Es liest sich wie eine schlechte Geschichte einer sensationsheischenden Yellow-Press-Ausgabe. Dabei ist es der amerikanische Sender CNBC:

„Amazon has started a secret skunkworks lab dedicated to opportunities in health care, including new areas such as electronic medical records and telemedicine (…). The stealth team, which is headquartered in Seattle, is focused on both hardware and software projects, according to two people familiar.“ 

Das bedeutet: America first

Unter dem Decknamen “a1.492” sucht Amazon inoffiziell per Stellenanzeigen Experten aus dem Gesundheitswesen. Dabei ist die Zahl 1492 wohl an den Zeitpunkt der Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus angelehnt. In Skunkworks Labs (zu deutsch: Stinktierarbeit-Laboratorien), in geheimen, schwarzen oder „stinkenden“ Abteilungen sollen die Angestellten relativ freie Hand haben, Projekte und Ideen zu verwirklichen. Laut CNBC. Die Entwicklung von Software und Hardware steht dabei wohl im Vordergrund. Die Experten sollen Möglichkeiten finden, Gesundheitsdaten medizinischer Aufzeichnungsgeräte zu extrahieren und bereitzustellen. Der Datenaustausch im medizinischen Bereich stellt hohe Ansprüche an die Privatsphäre, die Daten sind sensibel. Doch genau da will der E-Commerce Riese offenbar ansetzen. In der amerikanischen Gesundheitsindustrie (2017) bewegen sich immerhin rund sieben Trillionen US-Dollar.

„Heute im Angebot, für unschlagbare 29.99 …“

Darüber hinaus möchte Amazon eine Plattform für „Telemedizin“ gestalten. Das hauseigene Meeting- und Kommunikationssystem Chime ist dafür prädestiniert. Weiterhin soll das 1492 Team die Integration von Gesundheits-Apps mit bestehender Hardware vorantreiben. Ungewiss ist, ob auch neue Geräte geplant sind. So sucht Amazon für sein „Special Project Team“ ebenfalls Spezialisten für Machine Learning und UX-Design.

Hoch hinaus

Auch die Cloud-Abteilung des Amazon Web Services (AWS) ist damit beschäftigt, neue Geschäftszweige im Gesundheitswesen des Landes aufkeimen zu lassen. Krankenhäuser, Apotheken und Pharma-Unternehmen sind die ausgewählten Ziele.

Die Idee: Medizinische Daten über das Cloud-System zugänglich machen, so dass Einrichtung und Patient ihre Daten, Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten ohne Papier zentral speichern und verwalten. Ebenfalls eine gute Ausgangsposition hat Amazon beim unmittelbaren Verkauf von medizinischen Produkten, zumal die eigene Modern Healthcare Plattform bereits existiert. Auch auf künftige Drohnen-Lieferungen ist der Konzern gut vorbereitet.

Gesund oder gefährlich

Doch welche Folgen könnte es haben, sollte es dem Online-Versandhändler gelingen das Gesundheitswesens zu digitalisieren? Wäre die lernfähige und datenauswertende KI Alexa des Amazon Echo Devices in der Lage, praktische Tipps und Diagnosen zu stellen? Könnte Telemedizin durch Konferenzschaltung Menschen rund um den Globus und von jedem Ort der Welt helfen? Wäre es möglich, dass dadurch jeder fachkundig und kompetente benandelt und beraten wird: nur per Smartphone und Verbindung zum Internet? Und wie sind diese medizinischen Daten geschützt? Hacker-Angriffe und Serverausfälle  wären noch fataler und schmerzhafter für Patient und Unternehmen als ohnehin schon. Wie reagiert das europäische Datenschutzrecht darauf, das bekanntermaßen strenger ausgelegt ist als das des großen Bruders in Übersee?

Alles bleibt zunächst unter dem Deckmantel der Spekulation. Nichts weiter als Zukunftsmusik und Fantastereien.

Union Jack mit tiefen Gedanken

Wo Amazon noch plant, setzt Google sich leise durch. In Großbritannien arbeitet das National Health System (NHS), also das staatliche Gesundheitssystem, bereits mit der DeepMind Health App. 2010 in London gegründet, hilft die App (ausgestattet mit einer KI, die Zugriff auf fundiertes medizinisches Wissen hat) Ärzten und Schwestern bei der Auswertung von Daten. So gleicht die App die vom Patienten eingegebenen Test- und Laborergebnisse ab und ordnet diese nach Priorität einer unmittelbaren Behandlung zu. So besteht die Möglichkeit, schneller einen Behandlungstermin auf Basis der analysierten Daten zu bekommen.

Fazit:

Bereits jetzt gibt es unzählige Fitnesstracker, Gesundheits-Apps und Gadgets, die wir zur Überwachung und Dokumentation unserer Gesundheit einsetzen können. Freiwillig.Wie steht Ihr zum Thema der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Ob in den USA oder hier in Deutschland? Und wäre es besser, wenn der Staat ein solches System aufbaut oder ein privater Konzern?

Bild: © nuvolanevicata/ fotolia.com

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