Mit dem Börsengang 2017 / 2018 erwarten sich die Öl-Scheichs frisches Geld fürs Staatssäckel. Das Paradies aus Tausendundeiner Nacht kommt in der Wirklichkeit an. Nach vielen fetten Jahren, in denen anscheinend sogar einfache Angestellte aus goldenen Becherchen getrunken haben und ein Kurztrip zu einem Spiel Bayern Münchens mit dem Privatjet aus der Portokasse beglichen wurden, muss Saudi-Arabien den Gürtel enger schnallen und neue Geldquellen suchen. Schuld daran ist der dauerhaft niedrige Ölpreis.

Scheichs machen Schulden – Investoren stehen Schlange

Was für die Ölmultis ein Schritt in die Schulden ist, ist für Investoren eine neue Möglichkeit. Denn der Kapitalmarkt Saudi-Arabiens war bisweilen für ausländische Investoren so gut wie nicht erreichbar. Das ändert sich nun in großem Stil. Der Wüstenstaat plant, einen Kredit über zehn Milliarden US-Dollar aufzunehmen. Als Kreditgeber fungiert ein Bankenkonsortium, in dem sich Namen wie HSBC, JP Morgan und Tokio-Misubishi-Bank wiederfinden. Von den einzelnen Mitgliedern des Konsortiums werden mindestens 500 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Wie die „Finanzial Times“ berichtete, war die Nachfrage so groß, dass das Königreich in der Wüste den geplanten Kredit von sechs auf zehn Milliarden aufstocken konnte. Und das Geld ist bitter nötig. Hat doch der Ölstaat durch die dauerhaft niedrigen Preise ihres Rohstoffes Nummer eins einen Verlust von 120 Milliarden US-Dollar in den letzten Jahren hinnehmen müssen. Geld, das im Staatshaushalt zur eisernen Reserve gehörte.

Börsengang soll 2 Billionen US-Dollar bringen

Aber allein mit dem Bankenkredit und der erstmaligen Staatsverschuldung seit 25 Jahren ist es noch nicht getan. Für 2017 / 2018 ist der Börsengang des Public Investment Fonds geplant. Dieser Staatsfonds hat bereits einen Wert von 100 Milliarden Dollar. Durch den Gang an die internationale Börse soll sein Volumen auf zwei Billionen Dollar ansteigen. Nicht der Fond geht jedoch an die Börse, sondern Aramco, die Muttergesellschaft des staatlichen Erdölförderkonzerns. Saudi-Arabien wäre also nicht mehr nur allein auf die Erträge aus dem Erdölhandel angewiesen und würde sich breiter am Markt positionieren. Mit den Gewinnen durch den Börsengang könnten die Staatsreserven aufgefüllt und auf der anderen Seite könnte mehr Geld im Ausland in andere Projekte und Firmen investiert werden. Derzeit beträgt der Anteil der Auslandsinvestitionen nur fünf Prozent. Bis 2020 sollen es nach Aussagen von Yasir Alrumayyan, dem Generalsekretär des Verwaltungsrates, ganze 20 Prozent werden. Dafür sucht der Wüstenstaat zurzeit nach internationalen Bankern und Fondsspezialisten.

IWF-Chefin empfiehlt Sparkurs

Das Investieren in die Privatwirtschaft wurde den Saudis sogar von der IWF-Chefin Christine Lagarde ans Herz gelegt. Bei einer Reise nach Riad im April 2015 traf sich die Direktorin des Internationalen Währungsfonds mit den Scheichs in Riad und bemängelte die umfangreichen Investitionen aus dem Staatshaushalt. Saudi-Arabien leistet sich einen Beamtenstaat wie kein Zweiter. Nahezu jeder zehnte Saudi arbeitet für die Regierung. Was man sich bisher durch die hohen Exportgewinne leisten konnte, wird nun zur Belastung für den Staat. Dadurch ergeben sich zwei Möglichkeiten. Unrentable Staatsunternehmen abstoßen und Einsparungen vornehmen, oder aber den Finanzmarkt mit Beteiligungen an großen internationalen Unternehmen direkt angreifen. Erste Möglichkeit kommt für die Wüstenherrscher wohl nicht infrage. Schon jetzt müssen sie enorme Summen aufwenden, um das Volk gefügig zu halten. Nicht jeder Saudi sieht die Verschwendungssucht mit so positiven Augen wie das Königshaus selbst. Die zweite Möglichkeit ist eher denkbar. Wie bereits erwähnt, eröffnen sich mit dem Börsengang der Erdölfördergesellschaft Saudi-Aramco, das laut Manager Magazin wertvollste Unternehmen der Welt ist, völlig neue finanzielle Möglichkeiten. Ziel ist es zum Beispiel, den Bereich der chemischen Industrie im eigenen Land auszubauen. Also die Produkte selbst zu produzieren, für die das Schwarze Gold benötigt wird.

Wie sich billiges Rohöl auf die Welt auswirkt

Dass der Preis für das Barrel Rohöl in den nächsten Jahren signifikant ansteigen wird, ist eher unwahrscheinlich. Die Folgen des billigen Rohstoffes sind:Wirtschaftswachstum
Durch gesunkene Rohölpreise sinken auch die Kosten für Benzin und Heizöl. 2015 wurden in Deutschland 13,5 Milliarden weniger dafür ausgegeben. Auch in der Industrie sinken dadurch die Einkaufspreise.

  1. Wenn die Preise wieder steigen
    Für 2021 wird von der Internationalen Energieagentur ein deutlicher Anstieg der Rohölpreise erwartet. Ob dies allerdings eintrifft, ist noch unklar. Denn mit dem Iran kommt ein neuer alter Anbieter auf den Markt. Nach Ende der Sanktionen will der Staat wieder voll ins Ölgeschäft einsteigen. Eine Deckelung der Fördermengen, wie sie vom OPEC-Kartell und Russland gefordert wird, damit sich der Ölpreis beruhigt, ist dann eher unwahrscheinlich.
  2. Ende des Börsen-Booms
    Billige Rohstoffpreise sind für die Börse ein Zeichen für sinkende Nachfrage. Das wirkt sich ebenfalls auf die Börse aus. Ende des Jahres mussten hier herbe Verluste verbucht werden.
  3. Schlecht fürs Klima
    Billige fossile Brennstoffe machen es schwierig, dem Verbraucher zu erklären, warum er sparen soll. Gerade in Schwellenländern sorgt der Wirtschaftsboom dafür, dass immer mehr Fabriken entstehen. Und damit auch eine höhere Umweltbelastung.
  4. Elektroautos in weiter Ferne
    Neben dem Kostenfaktor – Elektroautos haben einen viel höheren Verkaufspreis als Benziner – ist ein Umsteigen auf saubere Fortbewegung für den Normalverbraucher nur schwer nachvollziehbar. Gerade auf dem US-amerikanischen Markt hat der Verkauf von leichten Trucks einen Höchstwert von 60 Prozent erreicht. Man kann sich, dank des niedrigen Benzinpreises, wieder Spritschlucker erlauben.
Titelbild: © vlaru

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