Werbetreibende fürchten um ihre Brand Safety, nachdem erneute Vorwürfe an YouTube laut wurden, die Plattform habe ihre Community nicht unter Kontrolle.

„Wurmloch in einem Softcore-Pädophilenring auf Youtube“

Missbräuchliche Nutzung harmloser Videos

Der YouTuber Matt Whatson löste eine Kontroverse aus, indem er aufdeckte, in welchem Umfang Nutzer der Videoplattform die Kommentar-Sektion unter Videos junger Mädchen und Jungen missbrauchten. Über Zeitstempel würden einzelne Szenen sexualisiert und darüber hinaus auch explizit kinderpornografisches Material ausgetauscht. YouTube böte somit Netzwerk- und Kommunikationsmöglichkeiten für Menschen mit entsprechender Neigung. Whatson sprach von einem „Wurmloch in einem Softcore-Pädophilenring“.

#YouTubewakeup

Was der YouTuber damit meint, ist eine große Sammlung an über Kommentare sexualisierten Videos, der entsteht, sobald die Algorithmen der Videoplattform diese miteinander verbinden. Das Phänomen ist weder neu noch dem Konzern unbekannt. Aus diesem Grund entstand eine hitzige Debatte unter dem warnenden Hashtag #YouTubewakeup.

YouTubes Werbetreibende springen ab

Große Werbekunden der Videoplattform reagierten infolge dessen empört und verunsichert. Unternehmen wie Disney, AT&T, Dr. Oettker und Nestlé boykottierten YouTube in Sorge um ihre Brand Safety. Laut Wallstreet Journal überlegten auch McDonald’s und Grammarly, ihre Werbung abzuziehen.

„Diese Zahl zeigt sehr klar die hohe Relevanz von markensicheren Umfeldern und speziell Legal Safety für Werbungtreibende“.

Pause für YouTube-Ads

Das Fachmagazin Horizont veröffentlichte eine nicht-repräsentative Umfrage der Organisation Werbungtreibender im Markenverband (OWM), die ihre Mitglieder nach deren Reaktion auf die jüngsten Vorfällen befragte: 90 Prozent gaben an, auf YouTube Werbung zu schalten, ein Drittel davon habe seine Werbeaktivitäten nach dem Skandal jedoch pausiert. Geschäftsführer der Organisation, Joachim Schütz, sagte: „Diese Zahl zeigt sehr klar die hohe Relevanz von markensicheren Umfeldern und speziell Legal Safety für Werbungtreibende“.

„Jedweder Content – einschließlich Kommentare – der Minderjährige gefährdet, ist abscheulich und wir haben klare Richtlinien, die diesen auf YouTube verbieten.“

YouTube verspricht Brand Safety

YouTube wehrte sich gegen die Vorwürfe. Der Konzern setze sich stark für die Einhaltung von Brand Safety im Sinne von Legal Safety und Brand Suitability ein. Ein Sprecher kommentierte dem Tech-Magazin The Verge gegenüber: „Jedweder Content – einschließlich Kommentare – der Minderjährige gefährdet, ist abscheulich und wir haben klare Richtlinien, die diesen auf YouTube verbieten.“

Unternimmt YouTube genug?

Manchen (ehemaligen) Werbepartnern ist der dauernde verweis der Videoplattform auf seine Richtlinien angesichts vergangener Vorfälle nicht mehr genug. Fortnite-Hersteller EPIC beispielsweise stellte seine YouTube-Werbung ein und forderte Google auf, Wege zu finden, missbräuchlichen Content von der Plattform zu löschen. Der YouTuber Philip DeFranco antwortete mit einem Video, indem er äußerte, YouTube mache genau dies bereits. Die Aussage von EPIC nannte er „verrückt“ und konstatierte, das Beste, was Nutzer machen könnten, seie es, „ekelhafte Monster“ zu melden.

Aggressiveres Vorgehen

Einem YouTube Memo zufolge, das AdWeek vorliegt, will YouTube in Zukunft außerdem „aggressiver“ gegen „Softcore Pädophilie“ vorgehen. Dafür wurde Channels angedroht, dass sie bei Richtlinien-Verstößen ihre Finanzierung verlieren. Ferner machte YouTube etwa 400 Kanäle dicht. Des Weiteren hole sich der Konzern zusätzliche Verstärkung von Sozialarbeitern, Spezialisten für Kindesentwicklung und ehemaligen Angestellten der Staatsanwaltschaft, FBI und CIA. Auch die Algorithmen, die für die Auswahl von “recommended videos” (vorgeschlagenen Videos) verantwortlich sind, sollen überarbeitet werden.

Algorithmen als Kernelement für Brand Safety

Diese sind für Werbetreibende der ausschlaggebende Punkt, denn nur wenn YouTube seine Algorithmen verbessert, kann es auf seiner Plattform wirklich für ein sicheres Nutzungs- und Werbeumfeld zu sorgen. Das Problem: YouTube hütet die Funktionsweise seiner Algorithmen unter strengster Geheimhaltung und entzieht sie damit jedweder Kontrolle. Philipp Bovermann monierte in der Süddeutschen:

„Wenn etwas hochkocht, wie es derzeit unter dem Hashtag #youtubewakeup geschieht, verweist Youtube auf seine Richtlinien. Dann lässt es, unterstützt von automatischen Filtern, die auch mal aus Versehen harmlose Accounts löschen, seine Armee aus ‘Content Moderatoren’ Stunden um Stunden Bilder halbnackter Mädchen sichten. Dann tauchen andere Brandherde auf, zu denen sie geschickt werden. Und das Wurmloch bildet sich erneut.“

Beitragsbild: © Alain r / CC BY-SA 3.0

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