Die wirtschaftliche Digitalisierung in Deutschland nimmt langsam Fahrt auf. Das wird aus dem aktuellen “Wirtschaftsindex DIGITAL”  ersichtlich. Derzeit erreicht Deutschlands Digitalisierungsgrad 55 von 100 Indexpunkten und belegt damit im internationalen Vergleich wie im Vorjahr den 6.Platz. Spitzenreiter sind die USA (76 Punkte), Südkorea (70), Großbritannien (65), Finnland (62)  und Japan (58). China zählt zu den großen Verlieren und wurde vom vierten auf den achten Platz verbannt.

Zwar liegt Deutschland damit bisher “nur” im Mittelfeld, aber im Vergleich zu 2015 hat sich Deutschlands wirtschaftlicher Digitalisierungsgrad um sechs Punkte verbessert. Laut der Prognose durch die befragten Unternehmen könnte Deutschland in fünf Jahren einen Indexwert von 58 Punkten haben.

Der wirtschaftliche Digitalisierungsgrad in Deutschland der insgesamt elf untersuchten Branchen fällt sehr unterschiedlich aus:

Spitzenreiter (über 70 Indexpunkte)

  • Informations- und Telekommunikationstechnik (75 Punkte)
  • wissensintensive Dienstleister (70 Punkte)

Mittelfeld (40 bis 69 Indexpunkte)

  • Finanz- und Versicherungswirtschaft (61 Punkte)
  • Handel (55 Punkte)
  • Energie- und Wasserversorgung (48 Punkte)
  • Maschinenbau (46 Punkte)
  • chemisch-pharmazeutische Industrie (45 Punkte)
  • Verkehrs- und Logistikbranche (43 Punkte)
  • Fahrzeugbau (40 Punkte)

Schlusslichter (unter 40 Indexpunkte)

  • Gesundheitsgewerbe (38 Punkte)
  • sonstiges verarbeitendes Gewerbe (35 Punkte)

Was der Digitalisierung im Weg steht

40 Prozent der Befragten machen den Mangel an Breitbandverbindungen in Unternehmen sowie den Fachkräftemangel für die fehlenden Indexpunkte der wirtschaftlichen Technisierung verantwortlich. 38 Prozent sehen den hohen Investitionsbedarf als zweitgrößte Hürde. 85 Prozent der gewerblichen Wirtschaft halten den technischen Fortschritt für bedeutsam. 32 Prozent empfinden allerdings den hohen Zeitaufwand als weiteres Hindernis. Hinzu kommen  die mit dem Datenschutz einhergehen (25 Prozent) sowie verlässliche Standards (28 Prozent). 25 Prozent der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft halten die Digitalisierung als nicht notwendig.

Laut Dr. Sabine Graumann von TNS Infratest reiche nicht nur der Ausbau von Breitbandverbindungen und Lösungen für den Investitionsbedarf aus, um die Technisierung weiter voranzutreiben. Auch die bestehenden Hemmnisse bezüglich des Datenschutzes und ähnliche Bedenken müssen beseitigt werden, um die Rahmenbedingungen zu optimieren. Außerdem hätten vor allem mittelständische Unternehmen einen großen Nachholbedarf auf dem Gebiet. Laut Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, könne der Standort Deutschtland nur zukunftsfähig und erfolgreich bleiben, wenn vor allem mittelständische Unternehmen die Digitalisierung nutzen und sich den Herausforderungen stellen würden.

Der Wirtschaftsindex DIGITAL wird einmal jährlich durch TNS Infratest und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Auftrag gegeben.

Titelbild: ©  fotolia/golubovy

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