Jahrelang hat Maximilian P. Euro für Euro in den Sparstrumpf gesteckt. Geld, das es zum Geburtstag gab, ein paar Euro, die er sich mit Hausarbeit oder Nachbarschaftshilfe dazu verdient hat oder nicht verbrauchtes Taschengeld. Endlich ist das Ziel erreicht. Der Gebrauchtwagen kostet 5.100 Euro und Maximilian P. blättert die Scheine stolz auf den Tisch des bisherigen Besitzers. Geht es nach dem Bundesfinanzministerium, wird das bald nicht mehr möglich sein. Denn dieses befürwortet eine Obergrenze für Bargeldzahlungen ab 5.000 Euro. Ist das der Anfang der bargeldlosen Zeit?

Ohne Bargeld mehr Kontrolle

Offiziell heißt es, dass mit einer Obergrenze für Bargeldzahlungen eine bessere Kontrolle über Schwarz- und Drogengeld und die Geldwäsche ausgeübt werden können. So weit, so gut. Aber denkt man ein wenig weiter, birgt eine Obergrenze mehr Gefahren als Vorteile. Denn 5.000 Euro könnten nur der Anfang sein. Schon jetzt gibt es Überlegungen der Europäischen Zentralbank, 500 Euro Scheine komplett abzuschaffen. In Ländern wie Schweden oder Dänemark steht man kurz davor, dass in Tankstellen, Läden und Restaurants gar kein Bargeld mehr angenommen werden muss. An und für sich eine gute Idee. Denn dann müssten sich die Besitzer keine Sorgen mehr machen, dass Diebe die Tageseinnahmen stehlen oder sich die eigenen Angestellten aus der Kasse bedienen. Andererseits wäre aber auch vonseiten des Staates eine unfehlbare Kontrolle über alle Einnahmen möglich, bis hin zu den Trinkgeldern der Kellner. Auch die Kunden müssen mit mehr Kontrolle rechnen.

Der gläserne Kunde

Wenn alles mit Plastikgeld bezahlt werden würde, gibt der Kunde seine Individualität auf. Automatisch wird festgehalten, wer was, wo und wann kauft. Zudem wäre es möglich, zu jedem Zeitpunkt nachzuprüfen, ob das ausgegebene Geld mit den persönlichen Einnahmen übereinstimmt. Die Bargeldverfechter sehen die Vorteile vor allem im anonymen Bezahlvorgang, und dass das Bargeld den Verkäufer keine zusätzlichen Gebühren kostet. Der Kunde hat mit Bargeld einen besseren Überblick über das, was er ausgibt. Ist das Portemonnaie leer, kann auch nichts mehr gekauft werden. Bei Plastikgeld sieht das anders aus. Hier kann weitergekauft werden, obwohl das Konto leer ist. Die Folgen: hohe Überziehungszinsen, an denen die Banken verdienen. Es scheint, dass Banken und Finanzdienstleister neben dem Staat auch ein großes Interesse daran haben, dass Bargeldzahlungen deutlich eingeschränkt werden.

Bargeld bringt keine Erträge

Für die Finanzindustrie und die Banken ist Bargeld, dass zu Hause unter dem Kopfkissen schlummert, nicht interessant. Denn mit diesem kann weder spekuliert werde, noch bringt es Zinserträge. Die Argumentation geht in Richtung, dass die Weltwirtschaft Konsum benötigt, um gestärkt zu werden. Geld, das im Finanzkreislauf zirkuliert, kurbelt die Wirtschaft an. Sparen und Konsumverzicht sind in den Augen der Banken out. Und Sparern wird es schwer gemacht. Denn gab es in den vergangenen Jahren wenigstens noch minimale Zinsen, wird von der Europäischen Zentralbank der Gedanke der Nullzinsen verfolgt. Würde nun das Bargeld völlig abgeschafft werden, müssten alle Kunden ihr Geld auf Bankkonten einzahlen. Im Gegenzug könnten die Banken Gebühren oder Negativzinsen auf dieses Geld erheben. Und würden sich gleichzeitig nicht mehr darum kümmern müssen, dass eine ausreichend große Bargeldreserve für Krisenzeiten bereit stehen müsste. Ein Run auf die Banken, wie zuletzt in Griechenland geschehen, wäre völlig unmöglich.

“Finger weg von unserem Bargeld”

Die Initiative „Finger weg von unserem Bargeld“ wird von führenden Finanzwissenschaftlern und Ökonomen unterstützt. Zu den Erstunterzeichnern gehört Roland Vaubel, der im Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums sitzt und an der Universität Mannheim unterrichtet. Im Finanzzentrum Deutschlands, in Frankfurt am Main, fand im Mai eine erste Kundgebung statt. Die Nächste ist für den August dieses Jahres geplant. Zur Online-Petition geht es hier entlang. Dass der Staat schon jetzt in den Zahlungsverkehr eingreifen kann, zeigt das Beispiel der internationalen Organisation Wikileaks. Die darf für Zahlungsabwicklungen kein Bargeld nutzen, sondern ist auf PayPal und Plastikgeld angewiesen. Die USA haben die entsprechenden Institutionen „gebeten“, keine Zahlungen und Transaktionen mehr vorzunehmen. Ergo konnte nicht mehr gespendet werden. Der Rat der Experten für alle, die nicht auf Scheine und Münzen verzichten möchten, ist, wieder öfter an den Geldautomaten zu gehen und mit Bargeld zu zahlen.

Titelbild: © nuvolanevicata

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