Vermögensberatung war bisher aufwendig und teuer. Einen Termin in der Bank ausmachen, die Filiale aufsuchen, sich in langen Beratungsgesprächen nicht über den Tisch ziehen lassen und dafür hohe Provisionen zahlen – das war gestern, wenn es nach der Vision der Robo-Advisory geht. Der Anlageberater von morgen ist eine Software, die Kunden blitzschnell und günstig ein maßgeschneidertes Portfolio zusammenstellt.

Online-basierte Vermögensberatung

Wer sich heute bei der Anlage seines Vermögens beraten lassen will, muss dafür nicht mehr aus dem Haus gehen. Robo-Advisory funktioniert komplett online. Der Roboter-Berater stellt Fragen zu den finanziellen Verhältnissen, Sparzielen, verkraftbaren Verlusten und Ziel-Renditen. Auch wer sich online beraten lässt, muss wissen, was ihm wichtig ist: Angebote mit gutem Rating, niedrigen laufenden Kosten oder hoher Wertentwicklung. Und natürlich, wie hoch die eigene Risikobereitschaft ist.

Mit wenigen Klicks zum maßgeschneiderten Portfolio

Der Robo-Advisor erstellt aus den angegebenen Daten anhand von Algorithmen kürzester Zeit ein Portfolio, das meist aus passiven Indexfonds (also Paketen, die wie ein bestimmter Aktienindex zusammengesetzt sind und sich wie dieser entwickeln) besteht. Wer mit dem Angebot zufrieden ist, kann es direkt online mit wenigen Klicks kaufen. Webportale und Smartphone-Apps halten über den Stand der eigenen Anlagen auf den Laufenden.

Dynamische Vermögensanlage

Die meisten Robo-Advisory-Systeme bieten eine dynamische Vermögensanlage, die bisher nur sehr großen Investoren zur Verfügung stand. Das heißt, das Portfolio verändert sich automatisch, um ein gleichbleibendes Verlustrisiko zu gewährleisten. Jedem Portfolio wird dafür ein Wert zugeordnet, der das den persönlichen Neigungen entsprechende Verlustrisiko widerspiegelt. Wenn durch Schwankungen auf den Finanzmärkten dieses Risiko droht überschritten zu werden, wird das Portfolio durch Umschichtungen nachträglich angepasst und ausbalanciert.

Schneller und günstiger

Die Vorteile der online-basierten Vermögensanlage liegen auf der Hand. Vor allem die günstige Finanzierung fällt ins Auge. Die Kosten bewegen sich zwischen 0,25 und einem Prozent im Vergleich zum menschlichen Anlageberater. Durch geringe oder gar keine Mindestanlagebeträge können auch weniger vermögenden Menschen das Angebot nutzen. Außerdem ist die Robo-Advisory im Vergleich zur klassischen Anlageberatung deutlich komfortabler: Bequem von zuhause aus und in unter einer halben Stunde soll das individuell gestaltete Portfolio erstellt werden, was gerade der jungen Generation Y entgegenkommt. Anbieter hoffen zudem, menschliche Fehler und durch hohe Provisionen motivierte Fehlanreize auszuschließen.

Undifferenzierter und weniger reguliert

Auf der anderen Seite ist die Online-Anlageberatung durch den klar vorgegebenen Fragebogen weniger differenziert und individuell als die durch den menschlichen Berater. Außerdem greifen viele Gesetze zur Regulierung und dem Schutz vor Falschberatung nicht, unter anderem die seit 2009 bestehende Vorgabe eines Beratungsprotokolls. Nichtsdestotrotz sind die Robo-Advisors auf dem Vormarsch. In den USA, wo die Idee 2010 entwickelt wurde, wird inzwischen Vermögen in Milliardenhöhe auf diese Art und Weise verwaltet. In Deutschland, wo sich zunächst Fintech-Startups und Direktbanken der Technologie annahmen, bieten inzwischen auch erste etablierte Banken Robo-Advisory an.

Titelbild: © adimas/fotolia

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