Der Bausparvertrag gehört zur bundesrepublikanischen Folklore wie VW Käfer und Wirtschaftswunder. Machte der Käfer die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg mobil, so verschaffte der Bausparvertrag ihnen ein eigenes Dach über dem Kopf. Doch irgendwann geriet er mächtig unter Spießigkeitsverdacht. Schicke und renditeträchtige Anlageformen erschwerten ihm das Leben. Seit den Neunzigerjahren versuchen Bauparkassen wie Schwäbisch-Hall, Wüstenrot oder die LBS dem Fossil aus Wirtschaftswunderzeiten einen coolen Anstrich zu verpassen. Und heute fragt man sich, lohnt sich das überhaupt noch, Bausparen, wo doch die Zinsen im Keller sind und einzig die Börse lohnende Renditen verspricht?

Doch die Frage ist falsch gestellt. Der Bausparvertrag war ursprünglich nie als Anlageform gedacht. Er ist die clevere Kombination aus Sparen und Immobilienfinanzierung. Mit der monatlichen Sparrate sichert sich der Bausparer die heutigen Niedrigzinsen für ein späteres Bauspardarlehen. Nach acht bis zehn Jahren Ansparen steht oft mehr als doppelt so viel zur Immobilienfinanzierung zur Verfügung, wie eingezahlt wurde.

Garantiert niedriger Darlehenszins.

Zugegeben, die Zinsen in der Ansparphase sind niedrig. Das ist ein klassischer Nachteil der Sparform. Gezahlt werden meist nur 0,5 bis 1,5 Prozent auf das Sparguthaben. Doch dafür ist für das zukünftige Bauspardarlehen auch ein günstiger Zinssatz von 2,75 bis 3,75 Prozent garantiert. Damit bietet der Bausparvertrag eine einzigartige Zinssicherheit.

Ein weiterer Vorteil ist die staatliche Förderung von Riester-Bausparverträgen. Beim sogenannten „Wohn-Riester“ erhalten Bausparer staatliche Zulagen und Steuervorteile aus der Riester-Förderung auf die Sparbeiträge und die spätere Tilgung. Der Vertrag muss allerdings für die spätere Eigenheimfinanzierung genutzt werden.

Alternativ zur Riester-Förderung bekommen Bausparer oft auch eine staatliche Wohnungsbauprämie. Und Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen werden durch Arbeitnehmer-Sparzulagen gefördert, wenn sie vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers auf ihren Bausparvertrag übertragen.

Da ist sogar mehr drin: über drei Prozent Rendite.

Auch wenn er nicht als Anlageform gedacht ist, so entpuppt sich der spießige Bausparvertrag dennoch auch als trendige Geldanlage. Wie ist das möglich?

Die Bausparkassen bieten Tarife, bei denen die Sparer durch Bonuszinsen belohnt werden, wenn sie nach sieben Jahren das Gegenteil dessen tun, wofür ihr Vertrag ursprünglich gedacht ist. Wenn sie also KEIN Bauspardarlehen beanspruchen. Somit summieren sich die eher mageren Bausparzinsen zusammen mit den Bonuszinsen auf halbfette Renditen bis über drei Prozent. Inzwischen sind die Anbieter nicht mehr so glücklich über ihre eigenen Tarife, weil sie sich schwertun, die versprochene Rendite zu erwirtschaften. Mitunter werden die Kunden gedrängt, ihre Verträge aufzulösen, doch das ist nicht so einfach.

Dem Sparer, der verzweifelt gleichermaßen solide wie auch renditeträchtige Anlagen sucht, kann das egal sein. Denn welche Bank bietet derzeit ähnliche Zinserträge für ihre Sparpläne? Noch cleverer sind Rendite-Bausparverträge für junge Leute, die ihren Vertrag abschließen, bevor sie 25 Jahre alt sind – und ebenfalls nicht vorhaben zu bauen. Sie kassieren nicht nur Bonuszinsen, sondern sogar die staatliche Wohnungsbauprämie. Die Rendite steigt dabei bis über fünf Prozent!

Eigentlicher Sinn und Zweck des Bausparvertrages bleibt dennoch die Finanzierung einer Immobilie. Aber auch ihre Renovierung, wenn Häuslebauer und Häuschen in die Jahre gekommen sind und altersgerechtes Wohnen angesagt ist. Oder wenn der Bausparer seine alte Badewanne und das bis zur Decke gekachelte Badezimmer nicht mehr ansehen mag, den Durchbruch wagt und anschließend zu schicken Whirlpoolpartys einlädt. Mit anderen Worten, der spießige Bausparer ist ein cooler Hund, sehr lebendig und äußerst vielseitig.

Titelbild: © alisseja

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