Business-Ökosysteme werden in der Versicherungsbranche der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Aber was brauchen sie, damit sie bald wirklich funktionieren? Tom van den Brulle, Global Head of Innovation bei Munich Re, sagt, dass die Versicherer vor allem mutiger werden müssen.

Redaktion: Tom, was machst du in deiner Position als Global Head of Innovation bei Munich Re, mit besonderem Bezug auch auf Business-Ökosysteme?
Tom van den Brulle, Global Head of Innovation, Munich Re
Tom van den Brulle, Global Head of Innovation, Munich Re

Tom van den Brulle: Ich kümmere mich um das Innovationsportfolio von Munich Re. In meiner Position entwickle ich auch eigene Plattformen wie Parachute und Realtyix. Aber Munich Re ist derzeit auch dabei, in Langzeitkooperationen mit bedeutenden Partnern zu investieren. Wir sind ein sogenannter Kooperationspartner auf anderen Plattformen. Ein Beispiel wäre da Slice. Da gibt’s Policen speziell für Airbnb-Besitzer. Wir sind Teil vieler Business-Ökosysteme; zum Beispiel von Insurance B3i Plug and Play und vom Barclay Rise Program. Außerdem habe ich das Glück, Vorsitzender des Insurtech Hubs Munich zu sein.

Redaktion: Worum geht’s bei Parachute and Realtyix?

Tom van den Brulle: Parachute umfasst die gesamte Versicherungswertekette. Dank der neuen digitalen Versicherungsagentur Digital Porte Inc. können wir Lebens- und Krankenversicherungen in Kanada an den Mann bringen. Das gilt sowohl für lizensierte als auch für nicht-lizensierte Partner, die Policen verkaufen wollen.

Mit Realytix eröffnen wir neue Möglichkeiten in der Entwicklung von Nicht-Lebensversicherung. Hier ist der Schlüsselbegriff die Vorlaufzeit: Um die Back-End-Integration eines neuen Produkts durchzuführen und auf den Markt zu bringen, benötigen Erstversicherer in der Regel bis zu zwei Jahre. Realytix verkürzt diesen Zeitrahmen auf wenige Wochen.

Redaktion: Asiatische Unternehmen wie Rakuten und Ping An ergreifen alle möglichen neuen Geschäftsmöglichkeiten, weil sie über die Grenzen ihrer ursprünglichen Branche hinausdenken. Sie konzentrieren sich in ihrer Strategie also sehr auf „Ökosysteme“.

Tom van den Brulle: In den letzten fünf bis zehn Jahren haben wir mit der Digitalisierung gelernt, dass wir nicht mehr alles selbst machen können. Ein Ökosystem bringt alle Akteure zusammen, die zur Diskussion und Lösung eines bestimmten Problems beitragen können. Wir müssen uns anders organisieren, um von anderen zu lernen und neue Prozesse zu integrieren. Dies können Unternehmen, aber auch staatliche und akademische Einrichtungen sein. Das Wichtigste ist, dass wir organisatorische Lösungen finden, um alle zusammenzubringen. Das ist die Definition von ‚Ökosystem’.

Redaktion: Also ist es wichtig, über die Branchengrenzen hinauszuschauen, um die wirklichen Anliegen der Kunden zu lösen: nämlich das Problem, das der Notwendigkeit einer Versicherung vorausgeht.

Tom van den Brulle: Ich denke, Kunden suchen nach Preis, Vertrauen und nach Auswahl. Und sie suchen nach immer mehr aggregierten Angeboten von Dienstleistungen. All das muss man also zusammenlegen. Sie können diese Herausforderung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Die Frage ist aber, ob der Versicherungswinkel der relevanteste ist. In einigen Fällen kann es sein. In anderen Fällen kann jedoch ein anderer Winkel relevanter sein.

Wenn beispielsweise ein Kunde einen Flug bucht, möchte er eventuell eine Reiseversicherung abschließen, eine Hotelunterkunft buchen und ein Auto mieten. Die Herausforderung besteht darin, die Versicherung auf diesem Weg durch Technologie, aber auch durch Partnerschaften mit den richtigen Institutionen zu integrieren. Diese Institutionen sollten den richtigen Zugang zu Kunden, aber auch ihr Vertrauen haben. Ich denke, das ist der Schlüssel zum Erfolg.

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