Die deutsche Getreide- und Rapsernte fiel 2016 unterdurchschnittlich aus. Das zeigt die aktuelle Erntebilanz des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Ursachen dafür könnten in der Wetterentwicklung des letzten Jahrzehnts liegen. Regenfälle, Schauer, kalte Luft, Schnee, verfrühte Hitze, Frost oder Trockenheit. Die Folge: Ernteeinbrüche. Aber wer zahlt bei witterungsbedingtem Ertragsausfall? Und welche landwirtschaftlichen Versicherungen sind für jeden Bauern essenziell?

Land unter

Tagelange Regenfälle und überforderte Kanalisationssysteme sind eine schlechte Kombination. So klagten Brandenburgs Bauern in Folge des Dauerregens über bevorstehende Ernteausfälle.

Gegenüber dem rbb sagte Henrik Wendorff, Präsident des Brandenburger Landesbauernverbandes, dass insbesondere die Getreideernte unter den hohen Niederschlagsmengen leide. Brandenburgs Bauern bewirtschaften rund 1,3 Millionen Hektar. Das sind fast 45 Prozent der Bodenfläche des Landes. Auf etwa 550.000 Hektar wird Getreide angebaut. Knapp 300.000 Hektar sind Dauergrünland. Gerade verschaffe man sich einen Überblick über die Höhe des Regenschadens. Insgesamt könnten die Ausfälle ein Drittel der Gesamternte oder sogar mehr betragen. Deswegen verschiebt sich der Erntezeitpunkt, denn Getreide muss trocken geerntet werden. Und auch dadurch leidet die Qualität.

“Wir hoffen, dass der Rest noch als Futter geeignet ist”, sagte Wendorff. Auf jeden Fall müsse alles vom Acker. Sonst keimten die Körner und brächten das Bearbeitungsregime für die nächste Saison durcheinander.

Gefrorenes Obst

In Bayern reichten dieses Jahr zwei kalte Nächte, um den Obstbauern kalte Füße und schlaflose Nächste zu bescheren.

„Im Zusammenspiel mit der verfrühten Obstblüte kommen die Frostnächte im April einer Naturkatastrophe gleich“, fasste der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) die Lage zusammen.

Denn der Frühling kam dieses Jahr zu früh, der Winter kehrte dann für zwei Nächte zurück. Zwischen dem 19. und 21. April. Temperaturen bis zu minus sieben Grad Celsius vernichteten die Blüten. Besonders hart hat das extreme Wetter Obstbauern und Winzer am Bodensee und in Franken getroffen. Auf einer Anbaufläche von rund 3.800 Hektar entstand nach Schätzungen der Staatsregierung ein Schaden von rund 60 Millionen Euro. Doch nun bekommen Obstbauern und Winzer in Bayern staatliche Unterstützung. Rund 34 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung.

„In dieser oft existenzbedrohenden Notsituation lassen wir unsere Obstbauern und Winzer nicht alleine, zumal die Schäden auch nicht zu annehmbaren Bedingungen versicherbar gewesen wären“, so Brunner.

Schäden nehmen zu

Laut Statista sind vor allem Stürme und Hochwasser für die meisten Schäden verantwortlich. So Betrug der Gesamtschaden durch das Hochwasser in Deutschland 2013 rund 12,9 Milliarden US-Dollar. Der letzte Sturm (18. Januar 2007) verursachte ganze 5,5 Milliarden US-Dollar an Schaden. Um nicht alleine auf den anstehenden Kosten sitzen zu bleiben, sind folgende landwirtschaftliche Versicherungen unabdingbar:

Haus und Hof

Riskant für landwirtschaftlich Gewerbetreibende sind Schäden an ihren Produktions- und Lagerhallen. Die Gebäudeversicherung deckt alle landwirtschaftlichen Gebäude, einschließlich Verwaltungsgebäude und Silos ab. Sind Wohn- und Betriebsgebäude voneinander getrennt, ist es möglich, das Wohngebäude über eine private Gebäudeversicherung zu schützen. Ist keine Trennung vorhanden, muss alles in die landwirtschaftliche Gebäudeversicherung eingeschlossen werden. Je nach Anbieter zählen Tränken, Tröge und die Melktechnik zum Gebäude und sind in einer solchen Versicherung erfasst. Sie schützt vor Brandschäden, Schäden durch Explosion und Blitzschlag, austretendem Leitungswasser, Einbruchdiebstahl, Sturm und Hagel sowie Elementarschäden durch Erdbeben und Überschwemmung.

Alles Gute kommt von oben

Die Hagelversicherung erklärt sich von selbst. Mittlerweile ist sie, je nach Anbieter, auch erweiterbar auf Frost- und Hitzeschäden sowie Überschwemmung und andere klimatische Extremphänomene. Im Schadensfall wird der Ertragsausfall ersetzt. Dieser bemisst sich nach dem erwarteten Erntewert je Hektar. Das Einreichen eines Anbauverzeichnisses lässt auch eine Erhöhung der Versicherungssumme zu, hat jedoch keinen Einfluss mehr auf zurückliegende Schadensfälle. Der Bauer kann zwischen Einzelvertrag oder Pauschalversicherung wählen.

Trecker fahr’n

Sowohl fahrbare Maschinen und Geräte, wie Mähdrescher, Feldhäcksler, Strohpressen, Bodenbearbeitungsmaschinen, Kartoffel-, Rüben-, Gemüse- und Traubenvollernter, als auch stationäre Anlagen, wie Tanks, Pumpen, Stromaggregate, sind versicherbar. Eine Maschinenversicherung übernimmt die Kosten bei Schäden durch Konstruktions- und Materialfehler, Bedienungsfehler, Versagen von Mess-, Regel- und Sicherheitseinrichtungen. Außerdem auch bei Schäden durch Kurzschluss, Überstrom und Überspannung und bei Einbruchdiebstahl oder Raub. Ebenfalls übernimmt diese im Schadensfall die Kosten zur Wiederherstellung der versicherten Sache. Im Falle eines Totalschadens wird der Zeitwert abzüglich eventueller Restwerte ersetzt.

Inhaltsversicherung

Eine Inhaltsversicherung oder Inventarversicherung umfasst das gesamte Inventar (keine fahrbaren Maschinen außerhalb des Betriebes). Eingeschlossen sind dabei das Vieh sowie alle Maschinen, technischen und kaufmännischen Betriebseinrichtungen, Waren und Vorräte. Schutz vor: Schäden durch Feuer, Hagel, Blitzschlag, Sturm, Leitungswasser und Einbruchdiebstahl. Im Schadensfall richtet sich die Kostenübernahme durch den Versicherer nach dem Wiederherstellungs- beziehungsweise Wiederbeschaffungspreis der zerstörten Sache. Bei Beschädigung werden die notwendigen Reparaturkosten ersetzt. Achtung: Lösch- und Aufräumarbeiten sollten zusätzlich im Vertrag mitversichert sein!

Ertragsschaden-/Ertragsausfallversicherung

Die Ertragsschadenversicherung übernimmt Kosten, die aufgrund eines Unfalls im Tierbestand entstanden sind. Gezahlt werden neben dem Ertragsausfall auch Mehrkosten für die Neuanschaffung von Tieren, die Entsorgung toter Tiere, die Vernichtung oder Sonderverwertung tierischer Produkte, Desinfektionskosten und Kosten für Schutzmaßnahmen.

Erntehelferversicherung

Die Erntehelferversicherung umfasst die Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen aller beschäftigten saisonalen Erntehelfer.

Betriebshaftpflichtversicherung

Sie hilft bei schwerwiegenden Personen- und Sachschäden im Umgang mit Tieren und landwirtschaftlichen Maschinen. Die Betriebshaftpflichtversicherung versichert, je nach Anbieter, nicht nur den Landwirt selbst, sondern ebenfalls die Angestellten, Azubis und Praktikanten. Enthalten ist meist eine Umweltschadenversicherung. Diese schützt vor Boden- und Gewässerschäden beim Umgang mit Chemikalien und Düngemitteln. Ebenso sind damit Schäden an geschützten Tieren, Pflanzen und Lebensräumen abgedeckt. Die landwirtschaftliche Betriebshaftpflichtversicherung übernimmt die Kosten, die bei Sach- und Personenschäden, aber auch bei Vermögensschäden entstehen. Im Schadensfall prüft die Versicherung, ob die Schadensersatzansprüche zu Recht geltend gemacht werden und übernimmt eine legitime Forderung. Bei unrechtmäßiger Forderung trägt der Anbieter die Kosten, die beim Nachweis der Unrechtmäßigkeit entstehen. Die Höhe der Kostenübernahme und die Prämienhöhe sind von Versicherer zu Versicherer verschieden.

Bild: © Eléonore H/Fotolia

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