Dabei ist Android seit Jahren das meistbenutzte Smartphone-System der Welt. Hierzulande laufen 72,6 Prozent der neuverkauften Smartphones mit Googles Software, etwa jedes fünfte Gerät stammt von Apple. Das zeigt eine neue Untersuchung des Kantar World Panels.

Google: Open End

Kritisiert und abgestraft. Bald auch abgestellt? Möglich. Allerdings räumte die Kommission dem Mutterkonzern von Google, Alpahabet Inc., 90 Tage Zeit ein, um die Strafe zu zahlen. Ansonsten drohen „Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes“ der Muttergesellschaft. Doch so einfach lässt sich Google nicht die Brille beschlagen. So kündigte ein Sprecher umgehend an, in Revision gehen zu wollen.

Denn Android hat nach Konzernmeinung „mehr Auswahl für alle geschaffen, nicht weniger“, für „niedrige Preise“ und „robusten Wettbewerb“ gesorgt. Nun wird Google Einspruch beim EU-Gericht einlegen. Nach erstinstanzlicher Entscheidung wäre ebenfalls Revision vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) möglich.

Ein Tropfen auf dem heißen Stein

Egal wie das Machtmissbrauch-Skandälchen ausgeht, den Webgiganten wird die Strafe in Höhe von 4,34 Milliarden Euro nicht sonderlich aus der Bahn werfen. Denn Brüssel verhängte trotz Beweise nicht die Maximalstrafe. Das einfache Abbezahlen der Strafe würde den Amerikanern wesentlich weniger schaden als eine Umstellung ihrer Marketingstrategie.

Das Maximum liegt bei zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Bei der Google-Mutter Alphabet waren dies 110,9 Milliarden Dollar (94,7 Milliarden Euro) im letzten Jahr. Die Höchststrafe wäre also knapp 9,5 Milliarden Euro. Die festgesetzte Buße liegt bei rund 46 Prozent des Betrags.

Titelbild: ©  Ico Maker /fotolia.com

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