Zwischen dem Auffinden eines Diamanten und dessen letztendlichen Wert liegen viele beschwerliche Arbeitsschritte. Zuerst muss er in mühevoller Arbeit in den Minen freigelegt werden. Danach folgt eine erste Einschätzung. Den wirklichen Wert erhält er aber erst nach dem Schliff. Für die Bestimmung dieses Wertes werden verschiedene Kriterien herangezogen. Jeder Diamant ist einmalig und somit unverwechselbar. Mit der Blockchain verhält es sich ähnlich. Noch ist sie ein Rohdiamant, aber bereits heute gibt es zahlreiche Start-ups, die sich mit dem Feinschliff beschäftigen.

Von Start-ups lernen

Der Vergleich mit einem Diamanten ist dabei nicht ganz so weit hergeholt. Denn das britische Start-up Everledger hat sich seit 2015 auf die Registrierung von Diamanten in Blockchains spezialisiert. Hilfe erhielt Gründerin Leanne Kemp von der Barcleybank. Und ihr Modell hat Erfolg. Bereits jetzt haben sich verschiedene Minengesellschaften, Versicherer und Händler dem Unternehmen angeschlossen und über 770.000 Diamanten sind von Everledger registriert worden. Besitzer, Händler und Käufer sind gleichermaßen zufrieden.

Was die Blockchain-Forschung und Diamanten gemeinsam haben

Wieso lässt sich nun am Beispiel der Diamanten das Blockchain-System so besonders gut erklären? Dazu muss festgehalten werden, dass einem Diamanten unveränderliche Attribute zugeordnet werden können. Einige der wichtigsten Merkmale sind der Schliff, das Gewicht, der Reinheitsgrad, die Farbstufen, die Fluoreszenz und die Qualität des Schliffs. Jedoch gibt es bis zu 40 Eigenschaften, die in einem Zertifikat erwähnt werden können. Dazu kommen eine genaue Auflistung der Strukturfehler und eine bildliche Darstellung der Einschlüsse. Die entsprechenden Zertifikate werden von autorisierten Labors ausgestellt. Dennoch besteht immer die Möglichkeit, dass sie gestohlen und gefälscht werden oder sie einfach verloren gehen. Und genau hier kommt die Blockchain ins Spiel.

Dezentral, anonym und transparent – Geht das?

Blockchain ist eine Datenkette, in der lückenlos festgehalten wird, wann, von wem, zu welchem Preis und mit welchen Besitzverhältnissen etwas veräußert wurde. Wieder auf das beschriebene Start-up angewandt, bedeutete dies, dass mit der Datenkette alle Stationen eines Diamanten festgehalten werden, inklusive Zertifikat. Diese Datenstränge verteilen sich auf verschiedene private Computer. Sollte es nun zu einem Verkauf kommen, werden alle Daten gleichzeitig in sekundenschnelle abgeglichen. Stimmen alle Informationen überein, kann das Geschäft abgewickelt werden. Dadurch, dass die Merkmale dezentral, also auf verschiedenen Speichermedien festgehalten werden, ist ein Betrug unmöglich. Dazu müsste der Betrüger zuerst einmal wissen, welche Information wo verwahrt wird. Denn sobald die übermittelten Daten nicht mehr übereinstimmen, ist ein Handel unmöglich. Nach dem Verkauf werden an die vorhandene Blockchain automatisch die neuen Daten angehängt – Verkaufspreis, neuer Besitzer etc. Somit kann der ehemalige Besitzer ein und denselben Diamanten nicht zweimal verkaufen. All diese Datenabgleiche und -erfassungen erfolgen innerhalb weniger Sekunden. Es gibt nahezu keinen Verwaltungsaufwand, die administrativen Kosten sinken und das Risiko wird auf ein Minimum reduziert.

Gefällt’s den Banken oder nicht?

Dieses Beispiel lässt sich auf jegliche Wertgegenstände übertragen. Gerade deshalb ist die Technologie hinter den Bitcoins, denn das ist Blockchain, gerade für den Finanzsektor so interessant. In einem 2015 gegründeten Bankenkonsortium wird der technische Standard der Blockchain erforscht. Zu den 42 Mitgliedern gehören auch die Commerzbank und die Deutsche Bank. Gespannt werden zudem kleine Start-ups beobachtet, um von deren praktischen Erfahrungen zu lernen. Denn niemand möchte Geld investieren, bevor es nicht ausreichende Hinweise darauf gibt, dass Rechnerkapazitäten und Know-how schlussendlich ausreichen. Zudem macht dem Bankensektor auch die Transparenz zu schaffen. Denn wer möchte schon, dass das Konkurrenzunternehmen über alle Transaktionen informiert wird. Die Lösung wären hier unternehmensabhängige Blockchains, zu denen man eine persönliche „Einladung“ benötigt.

Blockchain: Schritt für Schritt

  1. Der Verkäufer möchte einen bestimmten Wert veräußern. Der potenzielle Käufer äußert seinen Wunsch, mit dem Verkäufer ins Geschäft zu kommen.
  2. Über die Blockchain, eine dezentrale Datenbank, die auf mehrere Computer verteilt ist, werden die Daten des Verkäufers und des Wertgegenstandes überprüft. Wird über die Blockchain ermittelt, dass der Verkäufer der rechtmäßige Besitzer des Wertes ist, geht das Geschäft in die nächste Phase. Durch diese Validierung erhält der Käufer die größtmögliche Sicherheit.
  3. Das Geschäft, der neue Besitzer und alle Daten der Transaktion werden in der vorhandenen Blockchain angekettet. Alle Daten sind verschlüsselt und Außenstehende wissen nicht, wer an der Transaktion beteiligt ist.
  4. Durch die dezentrale Arbeitsweise ist eine Manipulierung der Daten nahezu ausgeschlossen.
  5. In der vorletzten Phase des Geschäftes werden alle Daten verifiziert. Eine Datenkette kann im Nachhinein nicht mehr geändert werden, sie wird stattdessen immer „weitergesponnen“. Der neue Besitzer kann also jederzeit die Rechtmäßigkeit des Geschäftes nachweisen. Die Blockchain könnte auch als Stammbaum für Werte bezeichnet werden.
  6. Endergebnis des Geschäftes ist, dass nun in der Datenkette der Käufer als neuer Besitzer des Wertes ausgeschrieben wird. Der alte Besitzer hat keinen Zugriff mehr darauf.
Titelbild: © Anatoly Maslennikov

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