Landwirtschaftliche Nutzung: Unmöglich! Drei Jahrzehnte nach der bisher schwersten Atomkatastrophe der Welt, sind die ukrainischen Behörden noch immer händeringend auf der Suche nach Möglichkeiten, die kontaminierte Sperrzone doch nutzen zu können. An Land- und Forstwirtschaft ist noch jahrhundertelang nicht zu denken.

100 Jahre Sicherheit

Gerade im November letzten Jahres musste erst der Beton-Sarkophag, der nach der Kernschmelze errichtet wurde, mit einer neuen Schutzhülle ergänzt werden. Mehr als zwei Milliarden Euro hat diese gekostet und 14 Tage dauerte es, sie über den Reaktor zu schieben. 100 Jahre Sicherheit vor radioaktiver Strahlung garantierte Staatschef Petro Poroschenko beim Festakt nahe des havarierten Atomkraftwerks. Die mehr als 36.000 Tonnen schwere Schutzhülle gilt als Meilenstein im Kampf gegen die Strahlung.

Jetzt doch wieder Strahlenenergie?

Und jetzt der nächste Meilenstein: Zurück zur Strahlenenergie!

Wie jetzt? Radioaktive Strahlen haben doch erst zur Katastrophe geführt! Im Juli letzten Jahres gab es die ersten Meldungen. Die radioaktiv verseuchte Sperrzone um Tschernobyl soll zu einer riesigen Solarkraftanlage werden.

In einem Gebiet von 2.600 Quadratkilometern will die ukrainische Regierung Solarzellen installieren. Die Zone wurde deshalb von Poroschenko im August 2016 zum Biosphärenreservat umgewandelt. Investoren aus Deutschland und China haben bereits Interesse geäußert, Solarpaneelen zu installieren. Auch weitere Länder wollen in die Anlage investieren. Aber: „Für jedes Projekt, das über zehn Megawatt groß ist, braucht man jemanden vor Ort – und zwar fast jeden Tag“, so Pietro Radoia, Solar-Analyst bei Bloomberg New Energy Finance.

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl
26. April 1986: Im Atomkraftwerk im ukrainischen Tschernobyl kam es nach zwei Explosionen zum Super-GAU. Schuld waren folgenschwere Bedienungsfehler bei der Überprüfung der Sicherheit des Reaktors von Block 4.

 

Radioaktive Strahlung: 150.000 Quadratkilometer in Weißrussland, der Ukraine und in Russland wurden radioaktiv verseucht. Mehr als 330.000 Menschen mussten evakuiert werden. Eine Schadstoffwolke von über 1.500 Meter Höhe entstand. Wechselnde Winde verteilten diese Strahlen in den folgenden Tagen über weitere 45.000 Quadratkilometer in ganz Europa. Ein Betongehäuse um den Reaktor sollte die weitere Strahlung eindämmen.

Genaue Opferzahlen: Bis heute sind sie schwer zu ermitteln. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben etwa 50 Menschen an den Folgen akuter Strahlenkrankheit. In den drei am stärksten betroffenen Ländern ist mit etwa 9.000 weiteren tödlichen Krebserkrankungen aufgrund der Strahlenkatastrophe zu rechnen. Die wohl häufigsten Gesundheitsfolgen waren Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen und Leukämie. Besonders Kinder und die Helfer vor Ort waren betroffen.

Unverbesserlich

Nach Tschernobyl folgte vor sechs Jahren die Nuklearkatastrophe von Fukushima. In Deutschland wurden noch im gleichen Jahr acht Kernkraftwerke vom Netz genommen. Bis zum 31. Dezember 2022 sollen alle acht weiteren abgeschaltet werden. Die belgische Bundesregierung wollte im letzten Jahr eine Betriebspause für zwei Meiler durchsetzen. Tausende kleine Risse in den Reaktorblöcken und offene Sicherheitsfragen waren nicht genug, um diese Pause durchzusetzen.

Eine Analyse des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zeigt außerdem: Die Kernkraftwerke unserer Nachbarländer sind für schwere Atomunfälle drastisch unterversichert. Doch gerade Tschernobyl beweist: Die Kosten eines Super-GAUs sind das eine Problem. Gesundheitliche Schäden für Mensch und Tier und die Strahlenbelastung der Natur sind noch über Generationen hinweg zu spüren.

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Titelbild: © Mond – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Video: © World Economic Forum

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