Immer mehr Versicherer investieren in Start-ups, so genannte Insuretechs. Die Munich Re hat einen eigenen Chef der Sparte Digital Partners, Andrew Rar, der entscheidet, in welche Unternehmen der Rückversicherer investiert. Nur acht wirklich interessante hat er im letzten Jahr ausgemacht. Die Baloise stellt 47 Millionen für die Entdeckung von Insurtechs, die zur Unternehmensstrategie passen, zur Verfügung. Und die Zurich engagiert sich in der Förderung von jungen digitalen Unternehmen in Köln.

Mag auch manch einer den “Kulturkampf” zwischen Versicherern und Insurtechs heraufbeschwören, klar ist, dass die Versicherungswelt nicht um die digitalen Neuerungen herumkommt. Und während viele alteingesessene Versicherer noch damit kämpfen, ihre Altbestände in einheitliche digitale Form zu bringen, können die jungen Wilden leicht ein paar Schritte vorangehen. Doch sehen auch Experten noch keine wirklich disruptiven Ansätze, die die Branche komplett aufmischen würden, wie zum Beispiel durch Airbnb in der Übernachtungsindustrie.

Konkurrenz für Versicherer? Oder eher für Makler?

Wem machen Insurtechs dann Konkurrenz? Viele agieren als Makler und versuchen nicht einmal, neue Versicherungsmodelle zu entwickeln. Wird sich das langfristig bewähren? Noch 2015 wurden die Fintechs des Finanzbereichs gehypt – 2016 brachen die Investitionen fast auf die Hälfte ein. Insurtechs dagegen stiegen letztes Jahr in der Gunst der Investoren: Allein in Deutschland erhöhte sich die Investitionssumme von 106 auf 376 Millionen Euro, so eine Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG. Es bleibt also abzuwarten, ob die Investitionsbegeisterung auch hier wieder in ähnlichem Maße abebbt. Doch “Offline-“Makler unterschätzen die Gefahr durch die Insuretechs, so das Ergebnis des Makler-Absatzbarometers von YouGov.

Zuversicht unter Offline-Maklern

Wirklich komplexe Versicherungen, so wie die biometrische Absicherung – sprich Versicherungen, bei denen es um (Ab)Leben, Invalidität, Krankheit, Berufsunfähigkeit etc. geht – seien auch heute nicht durch einen Online-Makler zu bewältigen, glauben viele Makler. Und sind überzeugt, dass die meisten Insuretechs einen plötzlichen Tod sterben werden und Kunden daher ihre persönlichen Daten dort nicht hinterlegen würden. Realität oder Wishful Thinking? Die Geschäftsergebnisse der Allianz sehen 2016 jedenfalls auch deshalb so positiv aus, weil das Neugeschäft über Makler so erfolgreich war. Insurtechs sind und werden zwar immer mehr eine echte Alternative zum klassischen Versicherungsmakler. Doch greift wie bei allem das Vertrauens- und Exzellenzprinzip: Wenn Makler durch Wissen und Persönlichkeit punkten – und alle technischen Möglichkeiten nutzen, die die Digitalisierung für die Kundenberatung bietet – werden sie noch lange ein wichtiger Ansprechpartner der Kunden bleiben – Technik hin oder her.

Titelbild: © aleoks/Fotolia

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