Bewegungen sind Leben. Mit diesem Ansatz wurden seit dem Anfang des 21. Jahrhunderts Systeme entwickelt, welche eine 3D-Bewegungserfassung auf Basis von Silhouetten generieren. Urvater solcher Reihenfotografien: Eadweard Muybridge. Der Brite wollte menschliche und tierische Bewegungen besser studieren und analysieren.

Später, im Video- und Computerzeitalter, wurde diese Technik weiter verfeinert. Mit der Hilfe von Software ist es möglich, auch komplexe Bewegungsabläufe zu digitalisieren. Anwendungsgebiete dafür sind: Sport, Medizin, Unfallforschung und Rationalisierung von Bewegungsabläufen in der Arbeitswelt. Was zuvor der Kunst vorbehalten war, entdecken Regierungen neuerdings für sich. Und ziehen ihre Vorteile draus.

Mit Argusaugen

Stockfinsteres Konzert, hunderte Neon-Leuchtröhren, 60.000 Menschen, wummernde Musik und ein Bandit. Wie findet man die Nadel im Heuhaufen? Für die chinesische Polizei nun mehr kein Problem. So war der Refrain des Songs noch nicht verklungen, da war der “Wirtschaftsverbrecher” bereits abgeführt. Sein Verhängnis: Das landesweite System „Xue Liang“, bestehend aus intelligenten Kameras mit eingebauter Gesichtserkennung. Der Name lässt sich mit “Adlerauge” übersetzen und soll die 1,4 Milliarden Einwohner im Auge behalten.

“Er war komplett geschockt, als wir ihn abgeführt haben”, erzählt der Polizist Li Jin der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Dass das System der Bewegungsaufnahme- und Erfassung eigentlich aus der Kunst- und Entertainmentecke stammt, beweist Google. So erkennt das browserbasierte Programm Move Mirror, welche Pose Du gerade einnimmst, und zeigt in Echtzeit dazu passende Bilder. Damit könnt Ihr Euer eigenes GIF erstellen.

Mirror Maker GIF

Ein Beispiel: Du legst vor Deiner Webcam die flotteste Sohle Deines Lebens aufs Parkett. Daraufhin durchsucht Move Mirror 80.000 Bilder einer Datenbank, sucht diejenigen heraus, die Deinen Bewegungen am ehesten ähneln, und stellt sie zu einem GIF zusammen. Am Ende kannst Du die kleine Show speichern, verschicken und teilen. (Leider ist der Redakteur für jegliche Tanzeinlagen völlig talentfrei).

KI für alle

Hinter dieser Bewegungserkennung steckt das sogenannte PoseNet-Modell. Die Software erkennt bestimmte Positionen Eures Körpers, indem wichtige Gelenkpunkte markiert werden. Das Ziel von Google: „To make machine learning more accessible to coders and makers, and inspire them to experiment with this technology.“ Neugierig geworden? Dann probiert Move Mirror einfach auf der eigens eingerichteten Website aus. Für die Spieleindustrie ist der Einsatz von Bewegungsaufnahme und -Erfassung, auch „Motion Capture“ genannt, allerdings ein alter Hut.

Bewegungsaufnahme: Dance with me baby

Unter “motion capturing” wird ein Tracking-Verfahren verstanden. Damit lassen sich Bewegungen aller Art erfassen, analysieren und verarbeiten. Haupteinsatzgebiete: Filme und Videospiele.

Wer „motion capture“ und Bewegungsaufnahme im Wohnzimmer erleben will, der kann zur Kinect-Technologie greifen. Das Kinect-System besteht aus Sensoren und ergänzender Software zur Aufzeichnung von Bewegungen. Ihr ursprüngliches Einsatzgebiet: Der Mainstream-Spielemarkt.

Mittlerweile findet sich das System in der Film-, Sporttherapie-, Robotik- und Forschungsbranche wieder. Unterstützt wird Kinect, sowohl die Hardware als auch die Software, vom Windows Software Development Kit.

Titelbild: © GeraKTV/ Fotolia.com

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