Ich habe es schon tausendmal gehört: Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist unerlässlich für alle, die von ihrer Arbeit leben oder leben wollen. Wer keine private Haftpflicht hat, ist irgendwas zwischen verantwortungslos und total wahnsinnig, wer keine BU hat immerhin noch kurzsichtig und verrückt. Beim gefühlt tausendundersten Mal klickte es und ich beschloss, mir mit Mitte zwanzig endlich eine BU zuzulegen. Ich dachte: Ich bin jung, gesund, und arbeite hauptsächlich mit dem Kopf – das sollte also alles kein Problem sein. Aber nach ein paar Klicks im Internet war mir klar: Ich brauche einen Berater.

Schwer versicherbar

Mein Berater ließ sich zunächst am Telefon ein paar Fakten über mich und meine BU-Wünsche geben: Studentin, angehende Dramaturgin…
– Moment, bitte was?
– Dramaturgin.
– Das ist ein Problem.
– Warum?
– Künstlerische Berufe sind schwer versicherbar.
Ich verstand nicht so recht: Was ist denn an künstlerischen Berufen schwerer versicherbar als an anderen? Mein Berater musste etwas ausholen, um mir das zu erklären.

Berufsgruppen: Von Dachdeckern und Ingenieuren

Hinter Versicherungen steht eine ganze Menge Mathematik: Die Versicherer versuchen anhand der eingereichten Angaben so genau wie möglich die Wahrscheinlichkeit zu errechnen, dass ein Versicherungsfall eintritt. Grob gesagt: Je höher die Wahrscheinlichkeit, desto höher der zu leistende Beitrag. Bei zu hohem Risiko lohnt sich die Police für den Versicherer nicht mehr, der Fall gilt als nicht versicherbar. Um das Risiko von Berufsunfähigkeit zu errechnen, sind vor allem zwei Faktoren von Belang: die Gesundheit und der Beruf. Versicherer unterteilen Berufe in fünf Risikogruppen: In der ersten sind risikoarme Akademikerberufe wie Ingenieure, die bei ihrer Arbeit wenig Gefahren ausgesetzt sind und auch mit gewissen Beeinträchtigungen arbeitsfähig bleiben. In der letzten Gruppe sind dagegen Hochriskoberufe wie Dachdecker – und auch Künstler.

Genaue Angaben in der Risikovoranfrage

Das Gespräch ging weiter:
– Aber, in dem Sinne bin ich doch gar keine Künstlerin.
– Na Sie machen doch Theater?
– Ja, aber dabei sitze ich meistens im Büro…
Was folgte, war eine ziemlich lange Erklärung, dass meine berufliche Tätigkeit nicht mehr körperliche Fähigkeiten als eine Tätigkeit im Marketing oder im Veranstaltungsmanagement brauchen wird. Mein Berater meinte, die Schwierigkeit würde darin bestehen, dass auch den Versicherungen zu erklären. Er riet mir, sehr genaue Angaben in den Formularen der Versicherungen zu machen und auch neben die vorgesehenen Felder Anmerkungen zu meinem Beruf zu machen. Die so ausgefüllte Risikovoranfrage leitete er an verschiedene Versicherer weiter.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Nicht ohne meinen Berater!

Die ersten Antworten von Versicherungen waren enttäuschend: Leider können wir für dieses Berufsbild keinen Versicherungsschutz anbieten, lautete der Tenor. Doch dann kamen gute Nachrichten, und gute Angebote. Während einige Versicherer meine Tätigkeit in die Hochrisikogruppe vier eingebordnet hatten, wurde ich von anderen in die verhältnismäßig risikoarme Gruppe zwei eingestuft. Und voila: Nachdem ich zwischenzeitlich als nicht versicherbar galt, war ich nun gegen Berufsunfähigkeit versichert. Zwei Dinge habe ich für den Weg dahin gelernt. Zum einen: Detaillierte Angaben und Anmerkungen können sich am Ende richtig lohnen. Zum anderen: Ein guter Berater ist das A und O. Er ersetzt nicht das genaue Lesen von Formularen, Angeboten und Anträgen, aber Erklärungen und Ratschläge sind dank ihm nur einen Telefonanruf entfernt.

Titelbild:© Kaspars Grinvalds/Fotolia

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