Gestern ging die Schreckensnachricht durch die sozialen Medien: Erika und Max, die Mustermanns, lassen sich scheiden. Den Druckereien, die Musterformulare herstellen, wird es in naher Zukunft wirtschaftlich gut gehen. Aber was ist mit den Mustermanns selber? Ihren Finanzen und ihren Versicherungen?

Denn nicht jeder hat es so gut wie Janet Jackson, der bei einer Scheidung 200 oder auch 470 Millionen Dollar zustehen – je nachdem, welchem Boulevardblatt man Glauben schenkt. Und nur für wenige ist eine Scheidung ein Grund zum Feiern. Scheidungen sind teuer und ein ungeheurer Verwaltungsaufwand.

Unglücklich und pleite oder nur unglücklich?

Es ist ja alles schon furchtbar genug: die Streitigkeiten, die Tränen, die schlaflosen Nächte, der Kater nach einer Nacht, in der man einfach mal alles vergessen wollte, Der Schmerz, die Trauer, die Sorge um die Kinder. Jetzt an Geld oder Versicherungen zu denken ist verdammt schwer. Und doch mit das Wichtigste. Emotionale Schmerzen allein kann ich überleben, ein finanzielles Desaster zeitgleich wesentlich schlechter.

 

Altersvorsorge: Halbe-Halbe für Erika und Max
Erika und Max haben keinen Ehevertrag. Sie haben von Rechts wegen als Zugewinngemeinschaft gelebt, wie die meisten Menschen in Deutschland. Daher wird jetzt im Familiengericht der so genannte Versorgungsausgleich durchgeführt. Dabei halbieren sich die Ansprüche aus gesetzlicher Rente, Beamtenpension, Riester-Rente, Rürup-Rente, Versorgungswerk, betrieblicher Altersversorgung und privaten Versicherungsverträgen. Das gilt auch für die so genannte Mütterrente.

Das Familiengericht legt im Scheidungsverfahren die genaue Aufteilung fest. Hier kann auch gegenseitig auf den Ausgleich verzichtet werden. Informationen dazu gibt es in der Broschüre „Geschiedene: Ausgleich bei der Rente“ der Deutschen Rentenversicherung.

Lebensversicherung: Wer erbt’s?
Bei der Altersvorsorge mit Lebensversicherungen – reine Risikolebensversicherungen, Kapitallebensversicherungen oder Rentenversicherungen – ist üblicherweise der Ehepartner als Begünstigter angegeben. Will ich das bei einer Scheidung noch? Sind Kinder betroffen? Bei Max und Erika sind es ja genau 1,56, das Alter ist unbekannt. Falls die beiden „über Kreuz“ versichert sind, also jeweils der eine für den Tod des anderen, bleibt dies als Versorgung für gemeinsame Kinder vielleicht trotz Trennung oder Scheidung sinnvoll.
KfZ-Versicherung: Auf einmal blutiger Anfänger
Das Auto war natürlich über Max versichert. Und jetzt erlebt Erika ihr blaues Wunder! Denn mit Scheidung und Abschluss eines eigenen Versicherungsvertrages wird sie in die für Fahranfänger geltende ungünstigste Schadenfreiheits-Klasse eingestuft. Und das ist bekanntlich verdammt teuer! Da nützt es ihr auch nichts, dass sie seit ihrem 18. Lebensjahr ADAC-Mitglied war. Das gilt eben nicht als Nachweis für Fahrpraxis.
Hausratversicherung: Zieht mit um
Die Hausratversicherung gehört dem Versicherungsnehmer. Das ist Max. Wenn er auszieht oder in der bisherigen Wohnung bliebt – Erika muss sich neu versichern.
Haftpflichtversicherung: Problemfall neuer Partner
Voraussetzung für eine gemeinsame Versicherung ist der gemeinsame Hausstand. Da die Haftpflichtversicherung von Erika abgeschlossen und bei der Heirat Max miteingeschlossen wurde, muss er sich nach der Scheidung einen eigenen Vertrag organisieren. Die gemeinsamen Kinder sind weiterhin bei Erika mitversichert.

Achtung: Meldet Erika Mustermann noch vor der Scheidung ihren John Doe als Lebensgefährten bei der Versicherung, steht Max ohne Versicherungsschutz da – auch ohne dass er davon weiß.

Krankenversicherung: Ende der Familienversicherung
Mit einem Durchschnittseinkommen von 41.000 Euro jährlich ist Max gesetzlich krankenversichert. Über das Einkommen von Erika sowie ihre Berufstätigkeit ist nichts bekannt. Klar ist, dass der Statuts „Familienversicherung“ für Erika jetzt wegfällt. Sie muss sich um eine eigene Versicherung kümmern.

Eine private Krankenversicherung läuft bei Trennung oder Scheidung in den meisten Fällen unverändert weiter. Nur wenn über den Ehepartner Sonderkonditionen genutzt wurden (zum Beispiel ein Ärztetarif., ist eine Änderung nötig. Sind beide Partner privat versichert und ist einer von ihnen unterhaltsberechtigt, gelten die Beiträge für die Krankenversicherung als Sonderausgaben. Sie sind eventuell zusätzlich zum Unterhalt zu zahlen.

Kinder ohne eigenes Einkommen werden nach der Scheidung so versichert (gesetzlich oder privat) wie die Kinder von unverheirateten Eltern. Sind die Eltern unterschiedlich versichert (einer gesetzlich, einer privat), dann kann das Kind unabhängig von seinem Wohnort privat oder gesetzlich (mit-) versichert werden.

Achtung: Das Thema Krankenversicherung kann kompliziert sein. Hier sollte auf alle Fälle fachkundige Beratung eingeholt werden.

Rechtsschutzversicherung: Gilt nicht für Scheidung und Unterhalt
Eine gemeinsame Rechtsschutzversicherung gilt bis zur Ehescheidung. Danach sind nur noch der Versicherungsnehmer und seine Kinder über die Rechtsschutzversicherung versichert. Besonders hierbei ist, dass die Rechtsschutzversicherung zwar häufig eine Erstberatung im Scheidungsfall anbietet, für den Rest der Scheidungs- und Unterhaltsstreitigkeiten aber nichts. Nur ein einziger Versicherer bietet im Moment einen Ehe-Rechtsschutz an: die ARAG. Als Zusatzbaustein zur normalen privaten Rechtsschutzversicherung und mit drei Jahren Wartezeit. Nur abschließbar für Verheiratete, übrigens.
Wohngebäudeversicherung: Alles beim alten
Bei der Wohngebäudeversicherung ist der im Grundbuch eingetragene Eigentümer der Immobilie nach dem Gesetz Versicherungsnehmer. Sind und bleiben Erika und Max Miteigentümer, dann bleibt die Versicherung auch nach der Scheidung unverändert. Bei einer Übertragung der Immobilie auf einen neuen Eigentümer oder auf einen der geschiedenen Ehegatten allein, geht die Gebäudeversicherung auf den neuen Eigentümer über. Dieser kann die Versicherung dann innerhalb eines Monats nach Erwerb der Immobilie kündigen und eine neue abschließen.
Unfallversicherung
Bei der Unfallversicherung hat eine Scheidung zunächst keine besonderen Auswirkungen. Ist nur ein Ehegatte Versicherungsnehmer und der andere Ehepartner die versicherte Person oder sind beide Ehegatten gemeinsam versichert, dann sollte die Scheidung der Versicherung mitgeteilt und die Versicherungsverträge entsprechend geändert werden.

Wir wissen nicht, was aus Max und Erika sowie den namenlosen 1,56 Mustermann-Kindern wird. Hoffen wir, dass der Rosenkrieg trotz neuem Partner nicht zu heftig ausfällt. Und dass die Mustermann-Kinder nicht mehr allzu jung sind. Nach 14,9 Ehejahren nicht sehr wahrscheinlich. So werden Max und Erika beide Vollzeit arbeiten und auch ihre jeweils eigenen Versicherungen zahlen können.

 

Titelbild: © Bundesrepublik Deutschland, Bundesministerium des Innern, Beitragsbild: ©  Rich Esteban

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