Deutsche Sprache, schwere Sprache. Und mit der Aufnahme von neuen Wörter in das bekannteste Nachschlagewerk Deutschlands wird sie nicht einfacher. Oder wissen Sie was „Hygge“ bedeutet? So oder so, über die Neuaufnahme mancher Wörter in den Duden kann sich nur gewundert werden.

Die vergangenen Mittwoch erschienene Neuauflage des Dudens beinhaltet auf 1.264 Seiten insgesamt 5.000 neue Wörter. Viele kommen aus dem Kontext politischer Debatten und sind mittlerweile gebräuchlich geworden. Aus diesem Grund sind „Willkommenskultur“, „Flüchtlingskrise“ und „Lügenpresse“ jetzt im Duden niedergeschrieben. Aber nicht nur zeitgeschichtliche Themen beschäftigen die Duden-Redaktion. Die meisten der neuen Wörter kommen aus dem Technik-Sektor und sind im Bereich technologischer Entwicklungen entstanden. Entsprechend sind sie meist der englischen Sprache entlehnt. „Selfie“ und „Tablet“ sind dabei noch die harmlosesten.

 

“Es ist einfach Fakt, dass viele Dinge in unser Leben treten, die aus dem englisch-amerikanischen Raum kommen, wenn man zum Beispiel an technische Entwicklungen denkt”, sagte Redaktionsleiterin Kathrin Kunkel-Razum der Nachrichtenagentur dpa.

Hier haben wir die zehn kuriosesten Duden-Neuwörter zusammengestellt.

9Fake News

In Zeiten der Informationsflut des Internets können Falschmeldungen schnell die Runde machen. Besonders dramatisch, wird es dann, wenn diese in manipulativer Absicht verbreitet werden. Fake News bezeichnet genau dieses zunehmende Phänomen.

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8Flexitarier

 

Immer mehr Menschen verzichten bei ihrer Ernährung auf Fleisch. Wer jedoch nicht ganz zum Vegetarierer werden will, wird einfach Flexitarier. Dann kann man getrost hochwertig produziertes Fleisch zu sich nehmen – eben nur besonders wenig. Ein Vegertarier auf Teilzeit sozusagen.

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7Honk

Honk ist ein Schimpfwort und wird unter den Jugendlichen verwendet um eine Person als nicht besonders klug darzustellen. Ausgeschrieben soll es wohl in Deutschland “Hauptschüler ohne nennenswerte Kenntnisse” bedeuten. Naja…

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6Ramschniveau

Da sind wir wieder bei den Finanzen. Das Ramschniveau bezeichnet nämlich die geringe Vertrauenswürdigkeit eines Wertpapiers. Auch eine als sehr gering eingestufte Bonität eines Staates oder eines Kreditinstituts kann auf dem genannten Niveau landen.

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5facebooken

 

Der Erfolg des Sozialen Netzwerkes Facebook reist nicht ab. Nur was tut man eigentlich, wenn man die ganzen Posting, Videos und Bilder durchstöbert – genau facebooken.

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4entfreunden

 

Auch auf unserem vierten Platz befindet sich eine Funktion von Facebook. Das Soziale Netzwerk verbindet Freunde miteinander. Doch was, wenn man einen gewonnen Freund nicht mehr mag. Richtig: man entfreundet sich.

3pixelig

 

Neu im Duden: pixelig. Das Wort bezieht sich auf die für die Bildschirmauflösung verantwortlichen Pixel. Sind diese zu wenig, wirkt die Darstellung oft körnig – oder pixelig eben.

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2futschikato

 

Unseren Platz zwei belegt das neue Wort futschikato. Es bezeichnet den Umstand, dass etwas einfach verloren gegangen ist. Futsch und weg!

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1Hygge

Unser Platz eins der kuriosesten neuen Duden-Wörter. Nur was bedeutet es eigentlich? Hygge bezeichnet ein Lebensgefühl der Gemütlichkeit. Studenlang am Tisch verweilen und über die großen Dinge des Lebens nachdenken. Am besten im Kerzenschein mit Freunden. Das ist Hygge.

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Dein Geld kann mehr

Orthographie, wer braucht sie in der heutigen Zeit noch? Soziale Netzwerke und Messenger-Dienste führen zur Entwicklung eines eigenen Sprachstils. Ist der Duden also irrelevant geworden? Sieht nicht so aus: Der “Duden − Die deutsche Rechtschreibung” ist ein zuverlässiger Bestseller. Jede Neuausgabe der vergangenen Jahre stieg direkt auf der Bestsellerliste ein. Und blieb dort oft bis zur nächsten Ausgabe. Die letzte 26. Ausgabe, die 2013 aufgelegt wurde, verkaufte sich nach Angabe der Verlage 850.000 Mal. Mit rund 7,1  Millionen Zugriffen pro Monat (Unique User) ist die Duden-Webseite eine der meistbesuchten in Deutschland. Den Duden gibt es zu einem Verkaufspreis von 26 Euro. Duden-Aktien kann man leider nicht kaufen. Die heutige Firma hinter dem Duden, die Bibliographische Institut GmbH mit Sitz in Berlin-Alt-Treptow, ist über die Jahre geschrumpft. Einzig der Duden – als Markenkern – besitzt noch eine akzeptable Auflage. Der vor einem Jahr eingestellte Geschäftsführer Olaf Carstens soll die Firma wieder zu einem Umsatz im zweistelligen Millionenbereich führen.

Er erklärt gegenüber brandeins: „Der Duden ist nach wie vor eine Instanz, jeder kennt ihn. (…) Wir wollen das Publikum nicht vom Katheder herab belehren, sondern auf Augenhöhe mit ihm kommunizieren.“

So wurden kaum noch verwendete Wörter wie Füsillade aus dem Nachschlagewerk gestrichen, während Vollpfosten und Finanztransaktionssteuer hinzugefügt wurden. Der Duden gibt also keine Normen vor, sondern spiegelt nur die Veränderung der Sprache wider. Das ist auch gut für das Geschäft, weil es immer wieder – abseits von Rechtschreibreformen – neue Auflagen legitimiert.

Titelbild: ©vectorfusionart/Fotolia

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