Gesundheit ist die erste Pflicht im Leben.

Oscar Wilde
(1854 – 1900), eigentlich Oscar Fingal O’Flahertie Wills, irischer Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor

Quelle: Wilde, Ernst sein ist alles oder Bunbury (The Importance of Being Earnest), 1895

 

Eigentlich dürfte es sie heute gar nicht mehr geben: Menschen ohne Versicherungsschutz im Krankheitsfall. Seit acht Jahren gilt in Deutschland die allgemeine Krankenversicherungspflicht. Gesetzliche Krankenversicherungen sind bereits seit zehn Jahren dazu verpflichtet, eine Versicherung für diejenigen anzubieten, die keinen anderweitigen Anspruch im Krankheitsfall haben. Doch wie steht es um diese Pflicht zehn Jahre später?

Zu den etwa 80.000 Bundesbürgern (Stand: 2015), die laut Statistischem Bundesamt nicht versichert sind, kommt eine Dunkelziffer, die Experten zufolge mindestens viermal so hoch ist. Viele Tausende nicht-versicherte EU-Bürger und bis zu einer halben Million Menschen, die in der Illegalität leben. Gründe sind ebenso vielfältig wie die betreffenden Menschen selbst. Keineswegs handelt es sich nur um Randgruppen wie beispielsweise Obdachlose: Junge Menschen fallen aus der Familienversicherung, da sie die Altersgrenze von 25 Jahren erreichen oder ihre Ausbildung beenden. Freiberufler sparen bewusst an den Kosten für die Versicherung oder können sich die Beiträge gar nicht erst leisten.

Notfallversorgung durch Ehrenamt

Aus Angst vor den Kosten meiden viele Unversicherte den Arztbesuch. Was daraus resultiert sind häufig schwere, multiple Krankheitsbilder. Kaputte Zähne, Infektionskrankheiten oder offene Wunden sind nur einige der Folgen, die Ärzte feststellen müssen. Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland medizinische Organisationen, die sich dieser Patienten annehmen: Anonym, unbürokratisch und vor allem kostenlos. Die Malteser Migranten Medizin übernimmt Erstuntersuchungen und Notfallversorgung bei plötzlicher Erkrankung, Verletzung oder Schwangerschaft. In 17 deutschen Städten bietet sie ihre Hilfe an und mehr als 115.000 Menschen nutzen das Angebot bereits. Tendenz steigend. 1.400 Kindern kamen mithilfe der Ärzte der Malteser Migranten Medizin auf die Welt, weil die Eltern sich die Krankenhauskosten ohne Versicherung nicht leisten können. Finanziert werden die Medikamente rein durch Spenden. Ärzte arbeiten dort ehrenamtlich.

Laut Statistik sind es auch immer mehr Erwerbstätige, die sich keine Krankenversicherung leisten können.
© Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2016

In ganz Deutschland sind solche Notfallpraxen überlaufen. Patienten spiegeln den Querschnitt der deutschen Bevölkerung wider: Von Obdachlosen und Geringverdienern über illegal in Deutschland lebenden Zuwanderern bis hin zu selbstständigen Unternehmern, die eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben, als ihre Geschäfte gut liefen, sich jetzt jedoch die hohen Beiträge nicht mehr leisten können.

Fehlende Beitragszahlungen, Säumniszuschläge, Schulden

Der Weg zurück zur Krankenversicherung: Für viele ein Teufelskreis. Oft liegt der Grund für den fehlenden Versicherungsschutz darin, dass Mitglieder sich die Beiträge nicht mehr leisten können. Durch die Rückstände der Beitragszahlungen ruht die Versicherung solange, bis sie diese Beitragsschulden rückwirkend begleichen können. Die Schulden könnten mittlerweile seit zehn Jahre angehäuft sein. Je länger der Versicherungsschutz ausgesetzt wird, desto höher sind die ausstehenden Zahlungen. Zu den ausstehenden Beiträgen kommen Säumniszuschläge. Auch die Kassen sitzen auf einem Berg unbezahlter Beiträge: 2016 lagen die Schulden bereits bei 4,48 Milliarden Euro.

Raus aus der Gesundheitsfalle

Eine mögliche Erleichterung für die Rückkehr in den Versicherungsschutz gibt es seit 2014. Wie der Spitzenverband der Krankenkassen mitteilt, können seitdem sowohl die Beiträge als auch die Säumniszuschläge gemindert werden. Außerdem sind Ratenzahlungen möglich. Generell sieht das Gesetz vor, dass jeder zu der Versicherung zurückkehren muss, in der er zuletzt versichert war. Menschen, die bisher noch nie versichert waren, sollten sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse beraten lassen, ob eine Versicherung in einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse abzuschließen ist. Je länger die Rückkehr aufgeschoben wird, desto teurer wird es. Wer sich beraten lässt, kann einen persönlichen Plan gemeinsam mit der Kasse entwickeln.
Eine erste unabhängige Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Krankenversicherung hat das Bundesministerium für Gesundheit mit einem Bürgertelefon eingerichtet. Betroffene erhalten dort auch weitere Adressen und Ansprechpartner. Eine weitere Anlaufstelle ist jedoch immer auch die Krankenversicherung, bei der man zuletzt Mitglied war. Nur dort kann im persönlichen Beratungsgespräch ein neuer, passender Tarif gefunden werden und über mögliche Ratenzahlungen bei der Beitrags-Rückzahlung verhandelt werden.

Bürgertelefon zur Krankenversicherung: 030 / 340 60 66 01
(Montag bis Donnerstag: 8 bis 18 Uhr, Freitag: 8 bis 12 Uhr)

Titelbild: © kerdkanno/Fotolia

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