Kommt es wirklich auf die Größe an? Lohnt sich ein Vergleich? Wie viele Follower braucht ein Social-Media-Account wirklich, um relevant zu sein?

In Europa wird seit Monaten über Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform diskutiert. Akteure aus allen digitalen Branchen sind in Aufruhr und warnen vehement vor dem Vorstoß. Würde die aktuell vorliegende Fassung rechtsgültig, wären Internetanbieter in Zukunft verantwortlich dafür, „dass Inhalte, die von Nutzern auf ihren Plattformen hochgeladen werden, im Einklang mit dem Urheberrecht stehen“, heißt es in dem Gesetzesentwurf. Der überwiegende Teil der europäischen Konservativen zeigt sich von der Kritik jedoch unbeeindruckt.

Blamage auf Twitter

So auch der Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte, dessen Rhetorik auf Twitter nun Bekanntheit erlangte. Als der Nutzer @Angriffsmacht Hirte Unwissenheit in der Debatte vorwarf und ihn aufforderte, das Feld jüngeren Generationen zu überlassen, konterte der Christdemokrat:

Die Aussage löste eine Reihe von heftigen Reaktionen aus: Hirte wurde kritisiert, verspottet und sogar zum Meme gemacht, das sich verselbsständigte.

All das mediale Echo und die ungewollte Publicity wurden dem CDU-Abgeordneten schließlich zu viel; er löschte den Tweet und postete eine Entschuldigung. Jedoch einmal im Internet, wurde die Aussage weiter verbreitet und sorgt seitdem unverändert für Aufmerksamkeit.

Ich hab’ den größten … Twitteraccount

Alle Häme beiseite, es kommt tatsächlich nicht auf die reine Zahl der Follower an. Natürlich ist es für den Aufbau einer Marke immer hilfreich, ein großes Netzwerk an Kunden beziehungsweise Unterstützern hinter sich zu haben. Grundsätzlich gilt jedoch, jedes Produkt und jede Marke haben ihren klar definierten Zielbereich.

Qualität statt Quantität

Ein Nischenprodukt etwa hat keinen Nutzen von Zigtausenden Followern, die im Nachhinein gar kein Konsuminteresse haben oder sich gar als Bots erweisen. Spezialisierte Angebote leben von der Spezialisierung ihres Netzwerks. Erreiche ich 200 Personen, die für mein Produkt brennen, ist das vielmehr wert, als eine Reichweite von 25.000 Menschen, denen meine Werbung vielleicht sogar lästig ist.

„Follower sind und waren nie ein Marketingziel.“

bloggt Jan Firching, Senior Social Media Berater bei der Agentur Brennpunkt. Wenn überhaupt, ist die Anzahl der Fans Mittel zum Zweck. Dabei geht es primär um die Frage, welche Ziele möchte ich auf den Social-Media-Plattformen erreichen? Immerhin verfolgen Unternehmen andere Ziele als Influencer. So gesehen ist Hirtes Aussage zweifach verkehrt. Erstens hat er als Politiker, der tatsächlich einen beeinflussenden Job hat, mit 3835 vergleichsweise wenig Follower. Zum Vergleich:

Und zweitens kommt es selbstverständlich für die Relevanz und rhetorische Stärke eines Arguments nicht darauf an, wie viele Personen einem Social-Media-Account folgen. Nachdem das geklärt ist, lohnt sich abschließend ein kurzer Blick auf die Follower-Zahl von @Angriffsmacht nach der Debatte:

So, genug Internet für heute.

Titelbild: © Wikimedia Commons / Heribert Hirte

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