Wer sich die Börse noch als Parkett voller Menschen vorstellt, die „Kaufen!“ und „Verkaufen!“ schreien, hat wohl ein Bild aus dem vergangenen Jahrhundert im Kopf. Inzwischen haben längst Computer die Kontrolle über die meisten Transaktionen übernommen. Die zockenden Maschinen, die mitunter in Millisekunden kaufen und verkaufen, haben inzwischen einen großen Einfluss auf die Börse. Ob dieser sogenannte Hochfrequenzhandel gut oder schlecht für den Markt ist, bleibt umstritten.

Hochfrequenzhandel – was ist das?

Die meisten Käufe und Verkäufe an der Börse werden heute nicht mehr von Menschen, sondern von Algorithmen bestimmt. Computer bekommen Befehle wie: Wenn der Kurs dieser Aktie unter diesen und jenen Betrag fällt, dann verkaufen. Durch die große Menge und die Verknüpfung solcher Befehle entstehen komplexe Programme, die für Menschen unüberschaubar viele Variablen miteinbeziehen und automatisiert mit Aktien handeln.

Kaufen und Verkaufen in Millisekunden

Der Begriff Hochfrequenzhandel trifft jedoch nicht auf all diese Computer zu. Es geht dabei nur um die Maschinen-Händler, die in Millisekunden mit Wertpapieren handeln. In einem Wimpernschlag wird gekauft und verkauft, und das für Millionen. Die Strategie der Hochfrequenzhändler besteht darin, viel und schnell zu handeln. Kleine Gewinne addieren sich dadurch zu hohen Beträgen. Damit diese Strategie aufgeht, müssen sie schneller sein als die anderen. Das können die Händler nur, wenn einen teuren Standort möglichst nah an der Börse haben, den jeder Meter Kabel bedeutet Zeitverlust bei der Datenübertragung.

Mehr Liquidität durch Hochfrequenzhandel

Die wenigen Hochfrequenzhändler zeichnen sich, je nach Statistik, für 40 bis 60 Prozent aller Börsengeschäfte verantwortlich. Aus Sicht vieler Ökonomen hat das Vorteile für den Markt: Preisfindung und Preisstabilität sollen gefördert werden, Preisdifferenzen schneller ausgeglichen. Als besonders positiver Effekt gilt die größere Liquidität auf dem Markt durch die vielen Transaktionen der Hochfrequenzhändler. Liquidität bedeutet, dass sich für jedes Angebot ein Abnehmer findet, bzw. für jede Nachfrage ein Angebot. Dadurch können Anleger immer zu marktgerechten Preisen handeln.

Flash Boys, die den Markt manipulieren

Auf der anderen Seite hat der Hochfrequenzhandel viele Kritiker, auch unter Fachleuten. Bekannt wurde diese Kritik mit einem Buch von Michael Lewis, der die Händler „Flash Boys“ nannte und ihnen vorwarf, kleine Anleger zu manipulieren und abzuzocken. Tatsächlich können die Computer-Händler durch ihren Geschwindigkeitsvorteil den Markt manipulieren. Beim sogenannten Spoofing zum Beispiel sendet ein Computer Phantomangebote in großer Zahl aus, nur um sich kurz vor der Transaktion wieder zurückzuziehen. Durch die Fake-Angebote werden die Preise von Wertpapieren manipuliert.

Flash-Crashs

Ein großer Punkt der Kritiker ist zudem, dass sich die komplexen Algorithmen nicht mehr von Menschen überblicken lassen. Durch den blitzschnellen automatisierten Handel haben kleine Fehler große Effekte. Das passiert bei sogenannten Flash-Crashs, bei denen Kurse an der Börse in kürzester Zeit um viele Punkte einstürzen. In Europa wurde deshalb als Sicherheitsmechanismus für solche Fälle ein sofortiger Handelsstopp eingeführt. Verschiedenen Gesetze sollen auch die Marktmanipulationen einschränken. Kritikern ist das zu wenig, Befürworter halten die Befürchtungen dagegen für Schwarzmalerei und den Einfluss auf kleine Anleger für vernachlässigbar.

Titelbild: ©jim/fotolia

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