Jeder hat mal einen schlechten Tag. Einen Tag, an dem man einfach nicht aus dem Bett kommt, überhaupt keine Konzentration für die Arbeit aufbringen kann und an dem man nichts schafft. Psychisch gesunden Menschen hilft da meist ein tiefer Schlaf. Menschen mit Depressionen und Burnout liegen dagegen meist die ganze Nacht wach und der nächste Tag beginnt genau wie der vorherige. Jeder vierte Deutsche ist mindestens einmal im Leben davon betroffen. Eine Ursache dafür ist auch falsches Führungsverhalten am Arbeitsplatz.

Führungskräfte unterschätzen Burnout-Risiko

Burnout ist keine eigenständige Diagnose, sondern eine Rahmen- oder Zusatzdiagnose, die meist im Zusammenhang mit Depression gestellt wird. Sie bezeichnet Ausgebranntsein und einen Zustand der totalen Erschöpfung. Seit 2006 hat sich die Krankheitslast aufgrund von Burnout-Diagnosen fast verzwanzigfacht, das Syndrom wurde lange als Modekrankheit verschrien. In einer Umfrage unter rund 360 Führungskräften des Deutschen Führungskräfteverbands (ULA) stimmen 87 Prozent der Aussage zu, dass Fach- und Führungskräfte dazu neigen, das Risiko für Burnout zu unterschützen und verharmlosen. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Führungsverhalten und Fehltagen aufgrund von Erkrankungen (besonders psychischen) längst bekannt.

Gleichgewicht zwischen Anforderungen und Ressourcen nötig

Die Ursachen von Burnout werden häufig über das „effort-reward imbalance“-Modell erklärt, also über ein Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Ressourcen. Auf der einen Seite stehen Zeitdruck, Konzentration, emotional belastende Situationen, körperliche Belastung und Ansprüche an die Arbeit. Auf der anderen Wertschätzung der Arbeit, gute Beziehungen zu Mitarbeitern, Erfolgserlebnisse, kreativer Gestaltungsraum sowie die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung. Auf beide Seiten haben Führungskräfte maßgeblichen Einfluss.

Einfluss von Führungsverhalten auf Krankheitstage

Nicht nur autoritäres Führungsverhalten, unsachliche Kritik und zu geringe Anerkennung, auch zu ausgeprägte Kontrolle und Aufsicht, unrealistische Leistungsziele, zu geringe Einarbeitung und häufige Änderungen der Aufgaben führen zu erheblich mehr Krankheitstagen der Mitarbeiter. Stattdessen sollten Aufgaben, Erwartungen und Zuständigkeiten klar geregelt sein. Nicht nur die Angestellten selbst, auch die Vorgesetzten sollten die Ressourcen ihrer Mitarbeiter kennen und beachten. Neben Anerkennung, aktivem Feedback und einer starken Eigenständigkeit in der Erfüllung der Aufgaben ist ein offenes Ohr des Vorgesetzten bei Schwierigkeiten und Problemen besonders wichtig.

Weiterbildungsmaßnahmen für einen wertschätzenden Führungsstil

Um ein Betriebsklima zu schaffen, dass möglichst präventiv gegen psychische Erkrankungen wirkt, ist nicht nur Bewusstsein und guter Wille der Führungskräfte nötig, sondern auch Kompetenz. Inzwischen vermitteln Weiterbildungen einen wertschätzenden Führungsstil. So kann das Führungsverhalten, neben der Lebensführung der einzelnen Mitarbeiter, ein wichtiger Bestandteil der Sorge für ein gesundes Arbeitsumfeld sein. Angesichts von immer schlankeren Strukturen, Arbeitsverdichtung, Termindruck, Sparvorgaben und Effizienzsteigerung, die gefordert werden, um im Wettbewerb auf dem Markt bestehen zu können, erscheint diese Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiter immer wichtiger.

 

Titelbild: © leszekglasner/fotolia

Ihre Meinung zu diesem Beitrag?

Please enter your comment!
Please enter your name here