Letzte Woche wurde heftig diskutiert: Sollen und dürfen Banken Gebühren fürs Geldabheben verlangen? Denn obwohl anders versprochen, haben Sparkassen damit begonnen. Nun zeigt das Verbraucherportal biallo.de: Die Volks- und Raiffeisenbanken (VR) machen’s auch und noch doller. Und das auch noch hinter dem Rücken der Kunden.

Eine Analyse der Gebühren von über 1.000 VR-Banken zeigt: Mindestens 160 davon nehmen Gebühren entweder gleich beim ersten Mal oder nach zwei bis fünf Abhebungen im Monat. Doch in Wirklichkeit dürften es deutlich mehr als diese 15 Prozent sein: durch drei simple Tricks.

Trick Nummer 1: Einfach mal nichts sagen

Rund ein Drittel aller VR-Banken hat kein Preis- und Leistungsverzeichnis auf der Internet-Seite hinterlegt und diese sowie andere Gebühren öffentlich gemacht. Eigentlich unfassbar. Schließlich ist jeder Gewerbebetrieb verpflichtet, am “Ort des Leistungsangebot” einen Preisaushang über die wesentlichen Angebote zu machen. Warum Banken nicht?

Trick Nummer 2: Dem Kind einen neuen Namen geben

Mitte März sagte BVR-Präsident Uwe Fröhlich, eine Bank müsse am Automaten anzeigen, dass die Abhebung ein Entgelt koste. Viele der befragten VR-Banken gaben jedoch an, dass sie am Terminal ihrer Geldautomaten nichts anzeigten, weil sie keine Abhebegebühren nehmen. Denn die Bank nennt den Betrag zwischen 0,10 und 0,65 Euro Buchungsgebühr – eben für das Verbuchen der Abhebung. Das ist natürlich etwas völlig anderes, oder?

“Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, dass die Information irreführend ist und/oder Verbraucher unangemessen benachteiligt werden, werden wir die Darstellung oder Klausel abmahnen beziehungsweise eine gerichtliche Klärung herbeiführen”, sagt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Trick 3: Nach Feierabend wird’s teurer

Die Frankfurter Volksbank und die Raiffeisenbanken Oberursel und Offenbach/Bieber machen es noch raffinierter. Wer bei ihnen tagsüber Geld abhebt, zahlt nichts. Nach Geschäftsschluss abheben kostet aber. Als ob der Automat Überstunden machen könnte. Die Offenbacher nutzen zusätzlich die Mittagspause zwischen 13 und 14 Uhr zum Abkassieren. Wer also mittags schnell mal einkauft oder nach Feierabend Bargeld braucht, wird zur Ader gelassen.

Ausrede: Freie Kontowahl

Um Kritiker abzuwiegeln verweisen die Berliner Funktionäre von Sparkassen und VR-Banken schließlich darauf, dass der Kunde ja entscheiden kann, ob er ein günstiges Konto mit Bargeldgebühren wählt oder ein teureres ohne diese Kosten. Mag das für die Sparkassen-Gruppe zur Zeit noch zutreffen, bei den VR-Banken ist das auch überholt. Eine ganze Reihe davon bietet nur noch Konten mit diesen Gebühren an.

Drei Beispiele für Banken, bei denen Abhebungskosten anfallen, gleich für welches Konto man sich entscheidet:

  • Raiffeisenbank Gotha
  • Volks- und Raiffeisenbank Muldental in Thüringen
  • Volksbank Lette-Darup-Rorup im Münsterland.

Von offizieller Seite wird immer wieder behauptet, dass man nur bei den günstigen Konten für Bargeldabhebungen zu zahlen habe. Das stimmt aber weder bei den Sparkassen noch bei den Volks- und Raiffeisenbanken. Dafür ist die Volksbank Eifel aus Bitburg ein treffendes Beispiel. Selbst wer das teurere Modell VR-Standard für immerhin 7,50 Euro im Monat wählt, hat keine unbegrenzte Bargeldverfügung. Die gibt es nur beim “Girokonto mit Komplettleistung”. Das kostet allerdings 12,90 Euro im Monat oder 156 Euro im Jahr. Die Mastercard Gold ist dennoch nicht enthalten. Sie kostet 69,00 Euro extra.

Hinzu kommt, dass die Wahl eines günstigen Kontos an den Mindestumsatz pro Monat gebunden ist. Das bedeutet, dass Menschen mit geringen Einkommen oder einer kleinen Rente erst gar nicht in den Genuss eines kostengünstigen Kontos kommen. Von wegen Solidarprinzip einer Genossenschaft.

Titelbild: © Pim Leijen/Fotolia

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