Zunehmend mehr Patientinnen und Patienten melden sich Jahr für Jahr bei ihrer Krankenkasse und klagen über Behandlungsfehler vonseiten ihrer Ärzte. Das ist ihr gutes Recht, denn die Patient-Arzt-Beziehung ist eine vertragliche. Medizinerinnen und Mediziner stehen in der Pflicht, ihre Patientinnen und Patienten nach geltenden Standards ordnungsgemäß zu behandeln. Erfüllen sie diese Auflagen nicht, liegt auch dann ein Behandlungsfehler vor, wenn dieser nicht vorsätzlich ist. Aber welche Arten der Irrtümer gibt es?

Häufige Behandlungsfehler

  1. Schildern Mediziner ihren Patienten Risiken sowie Notwendigkeit und Tragweite einer Behandlung in unzureichender, unvollständiger, unverständlicher Wiese oder schlicht falsch, so liegt ein Aufklärungsfehler vor. Es handelt sich ebenso um einen Aufklärungsfehler, wenn Ärzte alternative Methoden und damit ihre Erfolgschancen beziehungsweise Risiken verschwiegen oder verzerrt darstellen. Zudem müssen Ärztinnen und Ärzte deutlich machen, wie viel Zeit für zu treffende Entscheidungen bleibt und mit welchen Folgen Wartezeit verbunden ist.
  2. Deuten Ärzte medizinische Befunde falsch oder erkennen Symptomatiken gar nicht erst, liegt ein klassischer Diagnoseirrtum vor.
  3. Ärztinnen und Ärzte dürfen sich weniger denn andere Menschen falschen Stolz erlauben. Das Durchführen von Behandlungen ohne die entsprechende medizinische oder technische Ausstattung beziehungsweise die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fachwissen sind ein sogenanntes Übernahmeverschulden. Wenn der Hausarzt bei Herzschmerzen keinen Rat weiß und den Patienten zum Kardiologen überweist, ist das in aller Regel kein Zeichen von Inkompetenz, sondern von Verantwortungsbewusstsein.
  4. Behandelt ein Chirurg eine offene Wunde mit Zucker, statt mit Antibiotika, kann man spätestens jetzt sicher sein: Hier läuft etwas grundlegend verkehrt. Aber auch Behandlungsmethoden, die nach der Erfindung des Penizillins zum Einsatz kamen, können inzwischen veraltet sein. Therapien müssen dem aktuellen medizinischen Wissenstand entsprechen. Alternative Vorgehensweisen müssen durch eine verbesserte Prognose oder den expliziten Patientenwunsch rechtfertigbar sein. Andernfalls haben Medizinerinnen und Mediziner die Wahl der Behandlungsmethode verfehlt.

Scham ist ein Fehler

Behandlungsfehler kommen vor. Die Krankenkassen sind verpflichtet, Patientinnen und Patienten in dieser Hinsicht verstärkt zu beraten. Aber viele Fehler klären sie nicht auf, weil Betroffene sich schämen oder zurückziehen. Schon während der ersten medizinischen Konsultation sollten sie sich nicht davor scheuen, alle Fragen zu stellen, die noch unter den Nägeln brennen. Auf diese Weise verhindern sie Missverständnisse von Vornherein.

Kommt es dennoch zum Fehler, sollten sie schleunigst alle relevanten Behandlungsdokumente anfordern. Die Einsichtnahme in die eigene Patientenakte ist ein Recht, von dem jede und jeder Gebrauch machen kann. Dies gilt solange kein therapeutischer Grund vorliegt, der dieses Recht einschränken kann. Außerdem ist es immer sinnvoll, Konsultationen bewusst wahrzunehmen und im Notfall Gedächtnisprotokolle anzulegen, solange die Erinnerungen noch frisch sind. In einzelnen Fällen kann es sinnvoll sein, potentielle Zeugen ausfindig zu machen. Wer war die Bettnachbarin im Krankenhaus? War jemand dabei, als der Hausarzt die Risiken der Therapie erläutert hat?

Kostenloses Gutachten

Mit diesen Informationen sollten Betroffene gegebenenfalls zusammen mit juristischer Unterstützung und der Krankenkasse auf den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zugehen. Sie erstellen ein kostenloses Gutachten, das bei Schmerzensgeldforderungen eingesetzt werden kann.

Titelbild: © Photographee.eu

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