Nein, wir sind nicht total bekifft, schon gar nicht zwei Tage nach dem Internationalen Aktionstag gegen Drogenmissbrauch. Doch wie Opioide schon lange, gelten jetzt auch Cannabinoide als legale Arzneimittel. Und damit eröffnet sich ein riesiger Investmentmarkt: Cannabis, auch Hanf oder Marihuana, für den medizinischen Gebrauch. Solide oder nur Schall und Rauch?

Cannabis ist seit März legal: in der Medizin

Seit März dieses Jahres ist Cannabis in Deutschland ein “verschreibungs- und verkehrsfähiges” Medikament. Ärzte dürfen die Droge offiziell verschreiben. Die Patienten erhalten die Blüten der Pflanze dann per Rezept in der Apotheke. Doch wo wird das Gras angebaut? Anbau für den Eigenbedarf ist hierzulande in wenigen, offiziell genehmeigten Fällen, erlaubt. Doch auch diese Genehmigungen sollen bald einkassiert werden. Denn den medizinischen Hanfanbau kontrolliert ab sofort eine neugeschaffene Cannabis-Agentur des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. Die verkündet, dass der Bedarf so lange durch Importe gedeckt würde, bis der Anbau in Deutschland und Europa legal angelaufen sei.

Wie sieht es in anderen Ländern aus? In mehr als der Hälfte aller US-Bundesstaaten sind Cannabis-Produkte mittlerweile für medizinische Zwecke erlaubt, etwa bei chronischen Schmerzen oder Nebenwirkungen von Multipler Sklerose. Kanada legalisiert ab Sommer den Konsum insgesamt – mit 30 Gramm pro Tag. In Uruguay ist Cannabis schon seit 2012 völlig legal.

Börsenhype in Kanada

Mit dem Import von medizinischem Cannabis verdient die Firma Spektrum Cannabis aus St. Leon-Rot im Rhein-Neckar-Kreis ihr Geld. Dabei leidet Kanada selbst unter Versorgungsengpässen. Auch wenn das Land momentan offiziell nur die 200.000 Patienten beliefert, die legal auf Rezept kiffen. Spektrum Cannabis wurde jetzt von einem kanadischen Unternehmen aufgekauft, der Canopy Growth aus Kanada. Das Unternehmen hat selbst einen Umsatz von etwas über acht Millionen Euro im Geschäftsjahr 2015/2016. Aber eben auch rund zwei Millionen Euro Verlust. Wert an der Börse: etwas mehr als 900 Millionen Euro. Das erinnert an Blasen rund um Internet-Unternehmen.

In Kanada wurde jetzt der erste ETF, der in Marihuana-Firmen investiert, aufgelegt. Horizons Medical Marijuana Life Sciences ETF (HMMJ), wird seit dieser Woche im Toronto Stock Exchange angeboten. Also eine Investition ohne das Risiko, das die Aktien einzelner Firmen mit sich bringen. Der ETF hält aber nur Aktien von 14 Unternehmen insgesamt. Und obwohl er als global gilt, haben zehn dieser Firmen ihren Sitz in Kanada. Denn dort wird schon seit Jahren Cannabis für medizinische Zwecke angebaut.

Die Wirtschaftswoche schreibt: “Anleger haben also die Wahl zwischen hochriskanten Wetten auf kleine, börsennotierte Unternehmen, auf Profiteure in der Zuliefererindustrie oder auf die ersten Fondslösungen, die ihre Expertise in der Aktienauswahl erst noch beweisen müssen. Wer Informationen über die einzelnen Wertpapiere sucht, wird zum Beispiel auf Internetseiten wie marijuanastocks.com, marketwatch.com, technical420.com oder seekingalpha.com fündig.”

Insider betrachten Unternehmen wie GW Pharmaceuticals, Insys Therapeutics und Zynerba sowieso als Biotech-Unternehmen und nicht als “echte” Marihuana-Aktien.

Anlage in Deutschland

Jetzt hat auch Ökoworld, ein Unternehmen, das seit Jahrzenten in ethisch-ökologische Kapitalanlagen investiert, den Wachstumsmarkt Cannabis in sein Portfolio aufgenommen. Alfred Platow, Vorstandsvorsitzender der Ökoworld AG, führt aus:

Cannabis
Alfred Platow, Vorstandsvorsitzender der ÖKOWORLD AG

“Wir sind ganz klar dafür, Drogen für medizinische Zwecke zu legalisieren. Cannabis für die Gesundheit ohne vermeidbare Schmerzen in der Behandlung. Und für die pflanzliche Heilung mit weniger Chemie für den Körper. Das Unternehmen GW Pharmaceuticals nimmt eine weltführende Position in der cannabinoiden Medizinforschung ein. Der Fokus liegt dabei auf Krankheiten des Zentralen Nervensystems, insbesondere seltene Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen. Für Ökoworld Ökovision Classic, den mit über 700 Mio. Euro Anlagevolumen größten Fonds der Ökoworld-Produktpalette, ein sehr passendes Unternehmen.”

Der Anbau der Pflanzen erfolgt an mehreren Standorten in Großbritannien und auf Teneriffa. Die Forschung und Produktion der Medikamente erfolgt in Großbritannien. In den USA agiert GW über die Tochtergesellschaft Greenwich Biosciences. Alle Medikamente enthalten Cannabinoide aus Hanfpflanzen. Auch in Deutschland soll bald gezüchtet werden: Der ehemalige Besitzer der Importfirma Spektrum Cannabis, Pierre Debs, sucht nach Anbauflächen.

Crowd-Investing? Achtung Risiko!

Wie die F.A.Z berichtet, hat das DCI Cannabis Institut GmbH über die Plattform Transvendo eine Crowd-Finanzierungskampagne gestartet. Zur Finanzierung des Wachstums wollen die Münchener bei Anlegern via Internet ein klassisches Nachrangdarlehen über eine Million Euro platzieren. Bei einer Mindestanlagesumme von 100 Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren wird dieses mit 5 Prozent jährlich verzinst. Am Ende der Laufzeit kann zudem noch ein Bonus von zehn Prozent ausgeschüttet werden. Damit sei eine Rendite von 6,75 Prozent möglich. Wenn es schief geht, droht aber auch 100-prozentiger Verlust, das sollte jedem Anleger klar sein.

Dein Geld kann mehr

Anlagen in Cannabis werden auch als der “grüne Goldrausch” bezeichnet. Wer Spielgeld zur Verfügung hat, hat hier beim Zocken gute Chancen auf hohe Gewinne. Doch Achtung: Die Regierung Trump versucht gerade, die Legalisierung von Haschisch rückgängig zu machen. Also schön bei den “unechten” medizinischen Marihuana-Aktien bleiben – kein Fake!

Titelbild: (c) openrangestock/Fotolia Beitragsbild: (c) ÖKOWORLD AG/Andreas Endermann

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