Müssen Versicherte eine Demenz dem Versicherer melden? Alzheimer beraubt Patienten schleichend und stetig ihrer mentalen Fähigkeiten. Welche Regelungen gelten also, wenn Erkrankte einen Schaden verursachen? Bleibt der Versicherungsschutz bestehen? Monetary beantwortet diese Fragen für drei Versicherungstypen: Haftpflicht, Hausrat und Unfall.

Haftpflichtversicherung

Handelt eine Person vorsätzlich oder fahrlässig und verursacht einen Schaden, ist sie gesetzlich zu Schadensersatz verpflichtet. Eine Verantwortlichkeit für die eigene Tat setzt jedoch voraus, dass eine Person auch zurechnungsfähig ist. Demenzerkrankten wird die Zurechnungsfähigkeit abgesprochen, sie zählen, so wie Kinder vor Erreichen des siebten Lebensjahres, Bewusstlose, Epileptiker und psychisch Erkrankte, zur Gruppe der sogenannten Deliktunfähigen. Da die meisten Haftpflichtversicherungen die Gesetzesdefinition übernehmen, sind Demenzerkrankte in aller Regel nicht versichert. Ausgenommen ist der Schutz vor ungerechtfertigten Schadensersatzansprüchen durch Dritte. Anders liegt der Fall, wenn ein Gericht Betroffene als verantwortlich einstuft, nun greift der Versicherungsschutz und der Schaden wird reguliert. Um Erkrankte uneingeschränkt mit abzusichern, muss daher gemeinhin eine Deliktunfähigkeitsklausel abgeschlossen werden.

Hausratversicherung

Bei der Hausratversicherung gelten zunächst die regulären Kriterien zur Bearbeitung des Schadensfalls: Welcher Typ von Schaden liegt vor, ist ein solcher im Leistungsumfang enthalten, was wurde beschädigt, deckt die Police den betroffenen Hausrat ab, wie hoch ist die abgeschlossene Versicherungssumme und lag eine Fahrlässigkeit oder gar grobe Fahrlässigkeit vor? Die letzte Frage ist bei Demenzerkrankten erneut entscheidend. Die Feststellung eines (grob) fahrlässigen Verhaltens obliegt im Zweifelsfall einem Gericht und ist äußerst komplex zu ermitteln, auch für den Versicherer. Wiederum kann daher grobe Fahrlässigkeit gleichermaßen mit versichert werden.

Unfallversicherung

Demenz zählt wie Ohnmacht, Trunkenheit, Herzinfarkte, Schlaganfall, Epilepsie und weitere zu den so genannten „Bewusstseinsstörungen“. Diese sind ausdrücklich von Regulierung ausgeschlossen. Nur sehr wenige Versicherer kommen für verursachte Schäden unter Beteiligung oder infolge von oben genannter Erkrankungen beziehungsweise „Bewusstseinsstörungen“ finanziell auf. Einmal mehr ist die Klärung der Schuldfähigkeit und damit verbunden der Fahrlässigkeit ausschlaggebend. Vorsätzlichkeit ist selbstverständlich ohnehin ausgeschlossen.

Demenz dem Versicherer melden?

In keinem der genannten Beispiele obliegt eine Meldepflicht dem Versicherer gegenüber. Gemäß § 23 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) stellt eine Demenz keine (meldepflichtige) Gefahrenerhöhung dar. Ein Ausnahmefall kann der Neuabschluss einer Unfallversicherung sein. Bei dem bekannte Vorerkrankungen wahrheitsgemäß anzugeben sind. Gleichwohl ist es aber sinnvoll, sich des erhöhten Risikos durch eine Erkrankung bewusst zu sein und gegebenenfalls präventive Maßnahmen zu ergreifen. Viele Versicherungen lassen sich durch Deliktunfähigkeitsklauseln oder andere Zusatzbausteine erweitern und ermöglichen somit einen umgreifenden Schutz für alle Betroffenen.

Titelbild: © Gabriele Rohde / Fotolia.com

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