Wenn der Anscheinsbeweis dafür spricht, dass der Fahrer seine Geschwindigkeit nicht oder nicht ausreichend den besonderen Straßen- und Wetterverhältnissen angepasst hat, ist das mögliche Fehlverhalten des Unfallgegners zweitrangig. Aus dem Urteil der 17. Zivilkammer des Landgerichts Kiel (AZ.: 17 O 93/14).

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Wer bei Glatteis Gas gibt ist schuld, unabhängig vom möglichen Fehlverhalten des Unfallgegners und zahlt! Der Präzedenzfall aus Kiel: Auf einer eisglatten Straße kam an einer Einmündung ein Autofahrer, später der Beklagte, auf die Gegenfahrbahn. Die entgegenkommende Lenkerin, die Klägerin, versuchte einen Zusammenprall zu vermeiden, wich rechts auf den Fußweg aus. Trotz Bremsversuch des später Beklagten kam es zu einem Zusammenstoß.

Schuldfrage? Versicherungsfrage?

Die Haftpflichtversicherung des Beklagten übernahm lediglich 50 Prozent des Schadens, da die Unfallgegnerin die Kurve geschnitten und sich auf der Fahrbahnseite des entgegenkommenden Fahrzeugs befunden haben soll. Dadurch sei es zu dem bei einer den Witterungsbedingungen angepassten Geschwindigkeit von knapp 30 Stundenkilometer fatalen Bremsmanöver auf Glatteis gekommen, das letztendlich der Grund für den Zusammenstoß war. Die Klägerin jedoch behauptete, dass der PKW-Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen sei und deshalb auf die Gegenfahrbahn geriet. Durch sein Fehlverhalten sei es zu dem Zusammenstoß gekommen. Daher forderte sie die Übernahme der gesamten Kosten von knapp 24.000 Euro durch die Versicherung des Unfallgegners.

Glatteis? Runter vom Gas!

Laut Gericht lag in diesem Fall kein unabwendbares Ereignis vor, das auch durch äußerste Sorgfalt nicht hätte verhindert werden können. Die Tatsache, dass der Beklagte durch den eingeleiteten Bremsvorgang auf die Gegenfahrbahn geriet, sprach für das Gericht dafür, dass seine Geschwindigkeit nicht angepasst war. Die Klägerin konnte daher den Unfall nicht vorhersehen. Da sich Zeugenaussagen widersprachen, war auch nicht eindeutig beweisbar, dass die PKW-Fahrerin den Unfall verursacht hatte. Daher ging das Gericht davon aus, dass der Beklagte mit einer zu hohen Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein musste und verurteilte ihn und seine Versicherung zur Zahlung der gesamten Schadensumme.

Dein Geld kann mehr

Wer mit der Schadenregulierung der gegnerischen Kfz-Versicherung nach einem Verkehrsunfall nicht einverstanden ist, kann mittels einer Verkehrsrechtsschutzversicherung risikolos sein Recht vor Gericht einfordern. Diese Police übernimmt sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten für die Geltendmachung der eigenen Schadenersatzansprüche, wenn der Rechtsschutzversicherer vorab eine Leistungszusage gegeben hat. Sie übernimmt übrigens auch jene Kosten, um unberechtigte Forderungen abzuwehren und sichert nicht nur die Rechte nach einem Verkehrsunfall. Sie kommt auch bei Problemen mit dem Verkäufer eines Autos oder mit der Werkstatt zum Einsatz. Versichert sind immer das Fahrzeug, die Insassen samt berechtigtem Fahrer und auch die Fahrt mit einem Mietwagen.

Titelbild: © f9photos

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