Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abgeschlossen haben und erwerbsunfähig werden, erhalten keine Leistungen. So könnte eine Lesart der erstmals erhobenen Branchenstatistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) fälschlicherweise lauten. Eigentlich zählt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zu den wichtigsten Versicherungen; Sie bewahrt Berufstätige vor dem finanziellen Ruin, sollten diese ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können. Und das betrifft einen beträchtlichen Anteil der Bevölkerung: Nach Angaben des Bundes der Versicherten (BdV) wird jede fünfte Arbeitnehmerin und jeder fünfter Arbeitnehmer erwerbs- oder berufsunfähig.

Gründe für hohe Ablehnungsquote

Wenn Versicherte dann jedoch einen Leistungsantrag einreichen, kommt es aber offenbar allzu häufig zu einer Ablehnung von Seiten des Versicherers. 40.200 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kamen laut GDV im Jahr 2014 in den Genuss ihrer vorher vereinbarten Rente. Das macht eine Annahmequote von immerhin knapp 77 Prozent. Auf der Gegenseite heißt das aber auch, 23 Prozent aller Anträge wurden nicht anerkannt.

Eine Leistungspraxisstudie von Franke und Bornberg kam zu dem Schluss, dass Fälle, die nicht anerkannt werden, fälschlicherweise oft gleich als Ablehnungen verbucht werden. Tatsächlich gäbe es jedoch einen signifikant hohen Anteil an Leistungsfallmeldungen, die von Kundenseite aus nicht weiter verfolgt würden. Im häufigsten Falle schickten Betroffene dabei, kein Scherz, schlicht den Fragebogen auch nach mehrmaliger Aufforderung des Versicherers nicht zurück. In anderen Sachfällen ziehen Versicherte ihren Antrag noch in der Prüfungszeit zurück, wenn sich der Gesundheitszustand verbessert hat und die berufliche Tätigkeit wieder aufgenommen wurde. Sollten die Ergebnisse der Studie allgemein anwendbar sein, sind die Resultate des GDV durchaus positiv. Die restlichen Ablehnungen sollten dann einen Vertragsbruch, eine Ausschlussklausel oder einfach eine medizinische Ablehnung zum Grund haben.

Gutachten selten gefordert

Ebenfalls als positive Ergebnisse können eine verhältnismäßig schnelle Bearbeitungszeit von im Schnitt 13 Tagen zwischen Antragseinreichung und Bewilligung sowie ein relativ geringer Prozentsatz an durch Versicherungsunternehmen eingeholte Gutachten gewertet werden. Nur knapp sechs Prozent aller Anträge wird somit durch Zweitgutachten gegen geprüft und mit 60 Prozent mehr als die Hälfte dieser zusätzlich bewilligt.

Erfreulich war darüber hinaus auch die Nachricht, dass mit 776.000 Abschlüssen von 823.00 Anträgen mehr als 94 Prozent und damit augenscheinlich zumindest die große Mehrheit aller Antragsteller eine Berufsunfähigkeit erhalten. Des Weiteren erzielte bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest von 70 BU-Tarifen jede zweite Police ein sehr gutes Ergebnis.

Unverschämte Beiträge für Risikogruppen

Allerdings ergab der Verbrauchertest auch, dass das Gefälle zwischen Beitragszahlungen groß ist –  Arzthelfer oder Industriemechaniker bezahlen beispielsweise mehr als Diplomkaufleute – und zudem für viele eine Absicherung nicht bezahlbar ist. Gerade bei Menschen mit risikoreichen Berufen steigen potentielle Beiträge in unanständige Höhen. Gleiches gilt für Personen mit bekannten Vorerkrankungen, die den Schutz besonders nötig hätten. Allem voran erlittene psychische Erkrankungen, auch in der Jugend, gelten gar als Rechtfertigung für eine Ablehnung.

Die Stiftung Warentest rät daher, möglichst in frühen Jahren einen Vertrag abzuschließen, um eine bezahlbare Versicherung von weitreichendem Leistungsumfang zu erhalten. Außerdem beraten Verbraucherschutzvereine Betroffene bezüglich Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

Titelbild: © crazymedia

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