Er kam zu uns, aus einer anderen Welt und brachte: Wertsteigerung. Er sprengte die Ketten der Aufsicht und schaffte digitale Blockchains der Dezentralisierung. Keine Banken mehr, keine Inflation. So stand er da, golden und fälschungssicher. Sein kometenhafter Aufstieg über die Marke von 5.000 Euro macht den Bitcoin zur begehrten Ware. Auch seine Freunde lassen den Rubel rollen. Wer am Jahresanfang (2017) rund 500 Euro in Ether anlegte, konnte daraus binnen fünf Monaten 12.000 Euro machen. Sogenanntes Mining hat die Lust der virtuellen Goldgräber gepackt. Der Siegeszug der Kryptowährungen? Energieschützer schlagen Alarm!

Schürfrechte für alle!

Unzählige Experten und Amateure schrieben ihre Finger wund in hunderten informativen Beiträgen, Anleitungen und lehrreichen Artikeln zum Thema „Bitcoin“. Weniger zum Thema „Mining“. Das Mining, also der Abbau, ist ein Prozess, bei dem ein Miner seine Rechenleistung zur Transaktionsverarbeitung, Absicherung und Synchronisierung aller Nutzer im Netzwerk zur Verfügung stellt. Aber warum lesen, wenn man eine schöne Animation beobachten kann.

Heiho, heiho, wir sind vergnügt und froh!

Und froh können die Kryptowährung-Miners auch sein. Denn laut einer Statistik zur Entwicklung der täglichen Einnahmen aller Bitcoin-Schürfer, stieg die Anzahl der neuerschürften digitalen Münze im September 2017 auf rund 7,7 Millionen. Der Rekordgewinn war jedoch im August, mit ganzen 11,26 Millionen Münzen.

Insgesamt wurden bis September (2017) 16,6 Millionen im Umlauf befindlichen Bitcoins durch Mining geschöpft.

Früher Karren, heute Kiste

Und was haben Kohle-Kumpel mit Bitcoin-Bonzen nun gemeinsam? Die Nachhaltigkeit. Besser gesagt, ihre Abwesenheit. Denn wer dachte, dass nach digitalen Münzen zu schürfen umweltfreundlich ist, der irrt. Gewaltig. Während die einen früher auf Schaufelbagger und Handkarren setzten, verlassen sich die anderen heute auf hochmoderne Rechner.

Der Prozess ist einfach: Eine Kryptowährungs-Software wird auf einer entsprechenden Hardware installiert und ausgeführt. Diese wird so ins Peer-to-Peer-Netzwerk eingebunden. Sogleich erhält die Software Transaktionen. Diese werden über einen bestimmten Zeitraum gesammelt und in einem Block auf einer Blockchain gespeichert. Vor dem Speichern werden die Transaktionen überprüft. Die Belohnung für das Überprüfen der Transaktionen und die damit verbundene Synchronisierung des Netzwerks sind neu erzeugte Münzen und die Transaktionsgebühr.

Ergo: Der Miner schürft nicht nach Bitcoins, sondern erhält diese als Belohnung, da er seine Rechenleistung zum eigentlichen Schürfen bereitstellt.

Und da Miner die Angewohnheit haben, den ganzen Tag zu „farmen“, entstehen horrende Kosten.

Ein Königreich für Bitcoins

Um schneller die virtuelle Münze zu erzeugen, setzen Miner auf leistungsstarke Rechner. Je leistungsfähiger, desto besser. Aber auch energiehungriger. Sogenannte Rechnerfarmen sind darauf ausgelegt, 24/7 zu generieren. Berechnungen haben ergeben, dass die Erzeugung von Bitcoin in den ersten 5 Jahren seit der Entstehung mit etwa 150.000 Megawattstunden verbrauchte. Damit könnte der Eiffelturm in Paris 260 Jahre lang beleuchtet werden. Oder alternativ: Ein Jahr lang knapp 14.000 durchschnittliche US-Haushalte mit Strom versorgt werden.

Josef Zöchling, Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft bei dem Konzern Wien Energie, nannte Bitcoin eine „Energievernichtung sondergleichen“, wie die österreichische Zeitung Die Presse berichtet.

Christian Minarovits, Blockchain-Experte bei IBM Österreich, ergänzte: „Im Jahr 2020 könnte der Energieverbrauch des Staates Dänemark notwendig sein, um Bitcoin am Leben zu erhalten“.

Na dann, fröhliches Heiho, heiho miteinander. Solange das Licht noch an ist und die Münze glänzt.

Bild: © Kovalenko I/ fotolia.com

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