Seit spätestens Sommer 2015 gehen bei allen Kreditgebern die Zinsen für Bauvorhaben dezent nach unten. Überraschend ist allerdings, dass im Angebotsvergleich keine Kreditanstalt, sondern eine Versicherung den günstigsten Platz einnimmt.

Basiskonditionen

Die Allianz erhebt für Baukredite mit einer zeitlichen Bindung von fünfzehn oder zwanzig Jahren den preiswertesten effektiven Jahreszins. Bei einem Kredit auf zwanzig Jahre handelt es sich aktuell um 1,87 Prozent. Zum Vergleich: der Sollzins liegt derzeit im Schnitt bei etwa 2,25 Prozent, also nur halb so hoch wie vor gut fünf Jahren, der Preis der Allianz unterbietet die Marke jedoch noch. Das Angebot gilt für eine Darlehensspanne von 150.000 bis 400.000 Euro oder eine Beleihung von 60 Prozent sowie generell für Angestellte des Versicherers.

Ganz oben im Ranking folgen auf die Allianz weitere Versicherungen wie die Europa, Ergo, DEVK, Bayern-Versicherung und die Lebensversicherung des Münchener Versicherers LV 1871. Dabei scheint sich ein Trend abzuzeichnen, keine immensen Summen für Häuser zu beleihen und auf langfristige Zinsbindungen zu satteln. Diese Angebotsstrategie trifft den Kern der Bedürfnisse der Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer.

Baukredite – ein wachsendes Geschäft

Obwohl Fachleute der Branche durch die gesteigerte Anzahl an Angeboten bereits Auswirkungen auf das Marktumfeld beispielsweise auf dem Bereich des Baugeldes verzeichnen, ist der Anteil der Versicherer aber noch niedrig und der Beitrag von Baufinanzierungen am Anlagenbestand der Assekuranzen weiterhin gering.

Nichtsdestotrotz scheint das Geschäft gut zu laufen; die Allianz berichtete von einer Zunahme im Vertrieb um 600 Versicherungsvertragsabschlüsse im Gegensatz zum Vorjahr. Interhyp, Deutschlands größter Vermittler von privaten Baufinanzierungen verzeichnete seinerseits einen Anstieg von zwanzig bis dreißig Prozent an Darlehen, die von Versicherern vermittelt wurden.

Kurios: Was steckt dahinter?

Was aber ist der Grund dafür, dass Versicherungen den klassischen Kreditanstalten zunehmend Konkurrenz auf dem Baufinanzierungsmarkt machen? Hinter dem Kuriosum dürfte die anhaltende Niedrigzinsphase stecken. Versicherer können dem Kundenstamm kaum noch rentable Renditen zusichern, daher diversifizieren sie die Risiken. Hinzu kommt, dass das Geschäft mit langfristigen Zinsbindungen sehr gut zugeschnitten ist auf die Struktur ihrer Refinanzierung durch auf lange Zeit angelegte Finanzprodukte wie Lebensversicherungen.

In Ländern wie der Schweiz macht sich der Trend bereits in besonderem Maße bemerkbar. Bereits ab einer Kreditlaufzeit von sechs Jahren bieten Versicherer den günstigsten effektiven Jahreszins. Ungeachtet dessen stellen sie aber auch dort lediglich etwa vier Prozent des gesamten Marktes. Auch wenn das Geschäft gut läuft, Baufinanzierungen bleiben wohl ein Zusatzgeschäft der Versicherer.

Titelbild: © Halfpoint

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