Cloud-Systeme sind ein umstrittenes Thema bei deutschen Unternehmen. Viele betrachten die Anwendung weiterhin kritisch. Zu unsicher, zu intransparent, zu unzuverlässig um unternehmerische Kernprozesse darin auszulagern. Eine Erhebung des Cloud-Telefonanbieters NFON zeigt, dass bei Unternehmen mit über 100 Mitarbeitern sich 54 Prozent negativ zum Einsatz von Cloud-Technologien äußern. Globale Realitäten sehen anders aus. 2015 nutzten 87 Prozent der befragten Unternehmerkunden Cloud-Systeme auch für Kernaufgaben. Dies geht aus dem Bericht des Service-Providers Verizon „State of the Market: Enterprise Cloud 2016“ hervor. Auf welche Wolke also zukünftig umsteigen, um den Anschluss nicht zu verlieren?

Vorreiter: Amazon Cloud

Unangefochten auf dem ersten Platz rangiert die Plattform des Amazon Web Service (AWS). Der Cloud-Service unterstützt die Leistungen eines Rechners, kann Speicherplatz für Daten zur Verfügung stellen und bietet unterstützende Funktionen für ein Unternehmen oder Anwender an. Vorteile, wie eine einfache und flexible Nutzung, viele hochentwickelte Applikationen, auf die der User zurückgreifen kann. Bei Bedarf kann jeder Prozesse und jedes Netzwerk bei Wachstum erweitert werden und wirtschaftliche Zuverlässigkeit sprechen eine eindeutige Sprache. Laut Statista erzielte Amazon im vierten Quartal alleine mit Cloud Computing 3.536 Millionen US-Dollar. Im ersten Quartal 2017 wuchs der Wert des Bereichs auf 3.661 Millionen Dollar.

Und Amazon will weiter Zukunft bauen. Mit Greengrass wird der Dienst Lambda auf Plattformen wie Raspberry Pi oder Intel Edison Einzug halten. Die Software soll lokale Datenverarbeitungs-, Messaging-, Caching- und Synchronisierungen für verbundene Geräte durchführen. Gerätedaten synchronisieren und mit anderen Endgeräten kommunizieren, auch ganz ohne Internetverbindung. AWS Greengrass authentifiziert und verschlüsselt dabei die Gerätedaten an allen Verbindungspunkten mithilfe der Sicherheits- und Zugriffsverwaltungsfunktionen von AWS IoT.

Azure ist dicht auf den Versen

Nach dem Wechsel des CEO im IT-Sektor holt Microsofts eigene Cloud auf. Laut Statistik für das vierte Quartal im Geschäftsjahr 2017 verzeichnete das Unternehmen rund 23,3 Milliarden US-Dollar Umsatz und 6,5 Milliarden Dollar Gewinn. Das Geschäft mit der Azure Cloud ist für beinahe die Hälfte des operativen Gewinns verantwortlich. Der Umsatz der kommerziellen Plattform verzeichnet dabei ein Wachstum von 97 Prozent.

Azure ist ein sich ständig erweiternde Sammlung verschiedener und integrierter Clouddienste. Es bietet vor allem IT-Profis und Entwicklern die Möglichkeit, Apps an jedem beliebigen Ort zu erstellen. Dabei dürfen sie auf alle Anwendungen und Tools ihrer Wahl zurückgreifen. Damit ist es möglich, Apps für die breite Öffentlichkeit von jedem Ort der Welt aus zur Verfügung zu stellen.

Und die letzte Rose geht an…

Beide Anbieter stellen gute Cloud-Dienste zur Verfügung. Geht es darum, eine Cloud als IaaS-Dienst zu nutzen, als reine und zusätzliche Rechnerinfrastruktur, die jeder bei Bedarf anmieten kann, und dies auf kommerziellen Niveau, ist der Amazon Web Service (AWS) nach Einschätzung von Analysten das Maß aller Dinge. Somit ist der Wechsel auf ein Cloud-System für alle sinnvoll, die Hardware-Ressourcen einsparen oder unnötigen Papierkram vermeiden möchten. Die auf Daten, Informationen und Prozesse von allen stationären oder mobilen Endgeräten aus zugreifen wollen. Oder die mit anderen zusammen an verschiedenen Orten an demselben Projekt arbeiten, ohne sich treffen zu müssen. So rückt Singapur ganz nah an Miami heran – und Sydney an Reykjavik.

Gewitterwolken am Horizont

Das Verwenden eines Cloud-Systems kann eine Abhängigkeit schaffen. Hacker-Angriffe auf zentrale Server, Cyber-Kriminelle die Daten unmittelbar aus der Cloud stehlen gefährden ebenso, wie unzureichende Kapazitäten, die durch Überlastung nicht mehr vom Anbieter bereit gestellt werden. Bei einer Insolvenz des Cloud-Unternehmens kann es unmöglich werden, auch wenn bereits gebucht und bezahlt, Dienste und gespeicherte Daten zurückzuverlangen. Obwohl überwiegend der Datenklau internationaler Großkonzerne mediale Präsenz genießen, sind auch kleine Unternehmen von Internet-Kriminalität betroffen. Die Nachfrage nach sogenannten “Cyber-Versicherungen” steigt. Hiscox, die Allianz und Cyberversicherrung24 haben ihre Angebote diesbezüglich bereits erweitert. Auf Gewerbeversicherung24 besteht die Möglichkeit Anbieter, Preise und Dienste zu vergleichen.

Dein Geld kann mehr

Nicht nur eine Versicherung in Sachen Cyber-Kriminalität kann Geld und Nerven sparen. 2020 soll laut Schätzungen der mit Cloud-Computing erzielte weltweite Umsatz bei 383,36 Milliarden Dollar liegen, sich also nahezu verdoppeln. 2009 waren es lediglich 58,6 Milliarden. Das Wachstum ist rasant. Der Aktienmarkt honoriert das: Die Aktie von Oracle ist auf Rekordhoch, Neulinge wie Box Inc., Arista und Nutanix werden hochgelobt, SAP und IBM wollen ebenfalls vom Hype profitieren. Und Amazon und Google boomen sowieso. Die Commerzbank sieht Anleger auf Wolke sieben. Cloud Computing lohnt sich – auch beim Investment.

Bild: (c) Maik Richter/Fotolia

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