200 Jahre. Zum runden Jubiläum erlebt das Fahrrad derzeit einen „richtigen Boom in Deutschland“, so Verkehrs-Staatssekretär Norbert Barthle. Auch in China ist man wieder aufs Rad gekommen. Wie die Süddeutsche Zeitung gerade berichtete, hat sich die Zahl der Leihfahrräder dort in den letzten Wochen verzwölffacht. Auf riesigen Rent-a-bike-Parkplätzen stellen Anbieter ihre Drahtesel zur Verfügung. Einfach und schnell per App gemietet, zum Spottpreis.

200 Jahre Fahrrad
Die sogenannte Draisine, ein Laufrad, gilt als Urform des heutigen Fahrrads. Erfunden wurde es 1817 von Karl Drais.

Gerade gab die Bundesregierung bekannt, dass aufgrund der steigenden Zahlen der Berufspendler jetzt Gelder für besondere Radschnellwege freigegeben werden: Fahrradautobahnen. Ohne Ampeln und Kreuzungsverkehr, um schnell das Ziel zu erreichen. „Um den Fahrradverkehr weiter zu fördern, hat der Bund seine Mittel für Radwege von 60 auf 100 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt“, berichtete Barthle der Rheinischen Post. „Die Leute entdecken das Fahrrad als echte Alternative zum Auto im Stau oder zum überfüllten Bahn-Regionalverkehr. E-Bikes und Pedelecs erleben einen Verkaufsrekord.“ Auch immer mehr Arbeitgeber setzten auf das Dienstrad als Alternative zum Firmenwagen. Dieses kann der Arbeitnehmer auch in seiner Freizeit nutzen, baut er jedoch dabei einen Unfall, zahlt er mit seiner eigenen Unfallversicherung. Stürzt er beispielsweise auf dem direkten Arbeitsweg, springt der Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaft ein.

Zum Start in die neue Fahrrad-Saison gibt es jedoch seit Anfang des Jahres ein paar Änderungen in der Straßenverkehrsordnung. Was ist neu in diesem Jahr?

Welche Ampel gilt fürs Fahrrad?

Die verwirrende Ampelregelung ist jetzt endlich klarer. Bisher waren es die Fußgängerampeln, an denen sich Biker orientierten mussten. Es sei denn, sie hatten eine eigene Fahrrad-Ampel. Jetzt werden die mobilen Straßenverkehrsteilnehmer sich eine Ampel teilen. Wo keine eigene Fahrradampel vorhanden ist, müssen die Verkehrsampeln für den Fahrverkehr beachtet werden. Wer trotzdem bei grüner Fußgängerampel die Straße überquert, muss mit einem Bußgeld von 60 bis 100 Euro rechnen.

Wichtig ist diese Änderung aber auch für Autofahrer. Konnten sie bislang beim Rechtsabbiegen darauf vertrauen, dass Fahrradfahrer genauso wie Fußgänger an der roten Ampel warten mussten, hat nun der Biker, der geradeaus fahren will, Vorfahrt.

Eltern auf der Straße. Kinder auf dem Gehweg?

Eine Regelung, die bei vielen Eltern auf Unverständnis stieß. Während Kinder unter acht Jahren auf dem Gehweg fahren müssen, waren sie bisher verpflichtet die Straße zu nutzen. Überblick, wo das Kind gerade fährt oder stehen bleibt? Fehlanzeige! Haben sie dennoch den Gehweg befahren, war ein Bußgeld zwischen 15 und 30 Euro fällig. Seit Anfang des Jahres wurde diese realitätsferne Regel nun gekippt. Eltern dürfen seitdem legal den Gehweg befahren, wenn sie mit ihren Kindern unterwegs sind. Ebenso dürfen auch Kinder unter acht Jahren ab diesem Jahr auf dem Fahrradweg fahren. Solange dieser baulich (beispielsweise durch einen Grünstreifen) von der Fahrbahn getrennt ist.

Zuwachs für den Schilderwald

Pedelecs, also Elektrofahrräder, bei denen der Fahrer von einem Elektroantrieb unterstützt wird, wenn er selbst in die Pedale tritt, dürfen schon länger auf Radwegen fahren. In diesem Jahr erhielten auch E-Scooter und E-Mofas, die ohne Zutun des Fahrers bis zu 25 Kilometer in der Stunde fahren können, die Erlaubnis, Radwege zu nutzen. Jedoch nicht immer. Für diese Regelung wird der deutsche Verkehrs-Schilderwald um ein neues ergänzt: das Sonderzeichen „E-Bikes frei“ kennzeichnet die betroffenen Radwege.

Dein Geld kann mehr

Mit den steigenden Temperaturen und diesem Wissen gibt es keine Ausreden mehr: Ab aufs Rad! Doch vor der ersten Tour sollten Bremsen, Licht und Klingel getestet werden. Denn auch hier lauern mögliche Strafen. Wer ohne ausreichender Beleuchtung fährt, dem drohen 20 Euro Strafe. Nach dem Frühjahrs-Check kann es dann wirklich losgehen. Bei der Heimfahrt kurz telefonieren? 25 Euro ärmer ist, wer von der Polizei dabei erwischt wird. Auch Geisterfahrer sind nicht nur auf Autobahnen eine große Gefahr. Wer den Radweg in der entgegengesetzten Richtung befährt, blecht zwischen 20 und 35 Euro. Einzige Ausnahme: ein Verkehrsschild erlaubt die Nutzung. Verhältnismäßig günstig ist das freihändige Fahren mit fünf Euro Strafe. Die Gefahr ist trotzdem nicht zu unterschätzen. Im Notfall kann so vielleicht nicht rechtzeitig gebremst werden. Musik hören mit Kopfhörern ist auf dem Fahrrad übrigens nicht grundsätzlich verboten. Entscheidend ist die Lautstärke, denn gemäß der Straßenverkehrsordnung sind Fahrzeugführer dafür verantwortlich, dass ihr Gehör nicht durch Geräte beeinträchtigt wird.

Titelbild: © nenetus, Beitragsbild: © Wilhelm Siegrist (1797-1843?) – Drais’ 3-page printed description of 1817 (in public libraries), Gemeinfrei

Ihre Meinung zu diesem Beitrag?

Please enter your comment!
Please enter your name here