Im Jahr 2015 starben in Deutschland 925.000 Menschen. Laut Statistischem Bundesamt war davon jeder sechste noch im erwerbsfähigen Alter. Gerade dann ist der Verlust für Angehörige unerwartet und besonders schmerzhaft. Plötzlich ist man konfrontiert mit Bestattungsplänen, Telefonaten und natürlich der persönlichen Trauer. Testament, Versicherungen, laufende Abos. An vieles muss man denken. Vieles fällt im Tunnelblick durch das Raster. Ein Punkt, der häufig nicht bewusst ist: Welche Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis werden eigentlich vererbt? Resturlaub? Ausstehender Lohn?

Was steht Angehörigen zu?

Wie sieht es also mit Ansprüchen aus dem Arbeitsverhältnis aus? Haben Angehörige das Recht auf den noch ausstehenden Lohn? Die Antwort darauf ist ganz eindeutig: Lohnansprüche gehen immer direkt auf den oder die Erben über. So muss der Arbeitgeber die noch ausstehende Vergütung bis zum Todestag an die Hinterbliebenen auszahlen.

Aber wie sieht es mit Überstunden aus? Nicht ganz so einfach! Denn hier sind die Hinterbliebenen im Streitfall in der Beweispflicht. Sie müssen für jeden Arbeitstag nach Datum und Stunde aufschlüsseln, wie viele Überstunden der Verstorbene geleistet hat. Die aufgelisteten Überstunden muss der Arbeitgeber jedoch bezahlen.

Wertguthaben und Altersteilzeit

Hinterbliebene haben auch Anspruch auf das sogenannte „Wertguthaben“ des Verstorbenen. Wollte sich der Arbeitnehmer beispielsweise ein Sabbatical, also eine längere Auszeit nehmen oder als Arbeitsteilzeitler in den Vorruhestand gehen, hat er Gehaltsteile angespart, die natürlich auch nach seinem Tod ausgezahlt werden müssen. Aber Vorsicht: dabei handelt es sich um „aufgeschobenes“ Arbeitsentgelt, weshalb das Guthaben voll sozialversicherungspflichtig ist. So steigern die davon abgeführten Beiträge auch noch die gesetzliche Rente. Ebenfalls erhöht sich dadurch die davon abgeleitete Hinterbliebenenrente.

Erlischt der Urlaubsanspruch mit dem Tod?

Ginge es nach dem Bundesarbeitsgericht wäre die klare Antwort: ja! Doch seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshof vom 12. Juni 2014 muss ein finanzieller Ausgleich für nicht genommenen Urlaub beim Tod des Arbeitnehmers auf seine Hinterbliebenen übergehen. Erben können den Arbeitgeber um einen Überblick über das Urlaubskonto des Verstorbenen bitten.

Dein Geld kann mehr

Der Tod eines nahen Angehörigen bedeutet neben der emotionalen Belastung immer auch eine Vielzahl an organisatorischer Aufgaben. Welche Fristen beispielsweise für die Kündigung von Versicherungen oder dem Sprechen mit dem Arbeitgeber über die ausstehenden Zahlungen eingehalten werden müssen, hat die Anwaltskanzlei Mohr übersichtlich, Schritt für Schritt zusammengefasst. Viele Arbeitgeber gewähren beim Tod naher Angehöriger einige Tage Sonderurlaub. Informieren Sie deshalb neben dem Arbeitgeber des Verstorbenen auch Ihren eigenen.

Titelbild: © jeepbabes

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