“Oh, ihr, die ihr glaubt fürchtet Gott, und lasst, was künftig an Zinsnehmen anfällt, bleiben, so ihr gläubig seid” (Sure 2, Vers 278 des Koran).

Schätzungsweise 4,5 Millionen Muslime leben in Deutschland. “Die Menschen nehmen ihren Glauben ernst, die wollen das”, zitiert das Politikmagazin Cicero Matthias Caspar, Professor Unternehmens- und Kapitalrecht an der Universität Münster. Immer mehr Muslime wollen ihre Geldgeschäfte nach den Prinzipien des Korans tätigen. Scharia-konform. Ohne Zinsen.

Scharia-konformes Bankwesen

Weltweit gibt es rund 500 islamische Banken in mehr als 70 Ländern, die Finanzdienstleistungen nach den Regeln des Korans anbieten. Führend ist dabei Malaysia. Aber auch Saudi-Arabien, Indonesien, Katar und die Vereinten Arabischen Emirate gelten im Sektor als sehr aktiv. Mit zwei Billionen US-Dollar beziffert Cicero das weltweite Vermögen, das in der Branche koran-konform verwaltet wird. Mit durchschnittlichem Wachstumsraten von über 15 Prozent pro Jahr.

Drei wesentliche Grundpfeiler unterscheiden Islamic Banking von klassischen Bankgeschäften:

  • Zinsverbot (Riba)
  • Spekulationsverbot (Gharar)
  • Verbot des Glückspiels (Maysir)

Ebenso verboten sind Geschäfte, die im Zusammenhang mit Prostitution, Alkohol, Pornographie, Tabak und Waffen stehen.

Geldgeschäfte ohne Zinsen?

Geldgeschäfte ohne Spekulation und Zinsvergabe sind für Finanzdienstleister in Deutschland nicht vorstellbar. Eckpfeiler, die dem Wirtschaftsgebaren der Banken hierzulande zu Grunde liegen. Doch auch koran-konforme Transaktionen bringen Gewinne, ohne dabei den Regeln der Scharia zuwiderzuhandeln. “Wir haben ein unverkrampftes Verhältnis zum Profit”, sagt Kemal Ozan, ehemaliger Vorstand der KT Bank, der ersten islamischen Bank in Deutschland und der Eurozone.

Das Bankwesen, das sich streng an den Prinzipien des Korans hält, wirft Gewinne ab. Nur eben anders. Geldhäuser funktionieren wie Handelsbanken, indem sie kaufen und verkaufen. “Islamische Banken investieren in die Realwirtschaft und spekulieren nicht”, fasst Ozan den wesentlichen Unterschied zusammen.

Beispiel Autokauf. Dem Kunden fehlt das Geld. Die klassische Variante: Er nimmt einen Kredit in Höhe der Kosten für das Fahrzeug auf und zahlt diesen in Raten inklusive der Zinsen zurück. Getreu dem Koran: die Bank kauft das Auto selbst und gibt den Betrag inklusive eines Aufschlags an den Kunden weiter. In beiden Versionen wird Gewinn erwirtschaftet.

Immobilienfinanzierung. Die islamische Bank bildet zusammen mit dem Kunden eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Diese kauft dann die Immobilie. Der Kunde zahlt den Betrag in Raten der Bank zurück. Diese gibt GbR-Anteile an ihn ab. Zu einem Preis, der für die Bank profitabel ist.

Kreditkarten. Diese werden wie Mastercards angeboten, gewähren allerdings keinen Kreditrahmen. Die Umsätze werden direkt vom Konto abgebucht. Schließlich ist Geld aus sich selbst zu vermehren zwar eine “Erwerbskunst”, dennoch “die widernatürlichste von allen”, wusste schon der griechische Philosoph Aristoteles (384 bis 322 vor Christus).

Dein Geld kann mehr

Bankgeschäfte können seit 2015 auch in Deutschland nach den Regeln des Islam getätigt werden. Seit März 2015 hat die KT-Bank AG, Tochter der türkischen Beteiligungsbank Kuveyt Türk Katlilim Bankasi A.S., eine deutsche Banklizenz. Hauptsitz ist Frankfurt. Mit Filialen in Mannheim und Berlin. Demnächst in Köln. Voraussichtlich bald auch in München und Hamburg.

Die Frankfurter Adresse: Platz der Einheit 1. Ein Hoch auf die Stadtplaner und ihren symbolischen Brückenschlag zwischen Orient und Okzident.

Titelbild: ©nexusseven/Fotolia

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