“Nichts dazu gelernt“ – so lautet das vernichtende Urteil eines bekannten F.A.Z.-Redakteurs über die größte Versicherungsmesse Deutschlands DKM. Trotz aller negativer Schlagzeilen der Vergangenheit sei die Branche optisch „in die Jahre vor dem Budapest-Skandal“ zurückgekehrt. Wir erinnern uns: ERGO Vertreter, Prostituierte, Bändchen. Frauen nahm Krohn auf der DKM 2019 nur in der Rolle als Hostessen „in engen gelben Kleidern“ wahr. Doch nicht genug. Auch das Vorstandspanel war ausschließlich bestückt mit „mittelalten Herren“. Diversität Fehlanzeige. Und dann sei da immer noch das Problem der Incentivierung, das die Branche trotz neuer Regulierung noch immer nicht im Griff habe.

Wirklich nichts gelernt?

Volle Breitseite für eine Branche, die sich im Wandel wähnt. Wir haben diesen Bericht als Impuls genutzt, um mit Vermittlern, Branchen-Kennern und Gesellschafts-Vertretern in mehreren Facebook-Gruppen zu diskutieren, wie sie die DKM erlebt haben. Spannend dabei: Die Meinungen bilden ein breites Spektrum von Zustimmung bis zu vollkommenem Unverständnis ab.

Wir haben einige der Stimmen für Euch eingefangen:

Versicherungsmaklerin Simone Janßen, UVeKon GmbH, fand deutliche Worte für den F.A.Z.-Beitrag: „Makler und Maklerinnen mit den Vertretern der ERGO vergleichen und sich auf die jungen Frauen im Sportdress einschießen“ sei nichts, was sie von einer seriösen Zeitung erwarte. Dass der Artikel nur die Damen in knappen Kleidern thematisiere, sei „beschämend“ für sie als Frau und Versicherungsmaklerin, die seit 25 Jahren mit dabei sei, so Janßen.

Auch Martin Gräfer, Vorstandsmitglied die Bayerische, zeigte sich sehr erstaunt über die Kritik und fragte: „War Herr Krohn bei einer anderen DKM? Gab es so etwas wie eine Parallelmesse?“ Er habe wohl nicht „genau hingesehen, zugehört oder vielleicht diesmal einfach ein wenig selektiv wahrgenommen“, was auf der DKM vor sich ging. Stattdessen betonte Gräfer: „Ich habe interessante Veranstaltungen wahrgenommen, spannende Workshops, sehr viele sehr gute Gespräche mit Menschen geführt, die sich der Verantwortung ihrer Aufgabe sehr wohl bewusst waren. Und dennoch oder nein, gerade deswegen hat es Spaß gemacht.“

Oliver Pradetto, Geschäftsführer des Pools blau.direkt, für gewöhnlich nie um kritische Bemerkungen verlegen, brach eine Lanze für die DKM: „Die Qualität der Messe hat meines Erachtens über die Jahre erheblich zugenommen,“ erklärte er.

Patrick Konarski, Vertriebs- und Produktentwicklung bei b2bProtect, erklärte hingegen, man habe „definitiv an manchen Stellen komprimiert den Eindruck, dass die Zeit tatsächlich stehen geblieben ist. Das Motto “das ham wa schon immer so gemacht” ließ sich zu häufig wiederfinden. Und das ließ es hier und da doch schon fast klischeehaft anmuten.“

René Jansen, Chief Insurance Officer der freeyou AG (DEVK Konzern), übte unabhängig von der negativen Berichterstattung Kritik am Vortragsprogramm der DKM: „Man könnte schon meinen, dass es keine Frauen mit interessanten Inhalten und Verantwortung in der Führung gibt. Es passt nicht in die Zeit, dies nicht bei der Planung zu berücksichtigen. Dass es geht, zeigt der Jungmakler Award.“

Aufs Wesentliche konzentrieren

Einig waren sich allerdings alle über eine Sache: Die DKM ist insbesondere für das Netzwerken relevant. Das ganze Drumherum sei da vielfach nebensächlich. Exemplarisch erklärte Tobias Bierl, einer der beiden Geschäftsführer der Finanzberatung Bierl, „der große Mehrwert sind die Menschen, die man dort trifft. (…) Vom Maklerkollegen, Maklerbetreuer, Poolmitarbeiter, Pressevertreter und viele weitere – das war sehr angenehm und ließ die Zeit wie im Fluge vergehen.“ Trotzdem, und auch das zeigten viele Kommentare, hat die Branche noch einige Handlungsfelder. Eines der wichtigsten für die DKM ist sicherlich das Programm, wobei hierfür auch die Ausrichter der Kongresse und nicht der Veranstalter bbg verantwortlich ist. Das möchte ich an dieser Stelle hervorheben.

Was nachdenklich stimmt …

Ein wichtiger Einwurf kam von Andreas Sutter, Geschäftsführer der Basucon GmbH: „Die F.A.Z. ist die einzige Zeitung, die über die Messe berichtet. Und das F.A.Z.-Geschreibsel bleibt dann eben in der Außenwirkung hängen.“

Und tatsächlich findet sich in keinem anderen großen, überregionalen Medium ein Hinweis auf diesen Event. Wenn dieser Beitrag also alles ist, was von der DKM an die breite Öffentlichkeit dringt, dann ist es kaum verwunderlich, dass der „Versicherungsvertreter“ in diesem Jahr seinen geringen Beliebtheitswert im DBB-Ranking noch unterbot. Das ist aus mehreren Gründen bedauerlich: Zum einen hat sich viel getan. Die Branche und auch die DKM als ihr Spiegelbild, erlebt eine neue Seriosität. Sie erneuert sich und unternimmt ernsthafte Anstrengungen Probleme der Vergangenheit zu lösen. Das gelingt bei weitem nicht immer. Aber die Kollegen der F.A.Z. täten gut daran, die Branche in ihrer Gesamtheit zu betrachten.

Und was denkt Ihr?

Alle Kommentare findet Ihr in den Facebook-Gruppen „Der Versicherungsmakler“, „Versicherungsmaklerforum Deutschland“ und „Versicherungsvermittler Deutschland“. Hier die Links:

DVM: https://www.facebook.com/groups/der.versicherungsmakler/permalink/2708020519233051/

VVD: https://www.facebook.com/groups/VVDeutschland/permalink/2492186684221641/

VMFD: https://www.facebook.com/groups/VMFDeutschland/permalink/1246936632174647/

Titelbild: ©DKM

1 KOMMENTAR

  1. Danke dir für diesen wertvollen Beitrag zur Meinungsbildung, lieber Konstantin.
    Ich wiederhole mein Statement zum FAZ-Kommentar aus der FB-Diskussion gerne: Er ist eindimensional. Und damit unreflektiert.

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