Firmen stehen und fallen mit ihren Topmanagern. Versagen Aufsichtsrat und Vorstand, kann ein ganzes Unternehmen den Bach runter gehen. Börseneinbrüche, Massenentlassungen oder Schadensersatzforderungen sind nur eine Auswahl der möglichen Konsequenzen, die längst nicht nur den Konzern selbst betreffen.

Aber keine Sorge, dieser Artikel hüpft nicht auf das schmale Trittbrett der bedingungslosen VW-Ausschlachtung (so, wie gewisse andere Medien, die das Springen schon im Namen tragen) – wenngleich der deutsche Megakonzern ein illustratives Beispiel für die Tragweite von Fehlentscheidungen hergibt. Vielmehr stellt sich die Frage, gibt es eine Absicherung? Die gibt es und das Konzept ist so spannend wie unbekannt.

Von Tragweiten und Fehlentscheidungen

D&O, also „Directors and Officers“, lautet der Name dieses Versicherungsmodells, bei dem Unternehmen vor den Irrtümern und Fehleinschätzungen ihrer Führungsriege abgesichert werden sollen. Das heißt konkret, alle diejenigen Beschäftigten eines Unternehmens, die den leitenden Organen wie Geschäftsführung, Vorstand oder Aufsichtsrat angehören und darüber hinaus leitende Angestellte wie Prokuristen. Leistet einer dieser Herren oder Damen sich einen herben Fauxpas, der das Unternehmen in Schwierigkeiten bringt, greift die D&O Haftpflicht. Dabei geht es jedoch nicht wie bei Error und Omission Versicherungen darum, Schäden abzuweisen, die durch Mitarbeiter an Dritten hervorgerufen wurden, sondern darum, dem eigenen Vorstand und Aufsichtsrat pflichtgemäße Arbeit nachzuweisen und die Verursacher der Krise ausfindig zu machen.

Im Notfall D&O?

Das Unternehmen muss nun nachweisen, dass die entsprechende Person vorsätzlich beziehungsweise infolge einer Pflichtsverletzung gehandelt hat. Und da wird es interessant, denn plötzlich hat unabhängig von Justiz und Konzern auch die Versicherung ein genuines Interesse daran, den Schadensfall detailgetreu aufzuarbeiten. Eine D&O kann also im Notfall eine Firma vor ihrem unverschuldeten Aus bewahren. Aber: die Schadensregulierungen sind im Vorhinein auf einen bestimmten Betrag limitiert und es gilt zu bedenken, dass Schadensersatzforderungen undenkbar teuer werden können. Außerdem summieren sich zu den Kosten in der Regel immense Bußgelder. Hinzu kommt, dass die Aufarbeitung von Schadensfällen enormen Ausmaßes Jahre in Anspruch nehmen kann und mit ihnen die Zahlung erster Ersatzleistungen.

Dein Geld kann mehr

Für Unternehmen kann eine D&O trotz der Abschläge ein notwendiger Rettungsanker sein. Wenn mit Milliardenbeträgen jongliert wird, vergessen Viele gerne, dass auch die Millionenbeträge noch immer enorm viel Geld sind, die über Existenzen und Arbeitsplätze entscheiden. Bei aller Hin- und Herrechnerei kann jedoch keine Assekuranz der Welt den Imageschaden wettmachen, den ein Konzern durch einen solchen Vorfall erleidet. Und völlig ungestraft kommen auch die Führungskräfte selbst nicht davon. Bis zu zehn Prozent müssen diese laut Aktiengesetz aus eigener Tasche zahlen, vorausgesetzt, sie haben nachweislich unternehmensschädlich gehandelt. Die Obergrenze liegt immerhin beim Anderthalbfachen des jährlichen Verdienstes. Ein Ansporn mehr für die Versicherer, den Fall lupenrein aufzuarbeiten.

Titelbild: © Rawpixel.com


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