Auch Banken müssen sparen, besonders jetzt. Die niedrigen Zinsen drücken und die jungen Kunden rennen wegen Kontoführungsgebühren und Co. zu den Online-Konkurrenten. Deshalb wird umstrukturiert und wegrationalisiert. Das trifft vor allem die Filialen.

Banken als Mikrokosmos

Die Deutsche Bank hat sich ein neues Filialkonzept überlegt, das mit dem Sparkurs der Konkurrenz nichts gemein hat. In Berlin hat der Konzern das Quartier Zukunft in der Friedrichstraße 181 eröffnet. Mit einem Marktplatz, Gewächshaus, Café und eigenem Urban Garden hat das Unternehmen rund fünf Millionen Euro investiert, um über das übliche Bankengeschäft hinaus schauen zu können. An den verschiedenen Plätzen soll aber nicht einfach entspannt, sondern an neuen Ideen gearbeitet werden. So ist beispielsweise das Gewächshaus für Start-ups und Unternehmer als temporärer Arbeitsplatz reserviert. Inmitten von grünen Gewächsen wird dann über revolutionäre Ideen philosophiert und genüsslich an Mate-Tee und Kaffee genippt.

Klar, das geht nur in Berlin. Gerade diese Hipster-Doppelmoral, nämlich die Welt verbessern wollen aber bitte nur in einem Millionen Euro teuren Mikrokosmos, spaltet die Gemüter. Die Kritiken zum Quartier Zukunft sind gemischt und reichen von Schlagzeilen, wie „Deutsche Bank macht sich lächerlich: Neue Flagship-Filiale im Starbucks-Hipster-Design (finanzmarktwelt.de)“ bis „Schick: Deutsche Bank zielt mit fünf Millionen-Euro-Flagship-Filiale auf digitale Zugangswege und StartUps (it-finanzmagazin.de).“

Videoquelle: ©Deutsche Bank / youtube.de

Filialen: Eine für alle

Die Commerzbank hat im Kontrast zur Deutschen Bank seit dem 5. Dezember in Frankfurt am Main eine „City-Filiale“ im Testlauf. Hier können Kunden unter anderem Konten eröffnen, klassische Serviceleistungen nutzen, also Überweisungen tätigen, aber auch Ratenkredite beantragen. „Investitionen in Filialen sind Investitionen in Wachstum. 50.000 Menschen pro Stunde besuchen unsere Filialen. Diese Zahl zeigt deutlich, dass Kunden auch im digitalen Zeitalter einen persönlichen Ansprechpartner wollen“, erklärt Commerzbank-Privatkundenvorstand Michael Mandel in einer öffentlichen Pressemitteilung.

Soweit, so üblich. Was die City-Filiale nicht anbietet, ist eine anspruchsvolle Finanzberatung, wie Die Welt berichtet. Auch die Themen Vermögensverwaltung und Baufinanzierung sollen nur in größeren Filialen angeboten werden. Entsprechende Berater sind in den neuen Konzeptstellen deshalb nicht vor Ort, stattdessen treffen Kunden auf Mitarbeiter, die bei einfachen Dienstleistungen aushelfen können, erklärt die Frankfurter Neue Presse in einem Bericht.

Die Unternehmensberatung mm1 aus Stuttgart hat im November 2016 eine Studie zum Thema Kundenverlust bei Sparkassen und V+R-Banken veröffentlicht und ähnliche Handlungsempfehlungen ausgesprochen, wie sie die Commerzbank nun beispielsweise umsetzt. „Eine Neuausrichtung des Beratungs- und Vertriebsmodells ist erforderlich, denn der klassische Filialfokus ermöglicht die höhere Kontakthäufigkeit nicht“, heißt es von Seiten der mm1.

Neue Konzepte erfordern neue Zeiten

Anders die Postbank. Sie rüstet seit Mitte Juli auf „Kompakt-Filialen“ um. In diesen Zweigstellen stehen die Selbstbedienungstechnik sowie automatisierte Kassensysteme für den Kunden im Vordergrund. “Während andere Banken ihre Filialen schließen, investiert die Postbank in ihr Filialnetz. Die Wirtschaftlichkeit einzelner Standorte kann durch diese Modernisierung und den Ausbau der Selbstbedienungsgeräte deutlich gesteigert werden und ermöglicht insbesondere in vielen Kleinstädten den Verbleib einer Postbank Filiale vor Ort”, sagt Martin Stang, Regionalbereichsleiter der Postbank Filialvertrieb AG, in einer offiziellen Pressemitteilung. Erste Kompakt-Filialen gibt es derzeit in Diez, Mörfelden-Walldorf und Alsfeld.

Für den Kunden bedeuten die neuen Filialkonzepte vor allem eines: Neue Service-Zeiten. Gerade Volksbanken und Sparkassen in Kleinstädten haben hier bereits umgestellt. Die Volksbank eG Bad Laer-Borgloh-Hilter-Melle in Niedersachsen hat seit dem 4. Oktober 2016 aktualisierte Service-Zeiten. „Wir passen daher unsere Service-Zeiten der reduzierten Kundenfrequenz an und erweitern die persönlichen Beratungszeiten“, erklärt die Filiale auf ihrer Hompage. Von 08:00 bis 18:00 Uhr stehen die Mitarbeiter der Bank flexibel für das genossenschaftliche Beratungsangebot zur Verfügung.

Nun ist es an den Kunden zu entscheiden, ob die neuen Konzepte tatsächlich zeitgemäß und anwenderfreundlich sind. In Zukunft werden die Filialkonzepte der einzelnen Banken weiter ausgebaut und angepasst. Banking 2020 wird digitaler und flexibler.

 

Titelbild: ©Fxquadro/Fotolia

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