Viel zu viel Kommunikation: Die Menschen filtern nicht nur im physischen, sondern auch im digitalen Leben immer mehr nach Relevanz und Mehrwerten.

Eigentlich könnte sich die Kommunikationsbranche ausnahmsweise einmal selbstzufrieden zurücklehnen. Denn eines hat sie in den zurückliegenden Jahren bewegt: Noch nie zuvor haben die Menschen so viel kommuniziert. Wir stehen erstmals vor der Situation, dass Kommunikation ein Synonym für Marketing ist und Wirklichkeit das Ergebnis von Kommunikation. Und wir bemerken rund um die Uhr, dass Werbebotschaften unsere Lebenswelten tatsächlich und in hohem Maße erreichen.

Während früher das Zuwenig unser Problem war. macht uns heute das Zuviel zu schaffen. Denn noch mehr kaufen, ausgeben, noch mehr lernen, kommunizieren, essen, trinken, wohnen, arbeiten, Spaß haben geht fast nicht mehr. Unsere Aufmerksamkeit wandelt sich immer mehr in ein Modell des zerstreuten Aufsaugens.

 

Mehr geht nicht – oder doch?

Der Durchschnittsbürger von heute mit einem Wortschatz von 8.000 bis 10.000 Wörtern kann zwischen 60.000 Marken wählen und wird täglich mit 4.000 Werbeimpulsen konfrontiert. Kein Wunder also, dass viele mit Panik auf diese Flut reagieren. Man möchte ja fast jeden Tag Selbstgespräche führen, um die zahlreichen Passwörter nicht zu vergessen, die wir für all unsere Netzwerke. Plattformen, Bestellservices, Banken und Versicherungen brauchen.

Das digitale Zeitalter findet mindestens so sehr in den Köpfen wie in den Produktionsstätten der Wirtschaftstreibenden statt. Das Ergebnis: Überforderung und Konsumzwang. In einigen europäischen Ländern treffen sich bereits regelmäßig Aktivisten und entfernen Plakate in Bahnhöfen. Digitalverweigerer ziehen sich aus der Konsumgesellschaft zurück und versuchen Neuanfänge in der Natur. Die Protestanten arbeiten mit dem Ziel, dass Werbung ganz aus dem öffentlichen Raum verschwindet.

 

Konsum wird zu Jagd und Flucht

Alles in allem bestätigt sich damit ein gesellschaftliches Phänomen: Menschen sind generell skeptischer. Immerhin glauben im europäischen Schnitt noch 43 Prozent der Zeitungsleser ihrem Medium. Aber nur 27 Prozent dem Fernsehen und zehn Prozent dem Radio. Und noch weniger der Werbung. Anzeigen werden überblättert, Telefonanrufe abgewürgt, TV-Spots weggezappt. E-Mails nicht geöffnet Wo soll das Marketing der Zukunft ansetzen? Beim Kunden? Bei neuen Zielgruppen? Oder doch online in Foren, Blogs und sozialen Netzwerken?

Logisch, dass es im Sog des Hypes auch Immer mehr Unternehmen in die Netzwerke zieht, denn obwohl hier noch nichts verkauft wird, spekuliert man mit Reputation und Kundenbindung. Das US-Marktforschungsinstitut Gartner Inc. hat indes bereits über erste Ermüdungserscheinungen bei Facebook-Nutzern in den Kernmärkten berichtet. Das wird zwar nichts an der Entwicklung hin zum Interaktiven ändern und auch nicht daran, dass soziale Medien als Aktivierungspunkte mächtiger werden.

Allerdings ist der Traffic lange nicht so zielgerichtet wie der über Suchmaschinen generierte Shareof-voice. Auf Facebook ist die Bounce-Rate sogar am größten. Und das heißt: Ein Link wird einfach angeklickt, kurz die Website besucht und dann gleich wieder verlassen.

 

Im Vertrauen liegt die Kraft

Mehr denn je sehnen sich Menschen nach verlässlichen Wahrheiten. In Zeiten von Dirty Campaigning, falschen Profilen und Fake News, die sogar Wahlen beeinflussen können, treten Misstrauen und Frustration an die Stelle von Neugier und Kommunikationsfreude. Wem können wir noch vertrauen? Was führt das Gegenüber tatsächlich im Schilde? Wer heute erfolgreich kommunizieren will, braucht Geduld und gute Absichten.

Erfolgreiches Content Marketing redet daher nicht um den „heißen Brei“ herum. Es kommt zum Punkt und bleibt authentisch. Mehrwerte sind dabei die Ankerpunkte und Trigger, auf die es ankommt.

Gute Geschichten können so ein Mehrwert sein. Was haben Menschen mit Produkt A, B oder C erlebt? Wie ist es ihnen ergangen? Warum wurde ihr Leben dadurch vielleicht schöner, aufregender, lebenswerter? Oder sie bringt Informationen, die nützlich sein können. Erzeugt Nähe. Was sollte man beim Kauf von Produkt A, B oder C beachten? Wann, wozu kann man es besonders gut gebrauchen? Wer steckt eigentlich genau dahinter bei Anbieter A, B oder C, und was sind das für Menschen? Möchte ich sie und ihr Angebot in meine Leben lassen? Traue ich ihnen über den Weg?

Wer diese elementaren Erfolgsfragen für seine Kunden glaubwürdig beantworten möchte, kommt daher an gut gemachten Inhalten nicht vorbei. Im Grunde ist es einfach: Wir müssen es nur ehrlich meinen.

 

Bilder:

© Gina Sanders / fotolia.com

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