Endlich wurden die Gebete unzähliger Eltern erhört. Denn glaubt man der im April 2016 veröffentlichen Studie des Sinus-Institutes, sind die 14- bis 17-Jährigen alles andere als rebellisch. Das Sinus-Institut untersucht alle vier Jahre, welche Ängste, Sorgen, Pläne und Vorstellungen diese Altersgruppe hat. Dazu wurden 72 Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewählt und in mehrstündigen Interviews befragt. Die Themen sind tagesaktuell. So waren die Probleme rund um Asyl und Flüchtlingsbewegung ebenfalls Teil der letzten Befragung.

Mainstream und Anpassung

Waren es früher bunte Haare und Null-Bock-auf-alles, sind es heute Angepasstheit und Nicht-auffallen-wollen. Es scheint, dass die Globalisierung auch mehr Raum für Ängste und Sorgen gibt. Es ist zwar einfach, schnell von Punkt A zu Punkt B zu gelangen, aber gerade das macht das eigene Heim für die 14- bis 17-Jährigen noch attraktiver. Draußen lauern Gefahren wie Krieg, Terroranschläge und Kriminalität. Wer nicht lernt, wird später auch keine Arbeit finden. Das, was Eltern jahrelang gepredigt haben, kann diese Generation nun mit eigenen Augen sehen. Und was man selbst erlebt, glaubt man auch eher. Der Mainstream, also die breite Masse, ist das erstrebenswerte Ziel. Den Slogan: „Schon heute an morgen denken“ haben diese Jugendlichen verinnerlicht. Dies verdeutlichen die Befragungsergebnisse. Für die Versicherungswirtschaft bedeutet dies allerdings auch ein Umdenken. Zwar sind die Erwachsenen von Morgen bereit, in die Zukunft zu investieren und ihr Leben abzusichern, sie wollen auf der anderen Seite aber auch genau wissen, wie das funktionieren soll und wie genau die Risiken aussehen.

Sieben Welten und ein Ziel: Eine sichere Zukunft

Zwar ist die Sinus-Studie nicht repräsentativ, denn es wurden nur 72 Jugendliche befragt, sie gibt allerdings einen interessanten Einblick in die Lebensart der noch jungen Menschen. Den Jugendlichen, der eine ganze Generation beschreibt, gibt es nach Auskunft der Studie nicht. Vielmehr lassen sich sieben unterschiedliche Lebenswelten ausmachen. Der Schlüssel liegt allerdings in der Orientierung hin zu den Eltern. Versteht man die Eltern, kommt man an die Jugendlichen heran.

Die Spießer-Generation

Eine der Lebenswelten sind die konservativ-bürgerlichen Jugendlichen. Vernunft, Pflichtbewusstsein und Pünktlichkeit zeichnet diese Gruppe aus. Eben die deutschen Tugenden, die aus dem Land das gemacht haben, was es heute ist. Lebensziel ist eine gute Arbeit und eine Familie, in der Kinder eine große Rolle spielen.

Die Praktischen

Adaptiv und pragmatisch – diese Jugendlichen legen Wert darauf, dass ihre Arbeit anerkannt wird. Zudem haben sie ein ausgeprägtes Markenbewusstsein. Kommen Kids aus dieser Gruppe aus Familien mit Migrationshintergrund, ist einer der Wünsche, in Deutschland alt zu werden, am besten mit doppelter Staatsbürgerschaft.

Die Außenseiter

Prekär – so lässt sich mit einem Wort die Lebenssituation dieser Gruppe beschreiben. Die Studienteilnehmer kommen aus komplizierten Familienverhältnissen und wissen eines ganz genau. Sie wollen einmal besser leben als ihre Eltern. In ihren Wünschen für die Zukunft finden sich ebenso Luftschlösser, als auch bescheidene Wünsche wie ohne Probleme alt zu werden. Sie sehen sich nicht als Teil der großen Masse, wollen aber insgeheim doch dazugehören.

Ich will Spaß

Materialistische Hedonisten wollen das Leben in ganzen Zügen genießen. Geld ist das Zentrum ihres Denkens, denn so können sie Urlaub und Party machen und shoppen bis zum Umfallen. Wie die Adaptiv-pragmatischen haben sie ein ausgeprägtes Markenbewusstsein. Da das Geld aber nicht immer reicht, geben sie sich auch mit guten Fälschungen zufrieden. Ihre Zukunft dreht sich allerdings ebenso um Familie, Beruf und eigenes Haus.

Die Unabhängigen

Die experimentellen Hedonisten sehen sich in der Zukunft als Café-Besitzer oder Freelancer. Nur keine Langeweile aufkommen lassen, sondern immer etwas Neues ausprobieren. Das heißt, in die eigenen vier Wände, sobald dies möglich ist. Um Geld machen sie sich nicht so große Sorgen. Das wird schon irgendwie auftauchen. Sie leben nach dem Motto „Mal sehen was passiert“ und sind auf ihre eigene Art und Weise flexibel in ihrer Lebensgestaltung.

Das Grüne Gewissen

Gesunde Ernährung, auch vegetarisch, Recycling und kulturell aufgeschlossen – die Sozialökologischen legen Wert auf Werte. Der Wesentlichste, der die Sozialökologischen ausmacht, ist Toleranz. Dabei verwehren sie sich allerdings gegen Rassismus, Luxus und Arroganz. In einem friedlichen Umfeld, mit einer Familie, die ihnen Liebe und Freiheit gegeben hat, aufgewachsen, setzen sie sich für andere ein. Dabei haben sie immer das Gefühl, nicht ausreichend Zeit für ihr soziales und ökologisches Engagement zu haben.

Der Gewinnertyp

Das Zentrum ihres Universums sind sie – die Expeditiven. Sie sehen sich selbst als Avantgarde ihrer Generation. Sie scheinen die einzige Gruppe zu sein, die nicht direkt im Mainstream schwimmen will. Aber etwas genauer betrachtet, sieht man, dass sie doch in die gleiche Richtung schwimmen, nur eben etwas über dem Mainstream. So sehen sie sich auch als Trendsetter ihrer Generation – unabhängig, stilbewusst, interessant und einzigartig.

Ist es nun schlimm, dass der Großteil der Jugendlichen sich nach geordneten Verhältnissen, Orientierung und Beratung sehnt? Die großen Themen der letzten Generationen wie Gleichberechtigung, soziale Ungerechtigkeit und gesellschaftliches Ausbrechen gibt es zwar noch, sind aber nicht mehr Teil der Probleme der 14- bis 17-Jährigen. Diese machen sich eher Sorgen um den steigenden Meeresspiegel, wie viel Rente sie einmal erhalten werden und die Sicherheit des Internets. So lässt sich auch erstmals eine viel kritischere Sichtweise in Bezug auf digitale Medien beobachten.

Titelbild: © Rawpixel.com

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