Bargeld- und stattdessen kontaktlos mit der Karte zu bezahlen, hat während der Corona-Pandemie an Beliebtheit gewonnen. Bedeutet das allerdings zwingend das finale Aus für Barzahlungen?

Langsam aber sicher ohne Bargeld

Ausgelöst durch die Corona-Pandemie verzichteten die Deutschen zunehmend auf die Zahlung mit Bargeld. Berichten des Handelsblatt zufolge, werben Supermärkte, die im Gegensatz zum Einzelhandel auch während des Lockdowns geöffnet hatten, sogar aktiv für die kontaktlose Bezahlung durch EC- und Kreditkarte. So beispielsweise die Rewe Gruppe. Auch die Zahlung mit dem Smartphone wird angepriesen. Bei dem Kunden kommt das an: Laut einer Studie der Welt verzichteten 60 Prozent der Deutschen durch Corona auf Barzahlungen und nutzen stattdessen lieber die Abwicklung mit Karte. Ein Höchstwert, der laut Experten im kommenden Jahr zu einem Wachstum bargeldloser Umsätze auf 63 Prozent von bisher 53 Prozent führen könnte.

Ein Trend, der sich lange abzeichnete, jedoch nur gemächlich entwickelte. Zwischen 2010 und 2016 stiegen die bargeldlosen pro Kopf Abwicklungen lediglich um sieben Prozent, so eine Studie der BCG aus dem Jahr 2018. Unternehmensberater Oliver Wyman erklärt die Ergebnisse folgendermaßen:

„Das Schwierigste bei der Einführung einer neuen Zahlungsoption war und ist immer, die Konsumenten dazu zu bringen, es auszuprobieren. Nun haben viele Kunden erste Erfahrungen auch mit kontaktlosem Bezahlen gemacht. Wer feststellt, dass alles problemlos funktioniert, der nutzt diese Zahlungsoption auch weiter.“

Banken erkannten den Trend früh

Die Geldinstitute nahmen die Entwicklung bereits zu Beginn der Pandemie wahr. Die Folge laut t3n: Damit Kunden tatsächlich kontaktlos und ohne Eingabe des PIN zahlen können, erhöhten die deutschen Banken die Limits für Transaktionen ohne Eingabe der Geheimzahl von 25 auf 50 Euro.

Jung und Alt gewöhnen sich gleichermaßen um

Hingegen mancher Vorurteile zeigt eine Studie der Initiative Deutsche Zahlungssysteme aus 2018, dass durchaus auch ältere Generationen das elektronische Bezahlen nutzen. So beschrieben 45 Prozent der über 60-jährigen die bargeldlose Zahlung als „praktisch“ oder „sehr praktisch“. Das Investment merkt auch an, dass er es auch schätze, Gebühren zu vermeiden.

Kontaktlos bietet nicht nur Vorteile

Zum Thema „Gebühren vermeiden“, deckte eine Stiftung Warentest-Studie in der aktuellen „Finanztest“ nun allerdings versteckte Kosten auf. Diese fielen gar nicht so gering aus wie gedacht. Bei dem Vergleich von 294 Kontomodellen von 125 getesteten Deutschen Kreditinstituten fiel auf, dass 55 Modelle bei Bezahlung mit der Girocard Gebühren verlangen. Teilweise bis zu 50 Cent. Warum das bisher nicht auffiel? “Finanztest”-Expertin Heike Nicodemus begründet den Umstand wie folgt:

“Diese Gebühren gab es bereits schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Sie fielen jedoch kaum auf, weil viele Menschen bar bezahlten.”

Es bleibt daher also abzuwarten, ob der Trend in den nächsten Jahren tatsächlich gänzlich vom Bargeld abweicht.

Titelbild: © Lunatictm

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