Bei Immobilien für superreiche Menschen denken wir gleich an die Villen der Hollywood-Stars oder die Anwesen amerikanischer Popgrößen. Jennifer Lopez hat ihr Haus endlich verkauft, allerdings nur für 9,9 anstatt der gewünschten 17 Millionen Dollar. Wobei Haus die Untertreibung des Jahres ist. Schließlich hat das Anwesen ein eigenes Kino und ein voll ausgerüstetes Tonstudio. Auch Michael Jacksons Neverland Ranch ist jetzt glatt ein Schnäppchen: Nur noch 67 Millionen Dollar soll sie anstatt der ursprünglichen 100 Millionen kosten. Die teuerste Immobilie der Welt befindet sich in Südfrankreich und kostet eine Milliarde Euro. Und was tun als Otto Normalbürger? Nach Sachsen gehen …

Droht eine deutsche Immobilienblase?

Im deutschen Immobilienmarkt wird zunehmend wichtiger, wo die Reichen und Superreichen ihre Zweit- oder Drittwohnsitze aufschlagen oder einfach zur Geldanlage in Luxusimmobilien investieren. Ins Visier der vermögenden Käufer ist jetzt Berlin geraten. Denn die Frage, wo man sein Geld anlegen kann, um noch Renditen zu erwirtschaften, wird in Zeiten niedriger Zinsen immer drängender. Immobilien, oder Betongold, erscheinen da die solide Wahl. Und nicht nur die reichsten der Deutschen kaufen in Deutschland Immobilien. Die Käufer kommen aus Russland, dem nahen Osten und immer häufiger auch China. Die teuerste Villa in Zehlendorf wechselte 2015 für lässige 15 Millionen Euro den Besitzer. Und im ersten Halbjahr 2016 wurden insgesamt 409 Luxusimmobilien für mehr als 523 Millionen Euro verkauft. Dabei werden die Objekte immer knapper – es könnte viel mehr verkauft werden als es gibt.

Die Bundesbank warnt schon seit einiger Zeit, dass die Immobilienmärkte in Deutschland überhitzen. Die Preise hätten 2016 bereits 15 bis 20 Prozent über dem realistischen Niveau gelegen. Auch die Mieten sind parallel dazu in dem Jahr stark gestiegen. Und so beklagen sich die Alteingesessenen über die Luxus-Eigentumswohnungen, die Gentrifizierung und den Verlust ihres alten Lebensgefühls, als sie sich noch in ihrem Viertel heimisch fühlten. Das betrifft Berlin genauso wie München, Stuttgart ebenso wie Frankfurt, Dresden und Leipzig.

Miete als Grund für Altersarmut

Politiker und Sozialwissenschaftler sehen den starken Anstieg der Immobilienpreise ebenfalls kritisch. Der Anteil an Mietern ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern sehr hoch. Steigende Mieten fressen Renten auf. Und vergrößern die soziale Ungleichheit: Wer kein Geld hat, kann kein Eigentum erwerben, muss aber immer mehr seines Monatseinkommens für Mieten aufwenden. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag der Bausparkasse Schwäbisch Hall zeigt, dass die Deutschen dies begriffen haben.”Die Umfrage bestätigt, dass die eigene Immobilie als Altersvorsorge bei den Deutschen hoch im Kurs steht. Im Gegensatz zu einer Geldrente kann sie schon vor dem Ruhestand genutzt werden. Darüber hinaus schützt die vermiedene Miete vor Altersarmut”, sagt Karsten Eiß, Baufinanzierungsexperte von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Jeder fünfte Deutsche möchte Eigentum erwerben. Von denen, die sich gegen einen Kauf entschieden haben geben allerdings 68 Prozent der Befragten an, dass ihnen schlicht das Geld dazu fehlt.

Auf nach Sachsen!

Das Land Sachsen will hier nun Abhilfe schaffen und günstige Kredite für Familien zur Verfügung stellen. Denn in den Städten des östliche Bundeslands gibt es nur wenige Eigenheimbesitzer: In Leipzig wohnen lediglich 12 Prozent in den eigenen vier Wänden. Im europäischen Durchschnitt dagegen 70 Prozent. Die wenigen Eigentümer sind nicht nur in Sachsen ein Problem. Auch andere Bundesländer fördern Familien beim Grunderwerb. Und Politiker fordern jetzt einen Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer, um den Kauf von Wohneigentum günstiger zu machen. Oder zumindest eine Aufteilung des Betrags in monatliche Raten. Vielleicht rückt damit ja der Eigenheimkauf doch in erreichbare Nähe?

 

Titelbild: © jrossphoto/Fotolia

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